Benutzung der Chitarra am Beispiel Fettucine

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Christian fragte sich heute morgen, ob die kürzlich in 2 anderen Artikeln gezeigte Chitarra riesengroß sei oder nur so wirkt, weil eine Kinderhand darauf zu sehen ist, ob sie nicht putzaufwändig sei und stellte sich (ebenso wie mein Gatte) das ganze Gerät wie einen ‚überdimensionalen Eierschneider‘ vor. Anlass genug, nochmal ein paar Fotos und Worte zur Benutzung des urtümlichen Teils hier zu verlieren.

IMG_9070 IMG_9071Meine Chitarra ist eine doppia, sie hat also 2 Seiten, eine für Spaghetti und eine für Fettucine (oder Tagliatelle, je nach Glaubensrichtung). Auf beiden Seiten sind Saiten gespannt, auf der Spaghetti-Seite enger beieinander und auf der Fettucine-Seite weiter auseinander.
Die Saiten können über die Stellschrauben an der Front des Geräts nachgezogen oder gelockert werden.

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Unter den Drahtsaiten befindet sich eine Rampe aus Holz – logisch, das ganze Teil ist ja bis auf Schrauben und Saiten aus Holz – über diese können die fertigen Rohnudeln später prima heruntergleiten. Mit oder ohne Hilfe.

Chitarra doppia mit FettucineDer Nudelteig braucht die richtige Konsistenz, hat er diese, geht die Nudelherstellung mit der Chitarra so schnell und problemlos von der Hand, dass man sie schon bald ganz selbstverständlich benutzt.
Nach meinem nicht so sehr gelungenen ersten Versuch habe ich von der Verwendung teutonischen Mehls abgesehen und das gute Hartweizenmehl Farina di Semola di Grano duro aus der Speisekammer geholt.
Pro 100g Mehl braucht man etwa 1 grosses Ei, wie bei anderen Teigen auch, halte ich das allerdings für Gefühlssache, immerhin hängt der Flüssigkeitsgehalt des Produkts von so vielen Faktoren ab (Menge des Eiklars im Verhältnis zum Dotter aufgrund Alter der Henne, Größe/Volumen des Eis, Ausmahlungsgrad des Mehls …), dass ich auch hier nichts davon halte, sklavisch auf das Gramm alles abzuwiegen.

Ich habe für 300g Hartweizenmehl 4 Eier der Größe Medium benutzt und der Teig war perfekt. (Man beachte die satte Farbe, die kommt nicht von Safran, sondern von glücklichen bio-gefütterten, freilaufenden Hühnern 🙂 )
Er wird nach dem Zusammenmischen der beiden Zutaten zu einer Kugel geformt (extrem klebrig!), in ein nasses Küchentuch gehüllt und darf sich noch eine halbe Stunde ausruhen, bevor er an die Garotte Chitarra muss.

IMG_9028Nach der Ruhezeit wird der Teig auf Mehl flach ausgerollt. Das ist meiner Meinung nach das aufwändigste an der ganzen Produktion, denn der Teig ist sehr zäh und will immer wieder in die alte Form zurück. Eine Nudelwalze könnte hier hilfreich sein oder etwas Ausdauer und Geduld.
Mein Teig hätte gerne flacher sein dürfen.

Ich habe von dem ausgerollten Teig dann immer handbreite Stücke abgeschnitten und die auf die Chitarra gelegt. Meine Chitarra hat ein Aussenmass von 22×44 cm, der Bereich mit den Saiten ist also nicht so groß, wie er aussieht. Das Gerät lässt sich gut verstauen und die Nudeln können gar nicht zu lang werden.

Der Teig liegt also auf den Saiten der Gitarre und wenn die Konsistenz des Teigs stimmt, braucht man jetzt nur noch 2-3 mal mit dem Nudelholz darüber zu fahren und der Teig wird durch die Saiten geschnitten und gedrückt, fällt dann auf besagte Rampe, von wo er sich entweder selbst auf den Weg macht oder durch leichtes Klopfen oder hochkant stellen einem entgegenkommt.

IMG_9032Die Nudeln können nun entweder zum Trocknen aufgehängt und eingelagert oder ins kochende Wasser gegeben werden. Wer ambitioniert und gerne kocht, es gewohnt ist 1-2 Stunden am Tag in der Küche zu stehen, wird sich sehr schnell an die Benutzung der Chitarra gewöhnen wette ich.

Wahrscheinlich gibt es irgendwo in den Untiefen des Internets sogar Videos, die die Benutzung zeigen und vielleicht kennen Italiener, die mit der Maschine aufgewachsen sind noch Tricks. Dieses ist meine autodidaktische, funktionierende Methode.

Zusatz zum Putzaufwand: Bislang kann ich keine Probleme erkennen, der erste, unpassende Teig hat etwas klebrige Spuren hinterlassen, die man im angetrockneten zustand abbröseln kann. Hat der Teig die richtige Konsistenz, hinterlässt er keine Spuren. Es fällt etwas Mehl auf die Rampe, dieses kann man prima mit einem Backpinsel oder frischen Staubpinsel entfernen. An trockenen Mehlrückständen ist ja auch nichts unhygienisches an sich.
Im äussersten Notfall würde ich die Chitarra unter lauwarmen Wasser putzen, aber Holz verzieht sich ja recht schnell …

Nudeln mithilfe der Nudelmaschine selber zu machen ist übrigens auch eine super Methode, um an plastikfreie Bio-Nudeln zu kommen. Bio-Nudeln ohne Plastikverpackung sind ja immer wieder ein Thema bei Menschen, die auf so etwas Wert legen. Es ist zwar problemlos möglich, konventionelle Nudeln in Pappverpackungen zu kaufen, bei Bio-Produkten wird es dann schwierig. Einziges Manko aus meiner Sicht einer sparsamen Hausfrau ist, dass das Hartweizenmehl sehr teuer ist, die Chitarra selber ist es übrigens nicht. Wer mir eine Quelle für Bio-Hartweizenmehl zu einem reellen Preis nennen kann, kann sich meiner hochgradigen Dankbarkeit versichert sein!

Und wer sich fragt, was für eine leckere Pastasauce das ist, findet hier das Rezept für die Bärlauch-Tomaten-Pasta.

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4 Gedanken zu „Benutzung der Chitarra am Beispiel Fettucine

    1. Landidylle Autor

      Danke Hang, ich habe das Ding ja neulich auch zum ersten Mal gesehen, gekauft und festgestellt, dass das aussergewöhnlich aber total gut ist.
      Liebe Grüße und einen schönen Tag, Oli

      Antwort
    1. Landidylle Autor

      Sehr gerne!
      Das war ein guter Anlass und ich schätze, dass es jetzt oder später noch mehr Leute interessieren wird. Und dass die Vermutung mit dem Eierschneider zum zweiten Mal kam, war auch Grund genug, nochmal zu versuchen, das Ding anders zu fotografieren.
      Liebe Grüße, Oli

      Antwort

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