Ein spannender Igel

An sich habe ich mir über Igel nie weitreichendere Gedanken gemacht, als dass man versuchen sollte, in seinem Garten naturnahe Bereiche zu erhalten oder erschaffen, um den kleinen Säugern einen Rückzugsort zu geben, Reisighaufen, Totholz und Komposthaufen beispielsweise. Dass Igel durchaus gute Schwimmer und Kletterer sein können, war mir noch aus einem Kinderbuch bekannt. Dass sie im Garten sehr nützlich sind, weil sie Schnecken, Larven, Käfer, Tausendfüssler, Spinnen, Mäuse und Aas fressen wußte ich auch. Ebenso, dass Igel Dämmerung- und Nachtaktiv sind und einen ausgedehnten Winterschlaf halten. Dass Igel sich bei Gefahr zusammenrollen können, es aber nicht immer tun. Dass es Igel-Nothilfen gibt, zu denen manch ein Mitbürger am liebsten wohl jeden Fundigel tragen würde. Dann natürlich fallen Igel immer wieder auf, weil sie laut grunzend, polternd und schnaufend durch den Garten und das Gebüsch krabbeln – und leider auf fast jeder Straße totgefahren zu sehen sind. Damit war mein Igelwissen aber auch schon fast erschöpft.

Dieser spezielle Igel ist also nicht deswegen so spannend, weil er besonders ist, sondern weil er mich dazu brachte, mich näher über Igel zu informieren und dabei kamen interessante Details ans Tageslicht.

Stammesgeschichtlich sind Igel bis ins Paläozän nachzuweisen. 65,5 Millionen Jahre! Igel gab es also bereits direkt nachdem Dinosaurier ausstarben. Mammute entwickelten sich erst vor 4 Millionen Jahren. Igel gehören also zu den ältesten Säugetieren.

In Europa sind die verbreitetsten Arten der Braunbrustigel im Westen und der Weißbrustigel im Osten, die natürlich beide zu den Stacheligeln gehören. Ob der oben abgebildete Igel einen weißen Brustfleck hat oder nicht, kann ich leider nicht mehr feststellen, theoretisch ist jedoch möglich, dass es sich aufgrund der geographischen Lage hier um einen Weißbrustigel handelt.

Weiterhin hat mich erstaunt, dass Igel einen aussergewöhnlich guten Gehörsinn haben. Und damit meine ich nicht, dass sie eine Raupe am Blatt nagen hören können, nein, Igel können bis weit in den Ultraschallbereich hinein hören!

Auch der Geschmackssinn des Igels ist sehr gut ausgeprägt, er hat im Gaumen ein zusätzliches Sinnesorgan, das Jacobsonsche Organ. Begegnet der Igel einem fremden Geruch oder Geschmack, riecht und kaut er solange, bis schaumiger Speichel fliesst. Nach Prüfung des fremden Stoffes spuckt der Igel diesen Schaum auf seinen Rücken – dabei soll er angeblich aberwitzige Verrenkungen machen.

Die typischen Stacheln des Igels, wovon ein ausgewachsenes Tier 5000-8000 (einige Quellen sagen 16000) besitzt, sind aus Haaren entstanden und hohl, sodass das Körpergewicht des Tieres trotz des imposanten Stachelpanzers mit 800-1500 Gramm recht gering ist. Das dichte Haarkleid, oder besser Stachelkleid erschwert allerdings die Hautpflege und so ist es nicht verwunderlich, dass dem Igel nachgesagt wird, dass er extrem viele Parasiten wie Flöhe, Zecken, Milben und Pilze mit sich herumträgt. Und das mit recht. Ein Igel kann angeblich 1000 Flöhe bewirten, die ihn dann allerdings natürlich auch stark schwächen. Ausserdem können Igel Leptospirose übertragen, Hundehalter kennen diese Erkrankung vom Namen her, weil der begriff bei den jährlichen Schutzimpfungen auftaucht, aber durch Igelurin kann die Krankheit auch auf Menschen übertragen werden.

Eine weitere Überraschung für mich war, dass Igel immun gegen Schlangengift sind, in ihren Muskeln besitzen sie das Protein Erinacin, welches sie resistent macht.

Der Aktionsradius eines Igelmännchens kann bis zu 100 Hektar betragen, und das bei einem Tier, was eine maximale Geschwindigkeit von 10 km/h erreicht. Weibchen halten sich immerhin noch auf einem bis zu 30 Hektar großen Gebiet auf, in städtischen Gegenden natürlich weniger.

In einigen europäischen Ländern steht der Igel bereits auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten. In Deutschland ist er immerhin ganzjährig geschützt und darf nicht bejagt werden. Der Igel wurde von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild zum “Wildtier des Jahres 2009″ gekürt.

Männchen wie auch Weibchen des Igels haben Zitzen, die bereits am Hals beginnen und bitte nicht mit Zecken verwechselt werden sollen.

Diese Erkenntnisse machten den besagten Igel für mich also zu einem spannenden Igel, die einzige Information, die mich noch interessieren würde, wozu es aber in keiner der genannten Quellen eine Angaben gab ist, “wie machen die Igel das dann nun mit der Paarung?”. Eine Suche bei youtube.com ergab: unterschiedlich wohl. Variante 1 + Variante 2

Quellen und Links:

Igel bei Wikipedia
Igelfreundlicher Garten
Gefahren für Igel im Garten

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