Süßkartoffelanbau in Norddeutschland

suesskartoffelernte2-25.10

Dieses Jahr habe ich den ehrgeizigen Plan verfolgt, am Ende der Anbauperiode ein Süßkartoffel-Chili aus eigenem Anbau herstellen zu können. Die Berichte aus dem Selbstvers.org-Forum waren geteilter Meinung, einige Mitglieder bauen Bataten (Ipomoea batatas) duchaus erfolgreich, in zufrieden stellender Größe und in ausreichendem Umfang an, andere fanden das Verhältnis vom Aufwand zum Nutzen nicht der Rede wert. Eigene Erfahrungen sind die besten finde ich, also recherchierte ich weiter, denn theoretisch stimmen die Bedingungen auch hierzulande.

Es existiert eine oft verlinkte, alte Studie zum Thema, in der eine Versuchsreihe mit ähnlichen Überlegungen eingeleitet wurde. Dort heißt es eingangs: „Die Kultur dieses ausdauernden Windlingsgewächses ist jedoch auch im jährlichen AnbauWechsel des gemäßigten Klimas möglich. In USA gedeihen die Bataten an allen Orten, die eine frostfreie Periode von ungefähr 150 Tagen mit relativ hoher Temperatur haben (Beattie 1942).Diese Erfahrung ließ eine Prüfung der Batatenkultur in unserem Gebiete aussichtsreich erscheinen.
Über einen Zeitraum von drei Jahren wurden dort dann also Bataten angebaut und in der Studie über die „botanisch interessante Kulturpflanze mit ihrer bei uns unerwartet guten Entwicklung“ berichtet. Klingt vielversprechend.

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In der Studie aus Wien wurden Bataten einer uruguayischen Provenienz in Kultur genommen, es wurden bewurzelte Setzlinge und auch unbewurzelte Sproßteile ausgepflanzt. Die Batate neigt dazu, sehr schnell und unter verschiedenen Bedingungen Wurzeln zu schlagen. Sowohl in Wasser, in feuchtem Milieu und in Substrat entwickelt sie alsbald Wurzeln. Ausgepflanzt wurde nach den letzten Frösten Mitte Mai und geerntet Anfang bis Mitte Oktober. Es wurde ein Ertrag von um die 2,5 bis 3 Kilo pro Quadratmeter an Knollen und ebenso viel Laub erzielt. das Laub kann wie Spinat zubereitet werden und somit an sich voll mit in den Ertrag eingerechnet werden. „Die Knollen aus der Freilandernte sind wohlausgebildet und ansehnlich. Sie sitzen meist zu mehreren an der Pflanze.“ heisst es. „Für arme Böden ist nach Boswell (1950) die Batate nicht geeignet.“ Und das war wahrscheinlich einer der Knackpunkte bei mir. Ich habe die Süßkartoffeln in großen Maurerkübeln angebaut, die ich dann vor die Hauswand an die Süd-West-Seite gestellt habe. Der Hintergedanke war, den tropischen Gewächsen möglichst viele direkte Sonnenstunden zu gönnen. Gedüngt habe ich nur beim Pflanzen mit Hornspänen. Die Verwertung von Hornspänen in Kübeln finde ich nicht optimal und die Pflanzen hatten auch nicht viel Erde zur Verfügung, da sie zu mehreren in den Bütten sassen. Die Knollen sind winzig und länglich, sitzen aber zu mehreren an einer Mutterknolle.

Angezogen habe ich die Süßkartoffeln recht spät im Jahr aus normaler Biomarktware in Zimmergewächshäusern. Das Substrat war Anzuchterde und ich habe für ein warm-feuchtes Milieu gesorgt, indem der Deckel aufgesetzt und eine Heizmatte für Terrarien untergelegt wurde. Die Knollen keimten zuverlässig und recht schnell, bildeten bald darauf Laub und konnten ausgepflanzt werden. Vielleicht wäre mein Versuch erfolgreicher verlaufen, wenn die von mir beeinflussbaren Bedingungen wie Zeitpunkt der Anzucht, Düngung und Platzangebot günstiger gewesen wären. Erschwerend hinzu kam, dass dieses Jahr allgemein etwas schwierig für den Anbau von Nutzpflanzen war da es lange kalt war, oft verregnet und es einen frühen Frost gab. Gefühlt war das Jahr kälter als normal. Interessant wäre auch in Erfahrung zu bringen, ob andere Sorten auf meinem Breitengrad einen zuverlässigen Ertrag bringen. In der Studie heisst es dazu: „Auch die Züchtung neuer Sorten könnte die Möglichkeit der Bataten- kultur in der gemäßigten Zone fördern. Es ist jedoch schwierig, in unseren Breiten die Batate zur Blüte zu bringen. Selbst in wärmeren Gebieten sind nicht oder schlecht blühende Batatensorten bekannt

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Aus der Studie geht hervor, dass in Mistbeeten mit Pferdemistpackungen angebaute Bataten einen Ertrag von über 4 Kilo pro Quadratmeter bringen und eine reichliche Knollenbildung bei Verwendung großer Erdvolumina erzielt werden konnte. Diese Punkte sollte ich mir vielleicht über Winter nochmals zu Gemüte führen. Von nichts kommt auch hier nichts und in einem unserer warmen Hochbeete hätten die Pflanzen sicher ein besseres Bild abgegeben. Einen größeren Aufwand als im wärmeren und trockeneren Österreich muss ich hier mi Sicherheit betreiben, denn im Fazit der Studie heisst es: „Die Kulturversuche im Freiland … geben zur Hoffnung Anlaß, daß die Batate als gärtnerische Kulturpflanze in den warmen Gebieten Österreichs einbürgerungsfähig sein wird.

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In einem guten Jahr mit einigermassen warmen Temperaturen und einem nicht so frühen Frost könnte das Ergebnis also vielleicht auch in Norddeutschland zufriedenstellend sein – etwas Aufwand vorausgesetzt.

Wichtig wären nach meiner jetzigen Erfahrung folgende Punkte:

  • gibt es eine Sorte, die für kühlere Regionen gezüchtet wurde? Ansonsten zumindest Bataten aus Österreich wählen und nicht die Biomarkt-Ware aus Israel.
  • sehr viel früheren Zeitpunkt der Anzucht wählen, spätestens März
  • reichliche Düngung
  • gutes Platzangebot
  • ein warmes Plätzchen im Hochbeet oder idealer unter Glas

Immerhin ist das Ziel erreicht und die Süßkartoffeln reichen für ein Chili. Auch wenn sie frustrierend winzig sind.
suesskartoffelernte4-25.10 suesskartoffelernte25.10Ernte der ersten Bataten am 25.10

 

 

Falls jemand von euch sich im Anbau von Bataten übt, wäre ich an Erfahrungsberichten sehr interessiert! Übrigens kann es unter den feucht-warmen Anzuchtbedingungen vorübergehend zu Ausblühungen an den Blättern kommen, es bilden sich Kristalle, die wieder verschwinden, wenn man die Abdeckung entfernt oder die Pflanzen nach draussen setzt. Diese richten wohl keinen Schaden an, sind aber Stressreaktionen. Dazu habe ich den folgenden (englischsprachigen) Blogbeitrag gefunden: http://beyondthehumaneye.blogspot.de/20 … otato.html

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7 Gedanken zu „Süßkartoffelanbau in Norddeutschland

      1. Wiltrud

        ganz bestimmt, Hochbeet und ein heißer Sommer werden dazu beitragen.

        Ich finde deine Ernte toll und für ein erstes Süßkartoffelchili reicht diese Ausbeute doch auch.

  1. eifgental

    Danke für den Erfahrungsbericht! Ich spiele gerade mit dem Gedanken, es nächstes Jahr auch mal mit Süßkartoffeln zu probieren und weiß jetzt schon mal, dass ich ihren Nährstoffbedarf nicht unterschätzen darf…
    Sind denn die Mini-Bataten wenigstens geschmacklich intensiv? Das wär ja auch schon mal was…

    Antwort
    1. Landidylle Autor

      Ich plane sie in der nächsten Woche zu verarbeiten und werde dann berichten!
      Nächstes Jahr werde ich dann auch bei Dir verfolgen, wie es läuft. Bin schon sehr gespannt.

      Antwort

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