Holzkohle aus dem Pyrolyseofen

Holzkohle im Pyrolyseofen selbst gemacht

Vor dem Daten- und Backupverlust gab es einen beliebten Beitrag über Pflanzenkohle aus dem Pyrolyseofen. Ich erwähnte es gelegentlich. Das ist nun einige Jahre her und im Verlauf kamen immer noch Besucher über die Google-Bildersuche. Ich hatte nie Lust, einen vergleichbaren Beitrag nochmals zu verfassen und die gewohnt tiefschürfenden Informationen wieder zusammenzutragen. Diesen wichtigen Aspekt im Selbstversorgergarten und in der Outdoorküche zu unterschlagen missfällt mir aber auch gewaltig. Ich zeige also einfach die alten Fotos, erzähle ein wenig und empfehle zum tieferen Einstieg in die Themen echte Pyrolyse und Pflanzenkohle im Garten (und zur angeblichen Rettung der Welt mittels CO2-Fixierung) ein Buch. Guter Kompromiss an einem heißen Sommertag wie ich finde.Pflanzenkohle war vor einigen Jahren in der Gärtnerszene in aller Munde, als Terra Preta zu allgemeiner Bekanntheit gelangte und sich so einige Hobbygärtner daran machten, Terra Preta nachzubauen. Terra Preta wiederum ist ein menschengemachter Boden in den südamerikanischen feuchten Tropen aka Regenwäldern. Wie wir alle aus der Schulzeit wissen, sind die Regenwaldböden sehr arm und das beeindruckende Pflanzenwachstum und eine überwältigende Masse an Pflanzenmaterial kann nur erschaffen werden durch schnelle Kreisläufe der Stoffe so wie sie in feuchtwarmen Gebieten typisch sind.
Terra preta de índio ist nun also die menschengemachte, Jahrtausende alte Antwort auf das Problem: Ein von Menschen erschaffener fruchtbarer Boden, auf dem man derart viel Ertrag erwirtschaften kann, um wirklich große Mengen an Menschen so wie sie in Ballungszentren leben, ernähren kann. Und diese Städte gab es dort. Früher. Vor dem Genozid.

Terra Preta entsteht durch langjährigen Eintrag von Asche, Biomasse, Küchenabfällen, Verkohlungsrückständen, pyrogenem Kohlenstoff, Knochen und menschlichen Fäkalien“ sagt Wikipedia und diese Erklärung reicht vermutlich allen, die nicht weiter einsteigen wollen in die Lösung diffiziler und dringlicher Probleme der Menschheit, so wie sie vor allem heute vorkommen. Allen anderen empfehle ich die überaus spannende und etwas geekige Lektüre vom Buch ‚Terra Preta‘ oder einen Besuch der Webseite des Ithaka Instituts.

Das interessante an Pflanzenkohle ist, dass sie super stabil ist und eine enorm große Oberfläche hat, dabei speichert sie große Mengen CO2. Der Abbau von Pflanzenkohle dauert laut Wikipedia etwa 2000 Jahre. Die Kohle ist durch ihre Struktur in der Lage, wie ein Schwamm riesige Mengen Pflanzennährstoffe zu speichern. Man kann beobachten, dass die Wurzeln der Pflanzen gezielt in die Kohle hineinwachsen und das Reservoir anzapfen.

Die Speicherfähigkeit und die Stabilität der Kohle ist im Wesentlichen davon abhängig, wie sie hergestellt wurde. Genau kann man das wie gesagt im Buch nachlesen. Besonders effektiv kann man Pflanzenkohle natürlich unter kontrollierten Bedingungen und in sauerstofffreier/armer Atmosphäre herstellen. Zu diesem Zwecke kann man Industrieanlagen benutzen, die die Pflanzenkohle dann sackweise an Gärtner verkaufen. Der Hobbybastler benutzt eher eine Metalldose in die er Biomasse gibt und die er ins Feuer stellt. Ebenfalls beliebt ist die Variante, eine Dose in eine andere, größere, mit Luftlöchern versehene Dose zu stellen und im Zwischenraum ein Feuer zu entzünden. Ich bin mir sicher, dass Pinterest oder die Google-Bildersuche eindrucksvolle Schemata ausspucken.

Im größeren Stil kann man den Aufbau mit Ölfässern erreichen. So konstruierte ein Bekannter von uns also einen Pyrolyseofen zum Tüfteln, Basteln und Überprüfen. Ich mag es, wenn Ingenieure noch das echte Daniel-Düsentrieb-Gen haben und mit kindlicher Neugierde grübeln, tüfteln und basteln.
Zu Gute kam uns dieses Verhalten – denn nach erfolgtem Test wurde der Pyrolyseofen dieser Bauart abgestoßen und zog bei uns ein.

In diesem Fall wird der Ofen mit Holzscheiten bestückt, die nach Möglichkeit die gleiche Größe haben sollen, weil sie sonst ungleichmässig verkohlen. Wenn die Holzgase verbrennen und sich die Rauchfarbe schlagartig verändert, muss abgelöscht werden.

Geerntet werden kann dann beste Holzkohle mit feinen Poren, einer optimalen Oberflächenstruktur und großem praktischen Nutzen. Wir haben sie als unterste Schicht im Komposthaufen benutzt, den Boden des grünen Eimers damit ausgelegt, sodass Sickerwasser aufgefangen und nicht verschwendet wird und üble Gerüche unterbunden. Die Tiere, die ihre natürlichen Instinkte kultivieren, fressen die Kohle gerne und wir können es ihnen gleichtun. Man kann die Kohle mit den verschiedensten Substanzen ‚aufladen‘ und beimpfen und das sollte man auch tun; denn so wie sie ist, ist sie eine weiße Leinwand und frei für alle möglichen Spielereien. Eine einfache, beliebte und effektive Art die Kohle zu beimpfen ist den eigenen Urin zu nutzen und sowieso macht die Kohle sich auch im Kompostklo gut.

Gerade jetzt – aber nicht nur im Sommer – ist es aber auch naheliegend, die Kohle ganz klassisch zum Grillen zu benutzen und somit hofeigene Kreisläufe zu schliessen.

Heimische Gehölze aufforsten, Sichtschutz, Lärmschutz, Emissionsschutz genießen, Insekten mit Pollen und Blüten ernähren, die gute Luft, die der Baum macht atmen, die Früchte ernten, den Schatten genießen, aus dem Holz Möbel bauen, Blätter verfüttern und den Rückschnitt zu Kohle machen, die dann auf die eine oder andere Art verwendet und danach wieder dem Kreislauf zugeführt werden kann.

Eine gute Art sich im Alltag zu vergegenwärtigen, dass Stoffkreisläufe keine Einbahnstraße sind und es nicht nur möglich sondern auch geboten und sinnvoll ist, möglichst viele Kreisläufe zu schliessen. Es funktionierte früher und kann auch heute jenseits der Wegwerfgesellschaft (oder parallel dazu) funktionieren.

Das Thema passt schön zur EiNaB, bereichert diese hoffentlich und wird daher dorthin verlinkt.

2 Gedanken zu „Holzkohle aus dem Pyrolyseofen

  1. widerstandistzweckmaessig

    Hallo Oli!

    Das ist ein sehr spannendes Thema, über das ich ehrlich gesagt noch nie etwas gelesen habe. Danke Deinem Beitrag und natürlich EiNaB, worüber ich den Beitrag entdeckt habe, bin ich nun wieder schlauer geworden.

    lg
    Maria

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Ja, das Thema ist super spannend und vielfältig wenn einem der Ansatz gefällt. Wer tiefer einsteigen möchte, dem empfehle ich wärmstens das erwähnte Buch. Es ist recht populär geworden, ich vermute, dass es auch ausleihbar in vielen Büchereien ist.

      LG Oli

      Antwort

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