Gartenrundgang Ende Juli

Für Freunde von Heinzi dem Kater starten wir den heutigen Rundgang direkt mal im Dschungel. Der Dschungel besteht aus rotem Futtermais und Einlegegurken und befindet sich in einem Hochbeet. Mais in einem Hochbeet anzubauen, mag manch einem verrückt erscheinen, das passiert aber nur, wenn man unsere Spezial-Quecke nicht kennt.
Wie auch immer: der Mais wächst gigantös in die Höhe und bildet viel Masse, da ich aber keine Silage machen will sondern Körner verfüttern, wäre es mir lieb wenn er direkt mal anfängt zu blühen. Die Gurke hingegen steht nicht gut in diesem Pseudo-Milpa-Beet, denn der Mais nimmt Sonne und Kraft. Im nächsten Jahr möchte ich vermutlich einmal weg von den Mischkulturen und einen Versuch mit artenreinen Beeten, Reinkultur oder wie man sowas nennt, machen.

Derzeit ist unser Garten bevölkert von Spatzen. Massenhaft Spatzen, was sehr gut ist, denn selbst die Zahlen dieses früheren Massenvogels sind drastisch zurückgegangen. Spatzen laben sich an verstreuten Resten des Hühnerfutters – was ich in Hinblick auf mögliche Krankheitsübertragung sowie Auftreten von Ungeziefer nicht gut finde – und sie brüten überall, wo sich ein Nistkasten finden lässt.

Da wir 11 Marans-Küken bekommen haben, die den Platz in der Voliere beanspruchen, hat die Stamm-Mannschaft einen niegelnagelneuen Freilauf bekommen. Ausgang im Garten wird dieses Jahr innerhalb der Saison unterbunden, in einem Testlauf wurden meine Schalotten ausgebuddelt und die Wurzeln der Bohnen freigescharrt.
Begrenzter Auslauf muss es also auch tun, solange bis empfindliche Kulturen abgeerntet sind. Mitten im Hühnerhof hat der isolierte Bresse-Hahn sein Domizil bekommen. Er bewohnt eine gedämmte Hundehütte mit vorgeschalteter Mutter-Kind-Einheit und soll an sich gemästet werden. Nur, dass er frisst wie ein Spatz … der Spielverderber.

Und so sieht es aus, wenn eine Hühnerschar einen Fischkopf bekommt: jede will die erste sein, jede pickt, was sie bekommen kann und dann beginnt die wilde Jagd! Der Hahn macht das, was er am besten kann, er überwacht die Herde und lässt ihnen den Vortritt beim Fressen weil es einfach sinnvoll ist, den Eierlegerinnen und somit Müttern seiner potentiellen Kinder die besten Zutaten angedeihen zu lassen. Sieht man nicht überall so, wird dadurch aber nicht falscher.

Am Hühnerhaus steht nun eine weiß blühende Hortensie, die an der Grenze zur Büffelweide kümmerte. Irgendwann soll das ganze Ensemble ziemlich eingewachsen sein.

Das ‚Kräuterbeet‘ am Hühnerstall mit Zuckermais ‚Yucon Chief‘, einer Feuerbohne mit schwarzen Körnern, der Stangenbohne ‚Neckarkönigin‘, Süßkartoffel und Yacon.

Am Weg zum Entengehege und Hundepferch ein rundes Hochbeet wie ein Friesenwall mit der Blutbirne und ewigem Kohl.

Die Ligusterhecke ist ausser Rand und Band, mittlerweile ist die untere Pforte wildromantisch zugewachsen und die Hecke bildet einen schönen Rahmen für die neugierigen Kanada-Gänse.

Im nächsten Mini-Hochbeet steht die Nashi-Birne unterpflanzt mit ausdauerndem Buchweizen. Wie man sieht, steht der blühende Buchweizen höher als der Baum. Diese Mischkultur funktioniert derzeit also eher nicht auch wenn die Wurzelräume der Pflanzen getrennt sind und das Hochbeet eine gute Begrenzung für den umtriebigen Buchweizen ist.

Als nächstes kommen wir an dem Saunafass vorbei, welches ich dieses Jahr mit Mist und Erde gefüllt und mit der Ampeltomate ‚Tumbling Tom‘ bepflanzt habe. Die Sorte keimte schlecht und wuchs in den ersten Wochen extrem spärlich, fast war ich geneigt, meinen raren Platz nicht mit den Kümmerlingen zu verschwenden. Dann aber legten die Pflanzen plötzlich los und mittlerweile hängen auf der Nordseite des Kübels die Tomaten in dicken Trauben.
Da lohnt sich ein Blick auf die Südseite! Und das im Freiland in Schleswig-Holstein in einem Garten, wo sonst alles sofort mit Start des Sommermonsuns von Braunfäule dahingerafft wird.

Wir kommen zum Schmetterlingsflieder, der seinem Namen alle Ehre macht. Ich bin so angetan von diesem Gewächs: es ist absolut robust, nährt viele Insekten und sieht gut aus.
Davon brauche ich definitiv noch mehr. Dafür finde ich immer Platz.

Ein Blick rüber zum Haus bevor wir zum Folientunnel abbiegen und Melonen, Paprika, Tomaten und Zitronen zu sehen bekommen. Die verunkrautete Fläche im Vordergrund soll ein großes Hochbeet werden, eingefasst mit Fundamentsteinen aus Granit. Es ist bereits zu 3/4 aufgesetzt.

Vor dem Folientunnel stehen noch Wildtomaten auf der Nordseite sowie eine Aubergine, die ich testweise mit Kieselgur behandelt habe. Sie war über und über mit klebrigen Ausscheidungen irgendwelcher Schadinsekten überzogen und sah kläglich aus. Ich puderte sie mit Kieselgur ein weil ich dachte, was bei Hühnern gegen Milben hilft, hilft auch gegen andere Insekten und nun steht die Pflanze draussen, um ihre Blattspalten wieder freiregnen zu lassen. Scheint zu funktionieren!

Und nun ab in den Folientunnel, das Schätzchen.

An der Regenrinne habe ich hochprofessionell und todschick ein Stück Karnickeldraht festgetüdelt, damit die steirische Käferbohne den Weg zur Sonne zur Freiheit findet. Getreu dem Motto ‚Sieht man später nicht mehr‘. Furchtbar. Den Schirmständer aka Halterung für Kaminbesteck habe ich vom Schrott ergattert und aus unerfindlichen Gründen dort geparkt.

An der Fassade wächst wacker aber klein im Vergleich zur Mutterpflanze die Cocktailtomate aus Wacken. Die Früchte sind sowohl bei der Kübelpflanze, als auch bei den benachbarten Pflanzen im Hochbeet mini-klein aber sowas von aromatisch und süß, dass es schon fast nichts ausmacht. Der Wein sieht auch gut aus, dafür, dass es sein erstes Jahr ist – wie ich finde. Die kleinen IBC-Tanks haben wir über eine Landhandel-Bekanntschaft geschossen, sie werden mir im Folientunnel gute Dienste leisten und stehen da derzeit so doof rum weil sie darauf warten, dass ich Zeit finde sie zu spülen und an Ort und Stelle zu verfrachten. Sowas dauert bei mir manchmal etwas länger als geplant.

Auf dem 20cm-Hochbeet auf der Mistplatte blüht es auch immer noch.

Und zu guter Letzt der gute, alte Hochbeetgarten. Es sieht insgesamt ganz gut aus hier; wenn ich die Kohlpflanzen vor den Kohlweißlingsraupen beschützen kann, werden wir eine gute Kohlernte haben, die Zwiebeln sind riesig und erntereif, die Pastinaken stehen sehr gut da, die Haferwurzeln auch. Steckrüben, Lagermöhren und einiges mehr muss nun dringend ausgesät/ausgepflanzt werden.
Und damit sind wir zurück im Hochbeet-Dschungel.

 

12 Gedanken zu „Gartenrundgang Ende Juli

  1. Alex

    Dein Garten sieht total schön aus! All diese Ecken, wo man je nach Gusto verweilen oder vielleicht auch arbeiten kann – toll 🙂 Es geht seinen Weg!
    LG Alex

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Ja, es wird! 🙂 Mittlerweile geht mir meist richtig das herz auf, wenn ich rausgehe. Wie herrlich wird es erst sein, wenn die Bäume älter, grösser, knorriger sind und alles schön eingewachsen?
      LG Oli

      Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Danke Ina, dadurch, dass hier ausser einer blanken Koppel nichts war, war es wirklich viel (Hand)arbeit. Mittlerweile geht’s. Ziel ist ein Garten, der uns ernährt, einen möglichst geschlossenen Kreislauf bildet und ein verwunschener, eingewachsener Ruhepol ist.

      Antwort
  2. Christina Jungmichel

    Wow, jetzt ziehst du das Tempo aber an! Jeden Tag etwas zu lesen, sehr schön! Euer Garten ist wirklich toll, und so appetitlich! 🙂 Und ich gickele immer noch über deine Beschreibungen. „Sieht man nicht überall so, wird dadurch aber nicht falscher.“ Herrlich!
    Auch das Haus ist ein Schmuckstück geworden, das habt ihr schön gemacht. Vor allem, dass es seine Seele behalten hat, gefällt mir sehr.
    Könnt ihr euren Masthahn vielleicht mit zwei, drei Hennen einzeln setzen, weg von dem anderen? Sicher speist es sich besser in anregender Gesellschaft…
    Was macht man eigentlich mit Kanadagänsen? Lecker oder „nur“ schön?
    Und wenn du nicht sehr kleine Hände hast, sind die Etagenzwiebeln wirklich gigantisch! 🙂

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Haha 🙂
      Meine Hände waren mal schmal und zierlich, mittlerweile sind das glaube ich doch rechte Pranken, also die Etagenzwiebeln sind schon beachtlich groß. Was mich sehr freut – weil es immer toll ist ‚einfach‘ eine gute Ernte von mehrjährigen Pflanzen zu haben. Zusätzlich habe ich gestern 8 Steigen rote und gelbe Zwiebeln geerntet. 8! Ich denke, damit kommen wir über den Winter.
      Die Kanadagänse hat ein Bekannter ‚einfach so‘ mitgebracht … ich weiss nicht, was wir damit machen. Sie sind ausgesprochen sanftmütig und wunderschön, wenn sie einen mit ihren wissenden schwarzen Knopfaugen ansehen. Es ist schwierig, also laufen sie erstmal nur so in dem kleinen Gehege und mähen den Rasen.
      Ich glaube nicht, dass ich den Hahn vergesellschaften kann: das jetzige Gehege ist mir dafür zu klein, in der Voliere sind die halbwüchsigen Marans und im großen Auslauf die Stammherde. Eine große Mutter-Kind-Einheit haben wir noch, aber er ist auch ein sehr fordernder Hahn gegenüber den Hennen. Hmm, vielleicht teste ich es.

      Vielen Dank auch für dein Lob und deine Aufmerksamkeit!

      Antwort
      1. Christina Jungmichel

        Oh, muss man Zwiebeln jetzt schon ernten? Dann gehe ich doch morgen auch mal gucken… 🙂
        Wenn ein Hahn fies ist, warten wir nicht lange, das lohnt ein bisschen Zuwachs nicht. Charakterschweine in den Topf!

      2. Oli@Landidylle Autor

        Charakterschweine 😀
        Ich probiere es jetzt mit Trick17 und mache ihm so leckeres Futter, dass er fressen muss! Zusätzlich nochmal Kieselgur in seinen Stall und ätherisches Öl auf den Hahn, Oreganoöl ins Futter falls ihn etwas piesackt und dann wird das hoffentlich.

        Bei meinen Zwiebeln sind die Schlotten schon umgefallen und haben die Nachbarn bedrängt, zusätzlich fingen die an zu welken seit etwa 2 Wochen, waren aber erst oben braun und sonst marmoriert – ich hoffe, es war nicht zu früh.
        Ich habe sie nun im Folientunnel liegen. Da ist es zwar warm und etwas feucht, aber vermutlich besser als wechselnde Temperaturen im Schuppen … hoffe ich.

  3. dagehtwas

    Ihr habt ja ein riesiges Grundstück! Wie groß ist das denn, wenn ich fragen darf? (vermutlich hast du es in irgendeinem deiner Blogeinträge schon mal erwähnt…sorry…)

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Es sind nur 6000qm – an sich wollte ich wenigstens 1ha haben, um alle meine Ideen so einigermassen umsetzen zu können und trotzdem nicht den Überblick zu verlieren. Und jetzt stellt sich raus, dass meine Überlegung damals ziemlich realistisch war.

      Antwort
      1. dagehtwas

        „nur“ 6.000 qm! Wow, so viel Grund ums Haus! Aber ich gebe dir recht: Die gefühlte Größe eines Grundstücks hängt sehr davon ab, was man vorhat.
        Da seid ihr dann auch in der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft pflichtversichert, oder?

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