Kunstbrut bei den Gänsen

Tja, so sehen sie aus, die frisch geschlüpften Gänseküken. Nachdem wir wochenlang mehr oder weniger sorgfältig die Temperatur im Brüter kontrolliert, pedantisch alle 8 Stunden die Eier gewendet und immer schön angefeuchtet haben, sind wir nun stolze Geburtshelfer von 3 Gänseküken geworden, die hier schön im Schoße ihrer Mutter ihres Brüters die ersten Stunden ihres Lebens verbringen …
Ein jammervoller Anblick wie ich finde. Vielleicht bin ich zu sentimental oder die anderen zu roh, aber wir sind Hobby-Gänsehalter und erfreuen uns an den wenigen Tieren, die wir halten und ein paar Braten pro Jahr, wir sind zum Glück nicht darauf angewiesen, möglichst viele Gänse zu produzieren. Und selbst wenn wäre dies nicht mein Weg.
Dieses war der erste und hoffentlich letzte Versuch der Kunstbrut, ab jetzt wollen wir eine Gänserasse, die Bruttrieb hat – sowohl dieser Anblick, als auch das schreiende Umherstolpern wenig später, für mich ganz eindeutig das klägliche Suchen nach einer Mutter, sind nichts für unser Verständnis von glücklichen Tieren.
Niemand kann kleine Tiere so gut versorgen, beschützen, warm halten, anlernen und ihnen Sicherheit geben wie eine Mutter. Die Tiere sollen ein angenehmes Leben und einen schnellen Tod haben, da haben sie sich auch einen guten Schlupf verdient!

In diesem Zustand sehen die Küken meiner Meinung nach aus, als würden sie die nächsten Stunden nicht überleben. Sie sind natürlich total schlapp vom schlüpfen. Wir haben sie alle paar Stunden getränkt und immer wieder eine Mutter imitiert, indem wir mit dem Finger ins Futter gepickt haben. Essen wollten die Kleinen die ersten 2 Tage so gut wie gar nicht, aber das Tränken half ihnen auf die Beine.

Das eine Küken schaffte es daraufhin sogar, sich in den Wassernapf zu legen … Halb ersoffen und komplett kalt wurde es wieder in die Wärmezone unter dem Rotlicht bugsiert. Wenige Stunden später lag es wieder pitschenass rings um den Wassernapf gekringelt. Kalt, nass und halb tot.

Stoisch vereitelten wir einen Suizidversuch nach dem nächsten und irgendwann kapitulierte das Küken und blieb am Leben. Im trockenen Zustand sehen die Kleinen auch schon viel lebendiger aus. Auf dem Foto oben ist das Küken 1 Tag alt.

Das erste Futter, “Kükenstarter” war am Anfang bald noch zu gross und hart. Es hat geholfen, dass ich die ersten Schalen voll in einem Mörser zerstossen habe. Den Staub konnten die Küken gut fressen und dadurch genug Kraft schöpfen, um die grossen Pellets zu picken, umherzurennen, durch den Wassernapf zu latschen, in den Wassernapf zu kacken und was Küken eben so machen …

Da geben sie sich nichts, die Entenküken draussen und die mutterlosen Gänseküken drinnen: sie stinken bestialisch. Man kann das Gehege draussen gar nicht oft genug weiterschieben – die Küken stinken gegen den Wind. Die Gössel, die unsere zukünftige Küche (den ehemaligen Stall) bewohnen, verpesten den kompletten, recht grossen Raum und nach dem Misten wird es auch nur kurz besser. Eine Frage, die sich allerdings bei allen Babies stellt: wie kann etwas so Kleines bloß so stinken?Im Vergleich zum letzten Jahr scheint die Natur einen Monat früher zu sein, kein Wunder, letztes Jahr war zu Beginn ja auch extrem nass und kalt. Der Weißdorn stand letztes Jahr Ende Mai in voller Blüte und die Gänse scheinen auch später gelegt zu haben und geschlüpft zu sein.

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