Ringelblumen-Balsam selbstgemacht

ringelblume im Garten

Letztes Jahr hatte ich nach längerer Zeit mal wieder Ringelblumen im Garten. Und zwar satt und dreckig wie man hier sagt. In Hülle und Fülle, soviel, dass ich am Ende eimerweise die Kaninchen damit gefüttert habe, ähnlich wie Dill und Kamille. Früher gab es natürlich auch schon Ringelblumen bei mir, auch wenn ich sie nie verwendet habe, sondern mich nur an der beeindruckenden Wuchskraft und Fröhlichkeit, die sie ausstrahlen, erfreut habe.
Nach dem Gartenwechsel und mangelnder Saatgutgewinnung war dieser Garten dann Calendula-frei. Auf einem Flohmarkt in Friedrichstadt dann hatte eine alte Dame einen Stand und verkaufte Ringelblumensaat lose aus einem großen Karton, abgemessen wurde mit einem Pflanzpott. Auf diese Weise zu Saatgut zu kommen ist natürlich besonders sympathisch und da wir eine besondere Beziehung zu der Stadt haben, umso mehr. Also wurden 2015 recht viele Ringelblumen angebaut.

ringelblumenblueten geerntetIch bin immer und immer wieder beeindruckt, wie aus einem kleinen Samenkorn eine so stattliche und reich blühende Pflanze werden kann. Dank mildem Winter hatten wir sogar bis ins neue Jahr hinein blühende Ringelblumen im Garten.

Einen Teil der Blüten habe ich geerntet, in meinem improvisierten aber luxuriösen Dörrautomaten (Auto) getrocknet und erstmal verwahrt. Nun ist es so, dass ich im Winter meine Hände pflegen muss; sie sind rissig, abgearbeitet, trocken und platzen auf. Dabei verwöhne ich die Haut über Sommer nicht mit Salben oder Cremes, habe die Haut also nicht ‚abhängig‘ gemacht und bin auch sonst kein willfähriges Opfer der Kosmetikindustrie. Im Winter aber benutze ich für gewöhnlich die Calendula-Hautcreme von Weleda, eine leichte Creme, die ich mehrmals am Tag auftragen muss, die aber schnell einzieht und mich so nicht lange stört.

ringelblumenblueten getrocknet

Es lag nahe, irgendwann einmal auszuprobieren, wie es sich mit einer selbstgemachten Ringelblumensalbe als Handcreme verhält. Selber machen hat ja verschiedene Vorteile:

  • Man lernt immer dazu und vergrössert das praktische Wissen
  • Man kann frei experimentieren und weiß bald, was einem wirklich gut tut
  • Man weiß zuverlässig, was drin ist im Produkt
  • Es ist immer wieder ein höchst befriedigendes Gefühl, etwas gemacht zu haben, zu können. Und wenn es nur Kleinigkeiten sind.
  • Es ist oftmals möglich Geld zu sparen
  • Viele Inhaltsstoffe könn(t)en regional oder lokal erworben werden und sparen Transportwege
  • Es wird Verpackungsmüll eingespart, Im Falle der Weleda-Creme sind das die Umverpackung aus Pappe sowie die Tube aus Blech

ringelblumenoel2 ringelblumenoelAm 10.1.16 habe ich getrocknete Ringelblumenblüten in Mandelöl angesetzt. In ein Schraubglas habe ich die Blüten etwas verdichtet geschichtet und gut mit dem Öl vermischt, sodass die Blüten bedeckt waren. Gelagert habe ich das Glas warm und mässig dunkel. 2 Monate später haben sich die Blütenblätter am Boden abgesetzt, das Öl steht darüber und ich habe ich den fertigen Ölauszug abgeseiht. Das ging problemlos und schnell mithilfe eines Kaffeefilters. Im Vorwege hatte ich gelesen, dass diese Prozedur durchaus mehrere Stunden dauern kann, aber meine Blüten waren nach etwa 20 Minuten weitestgehend ‚öllos‘.

oelauszug-calendulagefilterter-oelauszug ausgelaugte-blueten

Die ausgelaugten Blüten sind eine willkommene Zutat auf dem Komposthaufen.
Ich kam nach der Filterung auf 171g Ölauszug. Damit wollte ich zunächst einmal einen Balsam herstellen. Ein Balsam wird aus Bienenwachs, Öl und Fett hergestellt. Als Fett kann zum Beispiel Sheabutter dienen oder Kokosöl (welches bei Raumtemperatur fest ist). Bei der mengenmässigen Zusammensetzung habe ich mich an diesem Dokument orientiert und die Verhältnisseumgerechnet.

kokosoel wachs-oel-kokos

Für meine 171g Ölauszug brauchte ich also 43g Bienenwachs und 43g Kokosöl.
Die Wachsperlen und das zerkleinerte Kokosöl kamen in den Glasbehälter (ich habe ein Weck-Glas benutzt) mit dem Ölauszug und dieses wurde in ein Wasserbad gestellt und mit dem Bratenthermometer versehen. Ich wollte das Gemisch nämlich nicht über 65° erhitzen. Als das Wasser kochte dauerte es noch eine Weile bis der Balsam die 65° erreichte und trotz Dauerrührens ein bisschen länger, bis alle festen Bestandteile aufgelöst waren.

Der flüssige Balsam kann dann in saubere Schraubgläser abgefüllt werden und ist kühl aufbewahrt mindestens ein Jahr haltbar, da er kein Wasser enthält.

Natürlich zieht diese fette Mischung nicht so leicht ein wie die leichte Creme aber der Balsam pflegt wirklich gut. Für rauhe, strapazierte Selbstversorgerhände im Winter genau das richtige und sicher werde ich nochmals eine leichte Creme für zwischendurch herstellen.

Wieder ein Punkt abgehakt, der schon so lange auf der Agenda steht. Viel Arbeit macht die Salbenherstellung anscheinend also nicht, man muss sie nur in den Alltag einfügen wie alles andere auch. Und da ich ohnehin gerne arbeite und mich mit produktiven Dingen beschäftige, sind die Tage ausgefüllt egal ob ich noch Cremes, Salben, Tinkturen und Balsam herstelle oder nicht. Wenn ich mich recht entsinne, ist es fast 20 Jahre her, seitdem ich das letzte Mal eine Tinktur angesetzt habe, irre, wie die Zeit vergeht und umso mehr Grund, alles was man gerne leben möchte, jetzt zu tun.

calendula-balsam fertiger-calendula-balsam

11 Gedanken zu „Ringelblumen-Balsam selbstgemacht

  1. sanftmut

    Wie cool! Meine Ringelblumen sind letztes Jahr leider nicht gekommen :/ Ich habe bei Mandelöl die Erfahrung gemacht , dass es dann irgendwann ranzig riecht. Kannst du das bestätigen?

    Antwort
    1. Landidylle Autor

      Nö, bislang ist das bei mir nicht ranzig geworden. Diese Flasche stand bestimmt schon 1 Jahr im Kühlschrank und war wunderbar. Soll ich Dir ein Care-Paket mit Samen schicken? 🙂

      Antwort
      1. sanftmut

        Hmm ich hatte das nicht im Kühlschrank, wahrscheinlich liegt es daran. Danke für das Angebot! Ich werde meine Mama noch fragen, ob sie welche hat :))

  2. hannah - fahrtrichtung eden

    Super, danke für die Anleitung, die werde ich in diesem Sommer direkt mal nachmachen 🙂 Im letzten Jahr hatte ich mich an Ringelblumenseife versucht, die auch gar nicht so schlecht geworden ist! Unser Garten war voll von Ringelblumen und das soll auch in diesem Jahr so sein 😉 Bienenwachs haben wir auch schon da, dann müssen wir nur noch Öl und Fett zukaufen 🙂

    Liebe Grüße!

    Antwort
  3. Nicole

    Ich habe heute direkt Ringelblumensaat organisiert 🙂
    Kokosöl und Mandelöl hab ich sowieso im Haus. Nur Bienenwachs fehlt dann noch (im Bezweifel dass ich dafür ne Kerze zerkleinern kann 😀 )

    Antwort
    1. Landidylle Autor

      Es freut mich, dass ich dich inspirieren konnte. Ob in Bienenwachskerzen noch irgendwelche Zusätze sind oder ob die rein sind,ist eine interessante Frage, der ich mal nachgehen werde bei Gelegenheit.
      LG, Oli

      Antwort
      1. Nicole

        Als ein Discounter (A..i) vor kurzen Bienenwachskerzen im Angebot hatte stand darauf „100% Bienenwachs“. Nur bei den Wachsplatten, zum selber Kerzen basteln, war noch zusätzlich Paraffin enthalten.
        Ich bin dennoch skeptisch. Irgendwie muss der günstige Preis ja zustande kommen…

      2. Landidylle Autor

        Ich hab auch grad nachgesehen. 100% Bienenwachs steht drauf. Hm, vielleicht kann ein Imker der hier mirliest uns aufklären. Es gibt ja auch Haltungsbedingungen von Bienen, aus denen ich mir vielleicht auch keinen Wachs auf die Haut schmieren wollen würde. 🙂 Irgendwie so muss es wohl sein.

  4. GRILLPATE

    Danke für diese Idee der Ringelblumenverwertung. Wir haben jedes Jahr Ringelblumen in unserer Kräuterspirale, da sie schön anzusehen sind, und als Heilpflanze in jedem bäuerlichen Kräutergarten immer vorhanden waren. Grüße von Gerhard.

    Antwort
    1. Landidylle Autor

      Freut mich Gerhard, der Balsam bewährt sich im Praxistest wirklich gut und sind ein weiterer guter Grund, diese tollen, unkomplizierten Pflanzen im Garten zu haben. Liebe Grüße, Oli

      Antwort

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