Landgewinnung oder wie man matschigen Unterboden nutzbar macht

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Da unser Grundstück ja aus einer Koppel bestand, die auch noch ein leichter Nordhang ist und feucht – nicht umsonst gibt es hier Quellen und einen Teich mit Überlauf – mussten wir uns etwas einfallen lassen, um den Nutzgarten anzulegen. So reizvoll ein Hanggarten mit Terrassen auch sein mag, für einen Nordhang ist das eher nichts. Schon gar nicht, wenn dieser sich in Norddeutschland befindet und man lieber jeden Sonnenstrahl auf seine Gemüsekulturen anstatt davon ablenken möchte.

Im ersten Arbeitsgang kam also ein Radlader und hat den Oberboden weggeschoben und das Gelände des späteren Gemüsegartens eingeebnet. Ich habe darum gebeten, soviel fruchtbaren Oberboden wie möglich am Ende der Nivellierung wieder auf die Oberfläche zu schieben. Da das Gefälle an der für den Nutzgarten vorgesehenen Stelle recht stark war, wurde sogar eine Stufe von bis zu einem Meter eingebaut und der grösstmögliche Teil Oberboden gerettet.

Trotzdem reichte es an der obersten Stelle des Hangs nicht und es blieb matschiger, grauer Unterboden zurück. Staunass. Auf dieser Ebene hat der Rutengänger übrigens auch eine Quelle verortet, das war allerdings nachdem der Radlader bis über die Reifen versunken war. Und wenn wir schon beim Rückblick sind: hat jemand von euch schonmal versucht, mittags auf dem Dorf einen Trecker zu organisieren?
Tjaja, ich ja! Zum Glück wusste der Mann beim Dorftreff, den ich folgerichtigerweise als ersten Anlaufpunkt angesteuert hatte ganz genau, wer wann Mittagsstunde macht. Bloss nicht stören! Die Bauern werden giftig!
Zu guter letzt haben alle noch aktiven Bauern ihre verdiente Mittagsstunde zuende halten können und der Schäfer am Ende der Strasse hat den Radlader aus dem Schlick gezogen.
Ds Gelände hier ist unberechenbar in Hinblick auf ‚Untiefen‘. Der Fahrer des Radladers ist ein sehr erfahrener und sehr besonnener Mann. Und trotzdem.

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Zurück zum Thema. Auf diesem grauen Unterboden wuchs also Wollgras, Moos, seltsame Gewächse die an Algen erinnern und derart anspruchslose Pflanzen. Die Beete, die wir im ersten Jahr voller Enthusiasmus bis in diesen Bereich hineingezogen hatten, liessen genau erkennen, wie die Nährstoffe immer weniger wurden. Die Pflanzen wurden zum Rand hin immer kleiner und schwächer.

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Wo man es wagte entlang zu gehen, da sank man knöcheltief ein und die Löcher blieben lange erhalten – als kleine Tümpel. Sehr interessant um aussergewöhnliche Vegetation zu beobachten aber nichts, um Nahrungsmittel anzubauen und satt zu werden.

Regenwürmer haben es in diesem extrem festen, nassen Boden trotzdem ausgehalten. Ihre Hinterlassenschaften zeugten davon – oder aber wir haben es wie andernorts in unserem Bundesland bei Landgewinnungsmaßnahmen mit Wattwürmern zu tun. 😀

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Der Plan war also, den Boden wieder aufzubauen, nur eben ohne Gefälle. Im ersten Arbeitsschritt habe ich alle möglichen Materialien in die tiefen Stolperfallen Tümpellöcher gefüllt. Namentlich Pflanzenkohle* und Holz. In alle Senken, in denen das Wasser stand, habe ich ebenfalls grosszügig Pflanzenkohle, Sägespäne und Lavagestein** gefüllt.

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Als nächste Schicht kamen dünne Äste und Laub, Laub aufzuschütten ist bei uns eine Sisyphus-Arbeit weil der nächste Windhauch alles wieder wegweht. Ein wenig Sand zum Beschweren passte ins Konzept und brachte zusätzliche Millimeter Höhe …

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Ein Produkt, welches im europäischen Bio-Anbau nicht gerne gesehen ist, anderswo aber schon, sehr viel Struktur gibt, saugfähig ist und in diesem Fall perfekt passt, war die nächste Schicht: Torf. Ich kenne die üblichen Einwände und habe vor 20 25 Jahren auch gezetert, missioniert und gegeifert. Mittlerweile denke ich, dass dieses einheimische Produkt in einigen Fällen sinnvoller eingesetzt werden kann als exotische Substitute. Wie gesagt, in einigen Fällen. Sicher nicht in Blumenerde oder Torfquelltöpfen zur Anzucht von Jungpflanzen.

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Darauf wurde gehäckseltes Bio-Stroh geschichtet und zwar ordentlich dick.

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In das gehäckselte Stroh haben wir als erste Kultur direkt Saatkartoffeln gelegt. Jede Kartoffel bekam eine Handvoll Hornspäne mit ins ‚Pflanzloch‘.

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Abgedeckt wurde das Ganze mit Humuserde von der regionalen Kompostanlage. Das Substrat ist für Biolandbau zugelassen (nicht, dass ich Standard-Bio vertrauen würde, aber immerhin) und wir benutzen es auch zum Auffüllen der Hochbeete.

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Zwischen die Kartoffelreihen wurden Buschbohnen gesät und teilweise Gründünger. Die Regenwürmer sollen für die Durchmischung des kargen aber feuchten Unterbodens mit den neuen Substraten sorgen.

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Der Ertrag war gut, bei den Bohnen sehr gut und bei den Kartoffeln auf jeden Fall zufriedenstellend. Auch die Gesundheit der Kartoffeln war gut. Einige Bauern, denen wir von unserem Landgewinnungsplan erzählt haben, waren zuerst skeptisch und dann sehr interessiert, die Frage nach der Pflanzengesundheit bei den Kartoffeln kam natürlich auf und die Vermutung, dass man an dem Standort Probleme mit Schorf haben müsste. Hatten wir nicht. Und auch die Drahtwürmer haben nicht mehr Schaden angerichtet, als auf gewachsenen Beeten.
Wir sind sehr froh über den Erfolg dieser Maßnahme und haben damit wieder etwa 40qm Fläche gewonnen, die sonst brachliegen würde. Im Anschluss an dieses Landgewinnungsbeet folgt eine noch nassere Stelle. Hier startet dieses Jahr der zweite Versuch: es wurden flächendeckend Pappen ausgelegt, die für Lebensmittel zugelassen sind und darauf dick abgelagerter Pferdemist. Im Mai will ich das Beet mit Kürbissen bepflanzen und hoffe, schon im ersten Jahr etwas Ertrag zu erwirtschaften.
Nach und nach sollen die Beete durch zusätzliche Substrate an Masse gewinnen und über die jährliche Versorgung mit Kompost und der Bepflanzung mit Leguminosen (Stickstoffsammlern) auch an Nährstoffen. landgewinnung-neu-mist
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Die Silo-Plane im Hintergrund ist ein Versuch, ein händisch mehrfach durchgesiebtes und von Quecke befreites Beet über Winter queckefrei zu halten. Wir werden auch über diesen Versuch berichten.

* Leider sind die allseits beliebten Beiträge über unseren Pyrolyseofen beim Daten-und Backupverlust verloren gegangen, ich hoffe sie irgendwann rekonstruieren zu können.

** Lavasteinchen gibt es sackweise günstig als Bio-Streumittel zu kaufen. Man kann es zur Strukturverbesserung benutzen und es ist sehr porös, Nährstoffe können in das Gestein einziehen und Pflanzenwurzeln hineinwachsen.

19 Gedanken zu „Landgewinnung oder wie man matschigen Unterboden nutzbar macht

    1. Landidylle Autor

      Moin Jacob, ja, hier darf man die Arbeit nicht scheuen! 🙂
      Das wichtigste wäre mir, dass wir der verfl****** Quecke Herr werden, die lässt keine Kulturpflanzen neben sich zu.
      LG Oli

      Antwort
  1. kampfdenkalorientierchen

    Liebe Oli, euere Arbeit ist für einen Städter wie mich faszinierend. Das Wort Quecke musste ich zuerst mal nachschlagen. Scheinbar kommt es aus dem Altdeutschen und bedeutet Stark und lebendig. Kein Wunder dass du da noch einige Zeit dagegen ankämpfen musst.
    Was für eine Sorte Kartoffeln habt ihr angebaut? Bin gerade daran über einen eigenen Kartoffelversuch zu schreiben. Daher mein Interesse. Weiterhin viel Erfolg bei euren Projekten.
    Liebe Grüsse, Bernhard

    Antwort
    1. Landidylle Autor

      Lieber Bernhard,
      eigentlich bin ich ja auch aus der Stadt, zuhause haben wir nur einen Kirsch- und einen Apfelbaum gehabt, ab und an Kartoffeln angepflanzt und ein paar Bohnen und Erbsen. Ich habe massiv viel gelesen, mich ausgetauscht und nun testen wir!
      Wir sind Autodidakten auch wenn mein Mann vom Land kommt und zumindest mal mit Schafen, Rindern, Angeln, Heu aufstapeln und so gross geworden ist.
      Auf dem Versuchsbeet hatten wir ‚Belana‘ von einer Nachbarin, da wollten wir unsere besonderen Sorten nicht pflanzen sowie eigene ‚Linda‘.
      Bin gespannt über dein Kartoffelprojekt zu lesen und ja, die Quecke ist für Gärtner katastrophal. Bislang konnte mir auch noch niemand wirklich sagen, wie er der Quecke Herr geworden ist. Sogar die Leute, die ihren Garten ebenfalls aus einer Wiese gestampft haben. Manchmal kommt der Verdacht auf, dass die vielleicht doch erstmal alles totgespritzt haben. das wurde uns auch oft empfohlen, aber selbst wenn man auf Gift im essen steht: es wurde auch gesagt, dass man bei Quecke alle halbe Jahre nachspritzen muss.
      Liebe Grüße, Oli
      P.S.: habe nun Alpkäse im Kühlschrank und das Wetter ist auch kühl und windig, perfekt für eine Käse’suppe‘ demnächst!

      Antwort
  2. Mion

    Ich ziehe meinen Hut, vor all eurer Arbeit! Wahnsinn, was ihr euch alles habt einfallen lassen, trotz aller Widersprüche, auf Erfolg. Ich bewundere euren Einsatz (bestimmt, tat der Rücken das ein oder andere mal, massiv weh)! Bernhard hat recht, die Quecke strotzt vor Kraft, man bekommt sie nicht klein. Aber sie ist der Verbote, nahrhaften Bodens! Sät Senf, dieser vertreibt dieser hält die Quecke im Schach!
    Grüne Grüße Mion

    PS. Auf deinen Kommentar, bezüglich meines Beitrages, antwortete ich BEVOR ich deinen Beitrag las und ich wundere mich NICHT, dass ich richtig lag. 😉

    Antwort
    1. Landidylle Autor

      Senf habe ich links auf dem Versuchsbeet gehabt. Bei den anderen (queckeverseuchten) Beeten müssten wir das mal testen. Ja, es ist wirklich viel Arbeit und trotzdem sieht es hier nie ’schier‘ aus, also ordentlich geleckt. Am haus sind wir noch nicht fertig, der Garten ist weit entfernt von fertig, der Nutzgarten ist ein Zeitfresser … ich arbeite gerne und ich arbeite gerne im Garten – ganz klar, aber man muss auch Erfolge sehen. heute habe ich die siloplane abgezogen (GOTT war die schwer), darunter war die Quecke im Schach, ich schreib da auch noch mal ausführlicher was zu. (Einer muss es ja tun HarHar)
      Ich glaube ganz fest an unseren Erfolg, der Garten ernährt uns ja schon recht gut und luxuriös wie ich finde aber man kann es einfacher haben wenn man gleich ein Haus mit fertigem Garten kauft oder einen Südhang oder in einer anderen Gegend oder … alles anders macht. 😀
      Liebe Grüße oli (ich gehe gleich mal nach dem anderen Kommentar gucken)

      Antwort
  3. Doris

    Da habt ihr echt viel Arbeit und Material reingesteckt . Ich wüßte auch keine Kulturpflanze die im feuchten Boden wächst . Vielleicht Meerkohl .
    Selbst Hochbeete würden versinken .
    Trocknet der Boden im Sommer ab ?

    Antwort
    1. Landidylle Autor

      Im Sommer ist der Boden OK, zwar frisch-feucht, aber nicht nass. Selbst der Meerrettich ist uns abgesoffen da. Einige Wildpflanzen könnte man ansiedeln, Reis muss ja auch irgendwann trockengelegt werden. Wenn uns für das letzte Stück nichts schlaues zum Anpflanzen einfällt, schichten wir da auch Substrat auf solange bis es nutzbar ist!

      Antwort
  4. Doris

    Mir fiel Knollenziest ein . Neulich war ich nachschauen wie weit der ist . Aber noch nichts zu sehen . Jedenfalls habe ich ein bisschen in der Erde gestochert und es kam nur Matsch zum vorschein . Außer Knollenziest der im Sommer so schön blüht stehen dort Binsen was auf Feuchtigkeit hinweist .
    Demnächst gehe ich nochmal hin .

    Antwort
    1. Landidylle Autor

      Interessant. Mein Kultur-Knollenziest im Hochbeet guckt schon aus der Erde und hat sich massiv ausgebreitet. ich werd mal testweise ein paar knöllchen in den Sumpf stecken. 🙂

      Antwort
  5. birthesgartenzeiten

    Boah, welch eine Arbeit – Hut ab ! Tja, gegen die Quecke ist leider kein Kraut gewachsen – ich führe hier auch einen ständigen Kampf gegen sie … Bin gespannt,wie es weiter in Eurem „Sumpf“ geht und wünsche viel Erfolg :-). LG Birthe

    Antwort
    1. Landidylle Autor

      Vielen Dank, ich werde in jedem Fall berichten – sowohl über Quecke, als auch Landgewinnung. Dir ebenfalls viel Glück beim Kampf gegen die Quecke.
      LG Oli

      Antwort
  6. eifgental

    Wow, da habt ihr aber wirklich ein großes Stück Arbeit geleistet. Ich komm mir ganz schuldig vor, weil ich immer über unseren lehmigen und mergelhaltigen, aber immerhin weder sumpfigen noch besonders queckenverseuchten Boden fluche… da habt ihr es wirklich heftiger angetroffen!

    Wenn sich der Sumpf so gar nicht trockenlegen lässt, solltet ihr vielleicht auf wasserliebende Kräuter umsatteln wie Brunnenkresse, Wassersellerie, Berle, Sumpfziest, Wildreis oder Pfeilkraut 😉

    Antwort
    1. Landidylle Autor

      Ich glaube, ich würde mit jeder Bodenart tauschen, sofern sie nicht queckeverseucht ist! 😀 Ich würde lieber tonnenweise Humus, Stroh, Aushub, sonstwas zur Bodenverbesserung rankarren als kubikmeterweise Boden durchsieben und da das eh nicht ausreichend genau ist, händisch sammeln. Ich hab da noch tolle Fotos zu, die veröffentliche ich bald mal.
      Lehmboden extra fest gebacken hatte ich in meinem Garten in Tschechien. Der hat mich auch in den Wahnsinn getrieben aber ich habe auch nicht groß was unternommen in Punkto Bodenverbesserung weil es nicht mein Garten war und ich nicht wusste, wie lange ich überhaupt bleibe. Aber ich kann mich lebhaft erinnern, dass das Ausgraben einer (1!) Akelei mich ungefähr eine Stunde gekostet hat. Ich fühle also durchaus mit dir.
      Wildreis hört sich spannend an, da werd‘ ich mal nachdenken und mich belesen. Danke für den tipp!
      LG Oli

      Antwort
      1. Doris

        Im Selbstversorgerforum wurde von tipopaar 2011 nach Wildreis gefragt . Wenn der Boden im Sommer abtrocknet wird das wohl nichts .

      2. Landidylle Autor

        Hrm, ich werde mir das dieses Jahr nochmal genauer ansehen in Hinblick auf Feuchtigkeit und wie tief die Feuchtigkeit im Sommer sitzt.
        Und wenn es sich ergibt, dann machen wir da eben ein ’normales‘ Beet draus. Unten auf der Koppel Richtung teich haben wir Stellen, wo es auch im Sommer quatscht. Vielleicht versuchen wir es da mal, interessant ist der Aspekt allemal. Nur da unten ist auch wieder Quecke …
        Die beste Verwendung für solches Land ist wahrscheinlich tatsächlich Weidetiere drauf zu halten. Die Nordfriesen und Co. wissen vermutlich was sie tun. 😦

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