Riesenbohnen in Tomatensauce – Gigantes

Gigantes in Tomatensauce habe ich wohl schon immer gerne mal gegessen, bin aber lange nicht auf die Idee gekommen, den Versuch zu wagen, das Gericht selber herzustellen. Seltsam, und das, obwohl die Vorspeise gekauft zu den eher höherpreisigen, einfachen Gerichten gehört.
Vielleicht war ich abgeschreckt durch meinen fehlgeschlagenen Versuch, perfekte Baked Beans herzustellen. Aber auch das wird mir noch gelingen, beim Riesenbohnensalat kann ich zufrieden ein Häkchen setzen.

Die weißen Riesenbohnen sehen zwar auf den ersten Blick aus wie die Samen der Feuerbohnen, sind aber Mondbohnen (Phaseolus lunatus), auch Limabohnen oder Jumbo-Bohnen genannt. Diese Sorte ist sehr wärmebedürftig und es wird empfohlen, sie im Gewächshaus anzubauen, wo sie allerdings sehr hoch klimmen.
Ich werde den Anbau in der nächsten Saison wagen, denn mein Anspruch ist noch immer, so viele Zutaten wie möglich aus eigener Erzeugung zu benutzen. Den Anbau von Körnerbohnen finde ich im Allgemeinen sehr entspannt. Sobald die Pflanzen groß genug sind, dass Schnecken das Interesse daran verlieren, kann man sie einfach vor sich hin wachsen lassen bis die Körner ausgereift sind, oder sie eben bei Bedarf vorher butterweich ernten.

Unter Hobbygärtnern kommt immer wieder die Frage auf, ob man Bohnen aus einer gekauften Packung aussäen kann: natürlich, man kann. Allerdings kommen beispielsweise die Gigantes des bekannten Bio-Herstellers, dessen Name der bekannten Märchenfigur mit den langen Haaren, die herabgelassen werden können entlehnt ist, aus China. Ich vermute, dass es sinnvoll sein kann, Saatgut aus Griechenland zu kaufen auch wenn statt 500g dann 5-10 Samen 3-4€ kosten. Bohnensaatgut kauft man für gewöhnlich für einmal.

Neben dem Geschmack finde ich den Aspekt toll, dass wieder fast alle Zutaten aus dem Selbstversorgergarten kommen können!

Für 4 größere Portionen habe ich folgende Zutaten für die Riesenbohnen in Tomatensauce benutzt:

(An heißen Tagen gibt die Antipasta mit einem Stück Baguette ein gutes Hauptgericht ab)

  • 200g getrocknete weiße Riesenbohnen
  • 0,7l bis 1,2 Tomatensauce, je nachdem, wie gerne man „überschüssige“ Sauce dippt, gerne stückig
  • viel Olivenöl
  • 3TL Zucker, gestrichen!
  • 1/2TL Paprikapulver
  • Chili nach Geschmack
  • 3EL Balsamico (ich: Holunder-Balsamico)
  • viel Knoblauch (etwa 6 Zehen)
  • 2 milde, rote Zwiebeln (ich finde ‚Tropea tonda rossa‘ passt sehr gut, die ‚Rossa lunga di Firenze‘, die ich ebenfalls angebaut und getestet habe ist schon fast zu süß und mild für dieses Gericht, vielleicht gibt es vergleichbare Zwiebeln im urbanen Feinschmeckermilieu zu kaufen, hier auf dem Land muss man sie selber anbauen, was ich ab Samenkorn getan habe)
  • 2 TL Salz, Pfeffer nach Geschmack
  • 4EL Tomatenmark
  • evtl. Petersilie
'Tropea tonda rossa'

‚Tropea tonda rossa‘

'Rossa lunga di Firenze'

‚Rossa lunga di Firenze‘

Ich weiche die Bohnen in viel Wasser über Nacht ein, gieße sie ab, spüle sie nochmal sehr gut und setze sie dann mit frischem Wasser auf. Dann schäumt es beim Kochen auch nicht.
Die Kochzeit beträgt etwa 90 Minuten, gegen Ende würde ich ab und an testen, ob die Bohnen nicht zu weich werden. Sobald sie die richtige Konsistenz haben, abgiessen und mit kaltem Wasser runterkühlen.

Für die Tomatensauce eine Zwiebel in grobe Stücke hacken und den Knoblauch in etwas feinere Stücke. Viel Olivenöl in einem weiten Topf erhitzen, die Zwiebel und die Hälfte vom Knoblauch darin sanft anbraten, mit der Tomatensauce ablöschen.

Zucker, Paprika, etwas Chili, Salz und Pfeffer zugeben, Balsamico und Tomatenmark mischen und unterrühren, den restlichen Knoblauch (ich nahm Brutzwiebelchen) zugeben, dann die Riesenbohnen unterheben.

Alles nochmals etwa 15 Minuten unter gelegentlichem Rühren sanft köcheln und bis zur gewünschten Konsistenz eindicken lassen, die Bohnen nehmen jetzt noch Aromen aus der Sauce auf, also nochmal abschmecken.

Den Salat in eine Schüssel füllen und abkühlen lassen. Er kann lauwarm gegessen werden, sodass die Aromen sich noch besser entfalten, ich mag ihn aber lieber kalt und einige Stunden durchgezogen. Vor dem Servieren nach Geschmack Petersilie hacken und unterheben und die restliche rohe Zwiebel in feine Ringe schneiden, die Gigantes damit garnieren.


Die Speise lässt sich natürlich auch prima für den nächsten Tag vorbereiten und zu einem Picknick oder für ein Bufett mitnehmen.

Passen Tomaten und Bohnen nicht einfach perfekt zusammen?

9 Gedanken zu „Riesenbohnen in Tomatensauce – Gigantes

  1. Alex

    Deine Bohnen sehen sehr lecker aus. Irgendwie hoffte ich, dass Gigantes andere Bohnen als Limabohnen sind, weil ich die aus leidvoller Kindheitserfahrung gar nicht mag (sie sind mehlig und trocken). Aber ich habe sie damals nie so bekommen, also müsste ich sie vielleicht nochmal probieren. Was die Baked Beans angeht, gibt es gute Rezepte im „Joy of Cooking“, die allerdings ziemlich süß geraten. Wichtig ist neben der richtigen Bohne eine Backzeit im Bereich um die 10 Stunden, dann bekommt man diese Melange aus cremiger Bohne, Süße und tomatiger Würze 🙂 LG Alex

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Also ich schrieb es eben schon als Antwort auf Salmandras Kommentar: die griechischen Saatgutfritzen schreiben, dass ihre Gigantes Mondbohnen sind, viele andere Quellen schreiben, dass es Feuerbohnen sind.
      Ich schreibe den Hersteller mal an und frage nach, was er für Bohnen als Riesenbohnen verkauft, mein Gefühl sagt aber, dass diese weicher sind als Feuerbohnen, ich mag sie.
      Letztlich ist es für’s Rezept wohl egal, die anderen zutaten und die Vorgehensweise machen eine super Sache draus. (Aber gespannt auf die Antworten bin ich dennoch)

      LG Oli

      Antwort
  2. Salmandra

    Danke für das leckere Rezept! Ich brauche ja immer Ideen, was ich so mit meiner weißen Riesenbohne noch anstellen könnte. Du kannst sie auch als fertigen Bohnensalat mit Olivenöl, Essig, Zwiebeln und Knoblauch einkochen. Mit warmen Brot ein Gedicht.
    Aber bist Du sicher, dass es keine Feuerbohne ist? Ich hatte sie vor vier Jahren aus dem Tauschpaket und vermehre sie seit dem selbst, in einem Jahr hatte ich sie zu dicht an der steirischen Käferbohne stehen, was zu lustiger Kreuzung geführt hat.

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Schön, mal wieder von dir zu hören! Ich habe unser ‚halbjährliches‘ Gespräch im Mai etwas vermisst und in der letzten zeit oft an Dich gedacht. Ich wusste nicht, auf welchem Kanal ich dich am besten erreichen kann (Hatte im Mai angerufen) und hätte sonst im Forum eine PN geschrieben.

      Dieses Rezept ist wirklich toll, ich habe so lange daran herumgeschraubt, bis es für uns perfekt passt, wäre schön, wenn es euch auch gefällt.
      Ich glaube das Thema mit den Riesenbohnen hatten wir beide schon einmal. Also die griechischen Saatgutfritzen verkaufen die Mondbohne als Gigantes und ich dachte halt, die wissen, was sie tun. Auf den ersten Blick dachte ich auch, dass es Feuerbohnen sind (zumal man das ja auch manchmal liest). Mein Eindruck ist, dass diese Gigantes/Riesenbohnen von Rapunzel weicher sind als Feuerbohnen – ich denke, ich schreibe denen mal und frage konkret nach!
      Und für Testzwecke ist es dann sicher auch sinnvoll, Rapunzel-Riesenbohnen und die Gigantes aus Griechenland anzubauen und zu vergleichen. Was das STP angeht hängt die Genauigkeit der Angaben ja immer sehr von dem Partizipanten ab und ich kenne da so Pappenheimer … 🙂
      Aber Hauptsache ist doch, die Bohne gefällt euch und gedeiht gut. Wieviele Pflanzen brauchst du, um beispielsweise 500g trockene Bohnen zu erwirtschaften?
      LG Oli

      Antwort
      1. Salmandra

        Ja Oli, melden wollte ich mich schon längst, es kommt aber immer irgendwie anders! Im August wird es bestimmt was.
        Meine Riesenbohnen sind nicht so leicht „berechenbar“, letztes Jahr hatte ich 3 Tippis a 3 Stangen mit je 6 Kernen. Weil es so heiß war, haben die erst sehr spät Fisolen angesetzt, die dann auch nicht mehr alle ausgereift sind. Am Ende waren es ca. 700g für die Küche und das Saatgut für die nächsten 2 Jahre. Im Jahr davor hatte ich bei 2 Tippis denselben Ertrag aber da waren ja etliche Käferbohnen mit dabei. Seltsam – umgekehrt waren bei den Käferbohnen aber keine weißen Kerne!
        Hast Du in diesem Jahr schon welche geerntet?

      2. Oli@Landidylle Autor

        Ich habe die noch gar nicht im Anbau, will beide Sorten/Arten nächstes Jahr testen. Wäre meine Lieferung früher gekommen, hätte ich es dieses Jahr noch gewagt (wo bloß?) aber irgendwann war der Zug abgefahren.
        Ich habe schwarze Käferbohnen, vielleicht teste ich das Rezept spasseshalber mal damit, denke aber, dass die wesentlich fester sind. Hmmm

        Was ich dieses Jahr habe sind Meterbohnen für Fisolen im Gewächshaus aus einem Tausch. Die liefern wie verrückt, sind platzsparend und beschatten noch ein wenig, dazu zart und früh anzubauen. Toll. Hast du die auch?
        Vor allem praktisch als Ersatz, weil mir die Misthühner meine grünen Buschbohnen kaputt gescharrt haben. 🙂

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