Sarmale (Rumänische Krautwickel) eingenorddeutscht

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Wir schreiben das Jahr 12 nach meinem Ausklinken aus der deutschen Fernsehwelt. Ich besitze zwar einen luxuriösen Fernseher,  für den Fall, dass wider Erwarten einmal Zeit sein sollte eine DVD zu sehen, aber das passiert dank arbeitsreichen Tagen und Vorhandensein eines Familienbettes, welches ich mit dem Nachwuchs teile (und der mich ungerne wieder aufstehen lässt um Erwachsenensachen zu machen) nicht mehr.
Am Wochenende haben wir uns allerdings die Dreistigkeit herausgenommen, eine Folge ‚Zu Tisch in …‚ auf Youtube zu sehen. In diesem Falle ‚Zu Tisch in der Maramures‚.

Die Maramures gilt als der ursprünglichste Teil Rumäniens, hier wird zum Beispiel noch mit Pferd und Wagen die Ernte eingefahren. Das Heu trocknet auf Holzgestängen und die so entstandenen Heuzipfel prägen das gesamte Landschaftsbild.

Das klang in unseren Ohren sehr gut, die Folge gefiel und die dort gezeigten Sarmale weckten Interesse und Appetit. Ich beschloss, diese Krautwickel nachzukochen, aber auf unsere Art. Den ganzen Winter schon hatte ich Appetit auf Wirsing und da meiner im Garten nicht gekommen war, hatte ich just neulich einen im Hofladen gekauft. Schweinehack war vorhanden und Grünkern, Polentamais auch und so habe ich die rumänischen Krautwickel eingedeutscht und sozusagen zu Kohlrouladen gemacht. Wobei: wie man liest, sind diese Sarmale so etwas wie ein Nationalgericht und dementsprechend existieren zahlreiche Variationen. Am häufigsten scheint man tatsächlich fermentierte oder auch nicht fermentierte Weisskohlblätter, Hack und Reis zu benutzen, sowie eben Polenta.

Grünkern (unreif geernteter Dinkel, gedarrt) erschien mir als gute Wahl, weil er sehr aromatisch ist – wenngleich auch nicht unbedingt norddeutsch. Ein wenig Inspiration die Zubereitung betreffend habe ich mir hier geholt.

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Für 4 Portionen norddeutsche Sarmale benutzte ich in etwa folgende Zutaten:

  • 250g (trocken gemessen) Grünkern, gekocht
  • 350 g Schweinehack
  • 2 EL Chiliflocken, getrocknet
  • 1 Wirsing
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 Zwiebel
  • 1 rohe Kartoffel
  • 400g Polenta
  • 500ml Gemüsebrühe
  • 6-8 Zweige Thymian

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Die Zwiebel, die rohe Kartoffel und die Knoblauchzehe wurden geschreddert und mit dem Hack, Chili und dem Grünkern gut vermischt.

Vom Wirsing wurden die Blätter vorsichtig gelöst, die ganz groben äusseren beiseite gelegt und der Rest in einem großen Topf blanchiert. Die grünen Blätter kann man gut zuerst in den Topf geben weil sie etwas länger brauchen, bis sie weich sind.

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Nun wurden jeweils kleine Portionen von der Hackmischung in jeweils ein Wirsingblatt gewickelt und mit Küchengarn zugebunden. Nach und nach das ganze Hack aufbrauchen (oder den Rest den Hühnern füttern). Das klappt bei mir zum Glück komplett lautlos, sodass ich dafür die GöttinSeiLobUndDank gehaltene Mittagsstunde des Nachwuchses nutzen konnte.

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In einen großen Topf habe ich etwas Bratöl sowie 1l Wasser gegeben und dann mit den ganz äusseren Wirsingblättern den Boden ausgelegt, darauf die Thymianzweige verteilt und dann dicht an dicht die Kohlwickel geschichtet.

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Auf kleiner Flamme wurden die Krautwickel nun etwa 2 Stunden lang gegart.

Währenddessen habe ich die Brühe gekocht, Polentamais hineingegeben, quellen und abkühlen lassen.

Eventuell muss man nach einiger Zeit im Kohltopf Wasser nachfüllen.

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Kurz vor dem Anrichten die Polenta in Streifen schneiden und kurz in viel Öl anbraten.

Fazit: es schmeckte sehr gut, die Komposition gefiel uns aber wir vermissten eine Sauce. Übereinstimmend haben wir beschlossen, dass eine Specksauce eine prima Ergänzung wäre.
Insgesamt kann man das so gerne nochmal machen aber auch zahlreiche Variationen hinsichtlich Kohlart, Fleischart, Getreide und Gewürzen sind bestimmt super möglich.

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9 Gedanken zu „Sarmale (Rumänische Krautwickel) eingenorddeutscht

  1. kampfdenkalorientierchen

    Bei uns gab es die frische Polenta mit einem Saucen Gericht. Es wurde immer eine grosse Portion gekocht. Den ganzen Rest hat meine Mutter in eine Brotähnliche Form gebracht, abkühlen lassen und für ein zwei Tage in den Kühlschrank gestellt. Erst jetzt hat sie es geschnitten, der Schnitt wurde glatt, die Stücke waren fest und liessen sich goldgelb und knusprig braten. Entschuldigung wenn ich auf deiner Seite in Erinnerungen schwelge.
    LG, Bernhard

    Antwort
    1. Landidylle Autor

      Das freut mich doch! Und Erfahrungen aus der Praxis nehme ich mal alsTipp, das nächste Mal versuche ich daran zu denken, die Polenta früher zuzubereiten. 🙂
      Vielen Dank und liebe Grüße, Oli

      Antwort
  2. Doris

    Meine Mutter hat die Krautwickel angebraten und dann geschmort , Der Sud wurde angedickt mit Mehl . .Ich selbst habe Krautwickel noch nie zubereitet , für mich alleine lohnt sich das nicht ,einfrieren und aufwärmen geht nicht gut .Deine sehen sehr gut aus , bei meiner Mutter war das Gehackte trocken . Mit Getreide und der Kartoffel ist die Füllung bestimmt besser .

    Antwort
    1. Landidylle Autor

      Ich glaube, die Zubereitungsmethode Deiner Mutter ist für saucensüchtige deutsche echt besser geeignet. Ich mache die sicher nochmal in irgendeiner Variation und dann teste ich das. Die rohe Kartoffel und der Grünkern haben dem ganzen wirklich eine schöne Konsistenz gegeben, nicht zu weich, nicht zu trocken – an sich genau richtig.

      Antwort
  3. Doris

    Es passt hier nicht her , aber ich habe alte Kochbücher entdeckt die man am Bildschirm lesen kann ,http://gutenberg.spiegel.de/buch/henriette-davidis-praktisches-kochbuch-inhaltsangabe-4461/1 , Henriette Davidis ist ja allseits bekannt . Dann noch weitgehend Fleischlos :http://gutenberg.spiegel.de/buch/die-kuche-der-zukunft-auf-fleischloser-grundlage-8380/7
    Was mir gefällt, aber da braucht man einen Garten mit den Gemüsen , Suppen aus verschiedenen Gemüsen , von manchen braucht man nur ein bischen . Eine Handvoll dieses , ein paar Stängelchen von jenem 🙂

    Antwort
    1. Landidylle Autor

      Ah cool, ja Mensch, ich wusste irgendwann mal, dass es irgendwo alte Kochbücher online gibt, danke für den Hinweis. Henriette Davidis ist in der Tat ein Begriff, meine Mutter hatte früher uralte Originale als Deko in der Küche stehen. (Nicht, dass sie sowas jemals benutzt oder angesehen hätte …)

      Antwort

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