Norddeutsche Fliederbeersuppe

In Schleswig-Holstein gehört die Fliederbeersuppe zu den Gerichten der kalten Jahreszeit wie Steckrübeneintopf, Mehlbüdel und Grünkohl. Nicht jeder mag sie mehr, manch einen erinnert sie an ’schlechte Zeiten‘ aka ‚die gute alte Zeit‘ und in meiner Familie gab es für dieses Gericht keine Tradition – was vermutlich daran liegt, dass der Hamburgische Teil der Familie keinen Zugriff auf Knicks und somit Fliederbeeren hatte und also keine Knicksuppe anfertigen konnte. Aus der Wesermarsch wären mir keine Familienrezepte bekannt aber aus dem süddeutschen haben es ein paar Erinnerungen in die Gegenwart geschafft – Fliederbeersuppe scheint dort aber unbekannt gewesen zu sein.
Grund genug, diese Fliederbeersuppe für die Nachwelt zu dokumentieren.

Dazu passt ein schöner Spruch, den ich bei den Zeitzeugen Quickborn gelesen habe:
Dat Rad, dat dreit,
de Tiet, de löppt,
ok wi sünd bald vergeten,
doch de, de eenmol na uns kommt,
wüllt ok wat von uns weten.

Fliederbeersuppe kann man hier sowohl in die Kategorie Naturheilmittel, als auch Wildpflanzen, leben vom Eingemachten und Wintergerichte einsortieren – und das passt für mich perfekt zusammen. Noch dazu ist es ein Gericht, was einfach, ziemlich schnell und sehr kostengünstig herzustellen ist.

Während ich in meiner Kindheit Fliederbeeren noch direkt vom Knick neben den Baumschulen geerntet und mir vermutlich aus purem Unwissen eine Lebensdosis Pestizide einverleibt habe, nehme ich heute nur noch den eigens angepflanzten Holunder sowie den aus einem naturbelassenen Garten, wo wir uns freundlicherweise bedienen dürfen.

Aus den reifen Fliederbeeren koche ich im Dampfkochtopf Fliederbeersaft ohne Zusätze und dieser ist die Ausgangsbasis für die Suppe – denn  im August und September wenn mein Holunder reif ist, würde wohl kaum jemand auf die Idee kommen, Fliederbeersuppe frisch zuzubereiten.

Zutaten für 4 Portionen Fliederbeersuppe mit Grießklüten

  • 500 ml Milch
  • 150g Hartweizengrieß
  • 1/2 TL Salz
  • 1 Ei
  • 1 l Fliederbeersaft
  • 200ml Apfelsaft
  • Saft von einer Zitrone (ich nahm eine eigene Meyer-Zitrone)
  • Zesten einer Zitrone
  • 100g Rohrohrzucker
  • 2 Äpfel
  • 1-2 Zimtstangen (ich empfehle dringend Ceylon-Canehl)
  • 4-6 Nelken
  • etwa 4 EL Speisestärke (Menge variiert stark nach Hersteller und Art)

Die Milch mit dem Salz aufkochen, Grieß zugeben, unter Rühren einige Minuten aufkochen, die Flamme ausdrehen, das Ei unterschlagen und die Masse abkühlen lassen.

Den Fliederbeersaft zusammen mit dem Apfelsaft, Zitronensaft, den Zesten, dem Zimt und den Nelken aufkochen, Zucker einrühren. Das Aroma profitiert natürlich, wenn die Gewürze noch etwas einwirken dürfen, man kann aber auch direkt nach etwa 10 Minuten Kochzeit durch ein Sieb abseihen.

Die Äpfel schälen und in kleine Schnitze schneiden. Die Speisestärke mit etwas Wasser anrühren, in die heiße Suppe einrühren, aufkochen lassen und direkt die Apfelschnitze zugeben. Leicht weiter köcheln lassen bis die Äpfel weich sind. Je nach Sorte reichen etwa 5 Minuten.

Mit zwei Teelöffeln aus dem nun festen Grießflammeri Klüten (Nocken, Klöße) abstechen und in die Suppe gleiten lassen. Das Auge freut sich möglicherweise, wenn einige Klüten als Garnitur weiß und ungefärbt auf der Suppe schwimmen, aber das muss nicht sein.

Die süße Suppe heizt tüchtig ein, macht gesund und ist ein typisches Wintergericht, was an sich jung und alt schmeckt. Besonders empfehlenswert, wenn sich die Familie kurz vor Weihnachten eine fiese Erkältung aufsackt und draussen ein nasskalter Sturm orgelt und am Haus rüttelt. So wie hier und heute.

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14 Gedanken zu „Norddeutsche Fliederbeersuppe

  1. marliesgierls

    Ich liebe Fliederbeersuppe! Auf meinen alten Hof hatten wir unzählige Holunderbüsche, und wenn das nicht reichte, bräuchte ich nicht weit laufen, um den Eimer voll zu pflücken, und Suppe habe ich dann im Winter gemacht, oder wenn die Erkältung drohte. Als Berlinerin bin zwar nicht damit aufgewachsen,aber meine Oma kam aus Mecklenburg, und da gab es viele Hollerbüsche, von ihr habe ich die Rezepte und einige teilweise sehr lustige Geschichten mit diesen Beeren. Das ist für mich gerade eine sehr schöne Erinnerung.
    Ich wünsche Dir ein frohes Fest,
    Lieben Gruß Marlies

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Wie schön, dass Deine Oma Rezepte und Geschichten zu Fliederbeeren weitergegeben hat! Dann weisst Du sicher auch, dass Elfen in den Büschen wohnen, oder? 🙂
      Ich wünsche Dir ein schönes Fest, Ruhe, Frieden und für das neue Jahr eine gute Gesundheit.
      Liebe Grüße, Oli

      Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Ja, das ist eines der Gerichte, das richtig schön durchwärmt und ich persönlich finde auch, dass man die heilende Wirkung der Fliederbeeren sofort merkt. Vielen Dank für die lieben Wünsche und einen guten Start ins neue Jahr dir!
      LG Oli

      Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Hahaha, OK dann Prost! Nützt ja nix.
      Spaß beiseite: bist du erkältet?
      Ich würde echt IMMER ein paar Flaschen auf Vorrat halten, braucht man immer und das zeug ist gekauft nicht zu bezahlen.

      Antwort
      1. natuerlichjesus

        Wir hatten die letzten Jahre sehr schlechte Holunderernten. Vielleicht kaufe ich heute einfach welchen.
        Uns hat es dicke erwischt und ich muss wirklich schnell gesund werden. Egal wie

  2. Pingback: Holunderbeerensuppe – natuerlichjesus

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