Ostereier färben mit natürlichen Farben aus der Speisekammer

ostereier-naturfarben

In den letzten Wochen und Tagen gab es einige Artikel zum Thema ‚Naturfarben für Ostereier‘ und dank den Bloggern – die wahrscheinlich extra für diese Artikel 2x nacheinander bunte Ostereier gegessen haben – eine Menge Informationen zu verschiedenen Techniken, Ostereier natürlich zu färben: mit Tee, mit Zwiebelschalen, mit Gewürzen. Gerade wenn man Ostereier mit Kindern zusammen färbt, sollte man sich ernsthaft Gedanken machen, ob es nicht der richtige Zeitpunkt ist, um auf Naturfarben umzusteigen, denn selbst die zugelassen, synthetischen Farben sind ernsthaft ungut wie Doris sehr schön recherchiert hat.
Die Verbraucherzentralen und Naturschutzverbände halten übrigens auch Listen mit den konventionellen Ostereifarben samt deren Nebenwirkungen sowie Tipps zu natürlichen Alternativen bereit.
An sich wollte ich dieses Jahr Eier mit Tee färben, dazu hat Nicole einen schönen Beitrag mit tollen fotografisch dokumentierten Ergebnissen geschrieben, aber dann ritt mich doch wieder mein Experimentiergeist.

weisse-eier

Und obwohl ich ebenfalls bei Doris angekündigt hatte, mit verschiedenen Ei-Oberflächen experimentieren zu wollen weil ich vermutete, dass die extrem glattschaligen Eier die Farbe vielleicht schlechter annehmen, als die rauhen, blieb ich hinterher bei einer Sorte Ei. Es handelt sich dabei glaube ich um die Eier unserer Vorwerk-Hennen.

Ich benutzte Dinge aus der Vorratskammer: Fliederbeersaft, Spinat aus grün-rot gestreifter Melde, eine Kaltschale aus schwarzen Johannisbeeren, Kurkuma und 2 angebrochene Gläser süß-saure Rote Bete aus der hintersten Ecke des Kühlschranks. Das Osternest selbst besteht aus überständigem, verdorrten Gras aus dem Garten – vermutlich Quecke.

gefaerbte-eier

Leider hatte ich nicht ausreichend Zeit, um die Substanzen lange genug vorab zu kochen. Nach etwa 5 Minuten Kochzeit der Naturfärbemittel plus Essig gab ich die gewaschenen und von der Schutzschicht befreiten Eier hinzu und kochte sie für 10 Minuten. Wie man sieht funktioniert Fliederbeersaft am besten, die Farbe ist einfach wahnsinnig echt und intensiv. Leider musste ich während der Kochzeit helfen, im Windfang einen Schrank aufzubauen und konnte das Ei so nicht wenden – was bei der derart intensiven Färbewirkung sofort zu unschönen Absätzen und Rändern führt.
Kurkuma ist ebenso ein Knaller an Farbgewalt. Perfektes Ergebnis, schnell, einfach, sauber, sicher, gesund.
Spinat aus Melde färbt nicht wirklich intensiv, vermutlich weil er vor dem Einfrieren schon blanchiert wurde und der Großteil der Farbe dabei verloren ging. Aber nützt ja nichts, zur Ostereier-Färbesaison gibt es bei mir noch keine Melde im Beet.
Kaltschale aus schwarzen Johannisbeeren ist lecker und färbt zusammen mit etwas Essig und Wasser nett rosa. Saft aus schwarzen Johannisbeeren funktioniert vielleicht noch besser.
Süß-sauer eingelegte Rote Bete passt perfekt zum winterlichen Selbstversorgermahl Bratkartoffeln aber die Reste isst man lieber selber oder gibt sie den Hühnern, die sehr gerne sauer essen. So färbt sich wenigstens das Dotter. Auf den Eierschalen hinterlässt die fertig zubereitete Speise nur einen Schimmer von Apricot. Frische rote Bete funktionieren vermutlich besser.ostereier

Fazit: es gibt, wie bei den meisten Dingen, keinen Grund nicht auf althergebrachte Methoden und Techniken zurückzugreifen. Ausser man sieht es aus Sicht der Industrie, die uns ihren Giftmüll gerne für teures Geld unterjubeln möchte.
Selbst dieser Schnellschuß aus Zeitnot hat bunte, ansehnliche Eier ergeben. Ich muss nicht nervös an den Nägeln kauen wenn der Nachwuchs das Ei samt Schale isst, ich muss unserem Abwasserverband keinen Giftmüll durch die Abwasserleitung schicken, ich kann die Reste der Färbematerialien und die Reste der Eier/schalen ruhigen Gewissens auf den Kompost geben oder den Hühnern vorsetzen, ich brauche vor Ostern nicht einkaufen zugehen weil die Vorratskammer voll ist und sich unter den natürlichen Lebensmitteln auch natürliche Färbemittel befinden. Es lebt sich entspannter auf diese Weise.

Und nächstes Jahr finde ich entweder einen Züchter, der mir echte Araucaner verkauft, die grüne Eier legen oder finde eine natürliche Farbe für grün (Brennnessel, Spinat) oder erfreue mich stattdessen an gelb und violett.

eigelb

Seit unsere Hühner wirklich frei laufen hat das Eigelb eine sehr satte orange Farbe bekommen, nicht zu vergleichen mit dem Orange, welches man gelegentlich (auf Fotos von manchen Foodblogs) bei konventionellen Eiern sieht.

Ich hoffe, ihr hattet alle ein schönes und ruhiges Osterfest, ein loderndes Osterfeuer und euch wurde der Ausblick auf Windmühlenparks links, rechts, vorne und hinten erspart.

osterfeuer windmuehlen

Und weil wir nichts päpstlicher sein wollen als der Papst, wurden auch hier ein paar wenige alu-verpackte Schokoladeneier versteckt. Maria hat bei ichmachesanders.com neulich in Bezug darauf die 80:20-Regel angesprochen. („Wenn ich 80% der Zeit darauf achte, dann erreiche ich mit wenig Aufwand mehr als wenn ich mich zerreiße und dann irgendwann genervt aufgebe.„)

alu-ei osterei-versteckt
Nachtrag weil ich ich es gerade in dem von Doris empfohlenen Buch ‚Die gute ländliche Küche‘ las:

  • Zwiebelhäute (braun) & Heidekraut (gelb und grün)
  • Stechginster, Stroh ergeben gelb
  • Tannenzapfen, Holunderrinde ergeben schwarz-braun
  • Birkenrinde ergibt dunkles rot

8 Gedanken zu „Ostereier färben mit natürlichen Farben aus der Speisekammer

  1. kampfdenkalorientierchen

    Gestern habe ich mit meiner Christina geraten was an natürlichen Farben möglich wäre. Dein Beitrag hilft da natürlich weiter. Wir sind dank Sabine von http://andanotherpassion.com/ die wunderschöne Blau-Lila Farbtöne mit Blaukraut erzielt hat darauf gekommen. Wir übernehmen all diese Tips für nächstes Jahr. Ganz sicher werde ich auch von einigen „Farben“ verschiedene Konzentrate herstellen um damit die Farbtöne zu varieren. Frohe Ostern, Bernhard

    Antwort
    1. Landidylle Autor

      Freut mich. Und die verlinkte Seite sieht interessant aus, die blauen Eier mit den verschiedenen Schattierungen sind eine Wucht. Ich hatte vor ein paar tagen eine tolle Rezeptidee mit Rotkohl aber es scheint keinen mehr zu geben um diese Zeit (obwohl Ostern ja recht früh im Jahr ist jetzt). Mal sehen ob es nächstes jahr passt mit dem Angebot. Danke auf jeden Fall für den Hinweis, den werde ich auch versuchen umzusetzen.
      Liebe Grüße und einen schönen Rest-Ostermontag, Oli

      Antwort
  2. eifgental

    Frische rote Bete färbt zwar intensiver, aber nicht unbedingt schöner – ich kriege da immer einen Grauton mit Stich ins mehr oder weniger Rötliche. In diesem Jahr sahen die so gefärbten Eier dann derart wie naturbelassene braune Eier aus, dass ich sie ein zweites Mal mit Holunderbeersaft gefärbt habe, was dann ein wunderschönes intensives Rotviolett ergeben hat. Wie ich bei deinem Färbebild sehen kann, hätte ich das aber auch ohne die Erstfärbung mit Roter Bete erreicht!
    Guten Erfolg habe ich immer mit Zwiebelschalen, das gibt (je nach Menge, ich mess ja leider nie was ab…) einen satten Farbton zwischen Goldgelb und Kupfer. Kann man ja das ganze Jahr über sammeln.
    Grün habe ich in diesem Jahr mit frischem Spinat gemacht (gekauftem! eigenen hatte ich noch keinen) – normalerweise nehme ich Brennnesseln, aber da Ostern dieses Jahr so früh war, sind selbst die Brennnesseln noch klitzeklein. Jetzt komme ich natürlich ins Überlegen, ob unsere rote Melde nicht auch noch einen Rotton ins Spiel bringen würde… aber wahrscheinlich ist’s am Ende dann doch eher bräunlich. Vielleicht trockne ich dieses Jahr mal ein paar Handvoll? Normalerweise blanchier ich sie halt auch zum Einfrieren, aber dabei geht ja so viel Farbe flöten…
    „Lustigerweise“ färbe ich nicht mal unbedingt aus fester Überzeugung mit „Naturfarben“ (auch in der Natur gibt es ja fiese Gifte, von denen man die Finger lassen sollte…), sondern eher aus Spaß an der Freud. Aber ich denke, auch das ist als Motivation zulässig. 😉
    Frohe Ostern!

    Antwort
  3. Landidylle Autor

    Ich bin bislang immer zu faul gewesen, Zwiebelschalen zu sammeln obwohl ich weiss, dass sie für vieles zum Färben prima sind. Mal ändern.
    Gibst Du zur roten Bete auch Essig? Kann man das rot damit vielleicht klarer hinbekommen?
    Ich finde Deine Motivation durchaus zulässig 😉 und möchte weder natürliche noch synthetische Gifte im Übermass konsumieren. Leider glaube ich, dass sich in unserer Umwelt und in unseren Körpern soviel Mist angesammelt hat, der über natürliche Kreisläufe erstmal nicht abgebaut wird, dass es für mich Zeit ist wirklich etwas zu ändern.
    Ich denke halt auch immer mehr, dass es wirklich oftmals nicht nötig ist, Industrie, Transportwege & Abfallentsorgung zu bemühen, wenn man es auch althergebracht & selbst & natürlich machen kann. 🙂
    Wünsche ebenfalls frohe Ostern gehabt zu haben (mit den tollen Hasen und feinmotorisch!! gebastelten Eiern)

    Antwort
    1. eifgental

      Die Zwiebelschalen sammel ich auch erst brav, seit ich mal ein größeres Färbeprojekt vorhatte (das ich immer noch nicht umgesetzt habe, lalala… aber immerhin habe ich jetzt immer genug Zwiebelschalen für die Ostereier!). Inzwischen habe ich einen Beutel dafür in der Zwiebelkiste, da denke ich automatisch ans Aufheben. Dafür vergesse ich für gewöhnlich das meiste Andere, was ich mir so zum Sammeln vornehme – dunkle Stockrosenblüten z.B., damit soll man himmelblau färben können, aber denkste, ich denk da im Sommer dran? 😉
      Und ja, Essig habe ich ohnehin in der Färbeküpe – er soll ja auch die Eierschale aufnahmefähiger machen.
      Ich denke, du hast absolut Recht, dass man sich (wo immer möglich) vor unnötigen Giften schützen sollte, gerade weil man anderen ja kaum entkommen kann. Ich hab bloß manchmal den Eindruck, dass ich ein schlechtes Gewissen haben müsste, weil ich Sachen eben nicht aus solchen tiefgreifenden Überlegungen mache, sondern einfach bloß, „weil ich kann“ (oder wissen will, ob ich kann). Deshalb dieses Verteidigungsgerede! 🙂
      Doch, wir hatten ein sehr schönes Osterfest, auch wenn wir beim Spaziergang von sintflutartigem Regen (inklusive Regenbogen danach) fast ertränkt wurden 😉
      Liebe Grüße!

      Antwort
      1. Landidylle Autor

        Tjaja, das kenne ich wohl gut. Ich habe in meinem Kopf gigantische Listen, was ich alles sammeln, pflanzen, verarbeiten, testen will und in meinen schlaflosen Nächten weiss ich das auch alles noch (und mache mir Vorwürfe nicht zur rechten Zeit daran zu denken).
        ABER: mit jedem bisschen wird man besser und ich bin ja überzeugt davon, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist. Das heisst: wenn man mit Babyschritten anfängt und irgendwas im Alltag etabliert, wird es zum Trott, zur Selbstverständlichkeit und man kann den nächsten Schritt angehen. Und was das schlechte Gewissen angeht: ich finde, man soll sich das Leben nicht zu schwer machen aber schon bewusst sein, dass jeder einzelne etwas für die Umwelt tun kann und man nicht alles kaufen muss.
        Das ist auch ein starkes Motiv finde ich. 🙂
        Die Sintflut hatten wir hier auch. Ganz plötzlich. Sturmböen, Gewitter und Sintflut, zum Glück für mich ist der Mann unerschrocken zum Frühbeettunnel geschwommen und hat ihn errettet. 🙂
        Liebe Grüße

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