Willkommen September & kühle Nässe

Da ist er nun, der September. Ich bin mir sicher, er bringt den Herbst mit.
Der Altweibersommer kam ganz plötzlich nach diesem langen, heißen und trockenen Sommer. Ganz plötzlich stand morgens ein Nebel auf dem Land, ganz plötzlich hatte man ständig Spinnweben im Gesicht, ganz plötzlich wurden noch schnell viele Früchte reif als würden sie die herannahende Kühle wittern, ganz plötzlich wurde es morgens später hell und ganz plötzlich wurden die über Wochen völlig verdorrten braunen Wiesen wieder grün..
Tagsüber wurde und wird es trotzdem noch heiß, aber es lässt sich nicht mehr leugnen, dass die warmen Tage gezählt sind. Zumindest morgens mit dem Tau und abends haben wir hier schön die kühle Nässe.

Der August aber stand noch im Zeichen des Ausnahmesommers 2018, heiß, trocken, große Erntemengen, grillen, die Zeit draußen geniessen, bloß keinen Sonnenbrand bekommen und immer genug trinken.
Gerüchten zufolge wurden Getränke im Zuge des Wacken Open Air in sämtlichen umliegenden Supermärkten knapp. Beweismaterial wurde mir vom Gatten zugespielt. Das betrifft natürlich nur die „Selbstversorger“ unter den Festivalgängern; eine großlumige Standleitung für die Bierversorgung auf dem Gelände wurde schon vergraben und ich schätze, dass die Kosten dafür sich längst amortisiert haben.

Im Hause Landidylle waren derart viele Tomaten reif, dass wir sie im großen Stil eingekocht haben. Mit Stumpf und Stiel sozusagen aber ohne Strunk – denn der soll ungesund sein – eimerweise, draussen im Dutch Oven. Und weil wir uns die Dekadenz leisten konnten, haben wir die Tomaten sicher auf 1/3 reduziert. Eine dickflüssige bis kaum noch flüssige, hocharomatische und dunkelrote Masse wurde das. Hoffentlich haben wir ein paar Sonnenstrahlen mitkonserviert, die uns die langen Wintertage etwas erwärmen.

Von diesen Fotos könnte ich noch einige zeigen aber ich denke es wird klar: es gab massenhaft Tomaten. So viele, dass wir welche verkauft haben. So ein Korb voll reif gepflückter Tomaten in allen Größen, Formen und Farben macht ja auch Lust darauf, die ganze Vielfalt zu verkosten und wer hat schon solche Schätze regional und saisonal (und damit reif geerntet) zur Verfügung?
Eben! Aber es wäre schön, wenn das wieder mehr werden würde. Es brauchen ja gar nicht dutzende Pflanzen zu sein, eine kleine Auswahl Balkontomaten in Eimern versorgen einen zumindest mit gesundem und leckeren Naschwerk.

Tomatenvielfalt als Verkaufseinheit

Tomatenvielfalt als Verkaufseinheit

Die leckerste Tomate von allen dieses Jahr verkosteten – und das waren einige – war allerdings nicht aus dem eigenen Garten. Leider.
Der Gatte lernte im Baustoffhandel einen Handwerkskollegen kennen, der, wie sich schnell herausstellte, auch gärtnert. Bald waren die beiden beim Thema Tomaten und der Mann erzählte von seinen ukrainischen Sorten. Namen kannte er wohl nicht, es handelt sich um Sorten, die seit Jahren bei der Familie sind. Eine dieser Kostbarkeiten hinterlegte er für uns zusammen mit einem Tütchen Saatgut und die Verkostung war nicht weniger als eine Offenbarung!
Die Tomate schmeckte super aromatisch und wie bereits gewürzt – ein Hinweis, der mich möglicherweise (neben dem auffälligen Äusseren) auf die richtige Fährte zum Sortennamen gebracht hat. Abwarten.

Und apropos Saatgut: Natürlich habe ich von allen hier angebauten Sorten Saatgut genommen, 24 Stunden eingeweicht um die keimhemmende Glibberschicht entfernen zu können, diese mithilfe eines Metallsiebes entfernt, die Samen auf Filterpapier getrocknet weil Küchenkrepp so klebt und gut beschriftet für das nächste Jahr und vor allem zum Tauschen und Zurückgeben archiviert. Allein die Verhütung der Blüten funktionierte nicht da die in ein Gazetütchen eingepackten taub blieben. Hmm.
Im etwas größeren Stil eigenes Saatgut zu gewinnen kann doch recht zeitintensiv werden.

Neben Tomaten waren natürlich im August noch jede Menge andere Früchte reif und wir nutzten das tolle Wetter, um so oft wie möglich draussen direkt die frische Ernte des Tages zu verwerten. Am liebsten kochten wir im Sommer 2018 daraus ‚Jambatouille‚, aber auch geschmortes Paprikahuhn kommt gut.
Es mag daran liegen, dass es für uns Schleswig-Holsteiner so ungewöhnlich ist: jeder Tag, an dem wir auf der Terrasse kochen und essen konnten, war ein kleiner Urlaub und dadurch jedes Gericht ein kleines Fest, welches durch das Verwenden eigener Zutaten besonders befriedigend wurde und dank dutch oven auch ohne Außenküche nicht nur auf’s Grillen beschränkt.

Ansonsten habe ich mich im August weiter dem Ausmisten gewidmet, Stück für Stück trenne ich mich weiterhin von Dingen, die sich über die Jahrzehnte angesammelt und mich teilweise auch über mehrere Umzüge begleitet haben und mitunter auch liebgewonnen wurden.
Was nützt es, wenn diese Dinge keinen Sinn für diesen Lebensstil, für dieses Haus und für mich haben?
Wenn sie mich einengen, die Gedanken daran, was damit zu tun sei meine Ressourcen blockieren und im besten Fall totes Kapital darstellen?

Rigoros wanderten Business-Klamotten aus einem anderen Leben, die in der ersten Runde eBay nicht verkauft wurden in den Container, ebensolche CDs in den Müll, meine Stoffsammlung ist so gut wie aufgelöst (und es ist spannend zu hören, was aus den Stoffen wird!) und als nächstes werden antike Drückergarnituren und andere Metallgegenstände angeboten.
Was hiervon nicht verkauft wird, mit Erinnerungen behaftet oder zu schade zum Entsorgen oder verschenken, wandert in den eigens dafür installierten ‚Kunst-Turm‘. Mittlerweile habe ich herausgefunden, dass der Fachbegriff dafür anscheinend organized clutter ist. Wo wir doch bei decluttering waren …

Der Erlös wird nach wie vor in Pflanzen investiert. In Nutzpflanzen, die entweder uns in wenigen Jahre reiche Ernte zum selber verwerten, tauschen oder verkaufen bescheren oder von Bienen, anderen Insekten oder Vögeln beerntet werden können.

Langfristig soll der weitaus überwiegende Teil der Dinge, die uns umgeben, einen praktischen Zweck erfüllen. Einige Ausnahmen wird es wohl aber immer geben und manche Relikte aus alter Zeit sind mit besonderen Erinnerungen verbunden oder es steckt soviel Liebe und Zeit darin, dass ich sie selbst dann behalten würde, wenn sie keinen Zweck erfüllten.

Mit dem großen Kind habe ich weiter Vogelhäuser bemalt und daran gebastelt: es ist sinnvoll, man kann prima das Baby im Kinderwagen an der frischen Luft in der Nähe stehen haben und wenn die Tätigkeit unterbrochen werden muss, ist es kein Beinbruch. Für mich also eine prima Gelegenheit, um gute Zeit mit beiden Kindern zu verbringen. Ach ja, die alte Hundehütte aka Chicken Tractor in spe hat die erste Farbschicht bekommen und ich suche jetzt nach einem stabilen Anhänger, auf dem der Stall montiert werden kann.

Und da ich dieses Jahr keine Gartenrundgänge veröffentlicht habe, zeige ich an dieser Stelle zumindest noch ein paar Fotos, die ich schnell geschossen habe, wenn ich mich minutenweise den mütterlichen Pflichten entzogen habe und z.B. durch den Garten gehuscht bin.

3 Gedanken zu „Willkommen September & kühle Nässe

  1. birthesgartenzeiten

    Der Herbst kommt – nachts ist es tatsächlich schon richtig kühl.
    Da habt Ihr ja richtig viele Tomaten – und eine große Vielfalt. Dein KnoblauchFoto erinnert mich daran, diese in den nächsten Tagen zu setzen… ;-). Herzliche Grüße, Birthe

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Oh ja, ich muss den Knoblauch für’s nächste Jahr auch noch stecken und Wintersalate sind noch nicht draussen (ausser die, die ich zum selbst aussamen gepflanzt habe) und ich muss noch tonnenweise Tomaten einkochen und Paprika einfrieren. Es wird nicht mehr lange dauern und der erste Frost ist da – ich mag es nach diesem langen Sommer gar nicht glauben.
      Liebe Grüße, Oli

      Antwort

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