Fair zu Pfoten-Award

fairzupfotenaward1Der Einsiedler vom Campogeno verlieh mir kürzlich den ‚Fair zu Pfoten-Award‚, den er selbst ins Leben gerufen hat.
Es heißt: „nur blogger, die auf ihrem blog als verantwortungsvolle tierfreunde zu erkennen sind und ihre lieben vierbeiner auch fair und mit respekt behandeln, bekommen den “fair zu pfoten award” verliehen.“
Die Idee finde ich sehr schön, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob dieser Award nicht polarisieren soll.
Mir hat es schon immer Herzschmerzen bereitet wenn ich sah wie Tiere mitunter behandelt werden. Auch heute noch fehlen mir die Worte und ich entwickle starke unschöne Gefühle, wenn Menschen gedankenlos Leid in Kauf nehmen. Auch das vom Tier Mensch übrigens.
Mit diesem Award kamen 3 Fragen, die ich hier beantworten möchte.

was für tiere leben bei dir, oder um welche tiere kümmerst du dich?
Hunde, Katzen, Hühner, Enten, Gänse, Kaninchen. Und zu unserer besonderen Freude Fledermäuse, Schwalben, ein Käuzchen, Eidechsen …
wie hast du die tiere bekommen, oder woher kommen die tiere?
Die Hunde habe ich aus einer Auffangstation in Las Palmas/Gran Canaria, die von der dortigen Fakultät für Veterinärmedizin betrieben/betreut wird. Die jungen Tierärzte haben so genug Gelegenheit ihr Fach zu lernen und die Tiere werden behandelt und vermittelt. Ich habe die Hunde übrigens  nicht 4000 km nach Deutschland geholt weil es hier keine Hunde zu retten gibt, sondern weil ich dort auf der Insel gewohnt habe. Die Katzen wurden uns über Bekannte von einem Bauernhof vermittelt. Davor kamen meine Katzen ‚einfach so‘ zu mir. Es ergaben sich Situationen sozusagen. Die Vorwerk-Hühner haben wir von einem Bekannten bekommen, der diese alte Nutztierrasse züchtet, die Pommernenten kommen aus der ‚Arche Warder‚, die Kaninchen von Bekannten mit Bauernhof und die anderen Hühner, Gänse & Enten vom Händler – wobei wir Enten immer wieder mit Bekannten tauschen.
Die Wildtiere siedeln sich nicht zuletzt wegen unserer steten Bemühungen dem Gelände Struktur zu geben, Unterschlüpfe zu bauen, Futterpflanzen zu säen etc. an.
bist du veganer oder vegetarier?
Nein, ich stehe zu meiner omnivoren Natur, wenngleich ich wenig Fleisch esse. Offensichtlich fällt es uns Menschentieren durch die Art des Bewusstseins schwerer als anderen Tieren das Töten zu akzeptieren (und auch der Vegetarier nimmt ja das Töten von Stierkälbern und Hähnen o.ä. in Kauf). Meine Katze tötet elegant, erbarmungslos und verspielt – ganz ohne Jagdschein, Schlachterausbildung oder schlechtes Gewissen, manchmal bedeutet dieser Spieltrieb beim Jagen und Töten ganz sicher unermessliches Leid für die Beute. Furchtbar eigentlich. Der Marder kommt regelmässig und dann mit Pech in den Blutrausch, er massakriert 14 Enten in einer Nacht, frisst eine und 5 leben am nächsten Morgen noch ein bisschen, zucken vor sich hin. Brutal, dieses sinnlose Töten.
Nach menschlichen Maßstäben.

Natürlich kann auch ich mich nicht frei machen von mehr oder weniger starken Gefühlen, wenn bei uns auf dem Hof getötet wurde. Ich bin dem Zeitgeist entsprechend ebenso vermenschlicht wie andere auch. Aber 6 Semester Ernährungslehre und das Bewusstsein, dass wir uns vielleicht lieber nicht allzu hoch über andere Tiere stellen sollten, lassen sich nicht so leicht abschütteln.
Das was wir essen spaltet uns Menschen derzeit ja fast mehr als Religion oder Politik und ist demnach ein heißes Eisen.

Ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit und des Eingebundenseins in den Kreislauf der Natur machen es einfacher das turnusmässige Sterben auf dem Hof zu akzeptieren. Außerdem leben wir hier auf dem Dorf auf einem Selbstversorgerhof, mitten in den echten Abläufen der Nahrungsmittelgewinnung, für uns ist das alles nicht so abstrakt wie im urbanen Bereich, wo man gewisse Aspekte vielleicht nur aus dem TV kennt (und mitunter in der Phantasie krankhaft übersteigert).
Und auch ich werde Wurmfutter sein, Pflanzendünger, Pflanze, pflanzliches Futter für ein Tier welches dann von einem Fleischfresser getötet wird … ad infinitum. Ich versuche mich also eher als Bestandteil der Natur zu sehen anstatt etwas was darüber steht und dieses idealisierte Ding namens Natur schützen muss.

Da ich zu dem werde, was ich esse und ein Teil der Natur bin, verstehe ich den Konsum von mit Antibiotika aufgepumptem Qualfleisch aus Massentierhaltung, pestizidverseuchtem Obst und Gemüse und fungizidgetränktem Getreide auch nicht sehr gut. Sicher soll jeder für sich entscheiden, zu was er wird, das ärgerliche ist nur, dass es unser aller Umwelt ist, die unter unüberlegtem Konsum leidet. Das war ein ganz schöner Schwenk von der Ausgangsfrage aber für mich gehört es zusammen in den Kreislauf. Gemeinsam mit der Art des Fleischkonsums. Oder der Unart.

Aber eine vegetarische Phase hatte ich – wie wahrscheinlich alle Jugendlichen – im Alter von 14, 15 Jahren auch mal. Ungefähr zu der Zeit war es wohl auch, dass ich zum ersten Mal in einem PM-Heft von Pflanzenversuchen las, die feststellten, dass Pflanzen durchaus auch so etwas wie Schmerz empfinden, wenn man sie abtötet, dass sie untereinander kommunizieren und sich sogar warnen, wenn der Pflanzenmörder den Raum betritt. Ein sehr schönes Thema, hochspannend, über das mittlerweile großartige Bücher geschrieben worden sind. Das am Rande. Leben und sich ernähren funktioniert anscheinend nicht ohne Leid. Schade.

Ein Gedanke zu „Fair zu Pfoten-Award

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