Grüne Tomaten und die Frage nach der Verwertung

Grüne unreife Wildtomaten

Wild UND grün, argh!

Seit Jahren wollte ich mich einmal etwas intensiver mit der Recherche über Giftigkeit von grünen Tomaten beschäftigen, denn immerhin stellt sich bei unserem Klima fast jährlich die Frage, ob man grüne Tomaten rechtzeitig vor der Braunfäule oder dem Frost abernten soll oder auf den grösseren Teil der Ernte verzichten will – nun habe ich kürzlich damit begonnen und bin einer seltsamen Sache auf der Spur.
Eigentlich gibt es 2 Dinge, die ich merkwürdig finde und zwischen beiden liegt jeweils der große Teich:

  1. Zum einen sind die Empfehlungen, ob man grüne Tomaten essen sollte ungefähr diametral entgegengesetzt, je nachdem, ob man sich im deutschsprachigen Raum Europas oder den USA informiert.
  2. Zum anderen sind die Angaben darüber, welcher (schwach) giftige Stoff eigentlich wirklich in grünen Tomaten vorhanden ist ganz unterschiedlich und widersprüchlich.

Hier zunächst die deutschsprachige/europäische Variante über grüne Tomaten:

Nachtschattengewächse wie Tomaten und Kartoffeln enthalten das schwach giftige Solanin, welches geruchlos und wasserunlöslich ist. In austreibenen, verletzten und grünen Kartoffeln sowie unreifen grünen Tomaten ist der Gehalt am höchsten, je reifer die Tomate wird, desto geringer ist der Solaningehalt.
Alte Sorten von Tomaten und vor allem Kartoffeln hatten oftmals einen sehr viel höheren Solaningehalt als die modernen, ausserdem wurden manchen Angaben zufolge früher – vor allem in Notzeiten – öfter Kartoffeln mit grünen Stellen, bereits austreibende Kartoffeln und Früchte in anderen Zuständen, die den Giftgehalt erhöhen, konsumiert. So kam es regelmässig zu Vergiftungen und dann und wann zu Todesfällen.
Erste Vergiftungssymptome wie Benommenheit und Atemprobleme treten laut Wikipedia beim Erwachsenen ab einer Aufnahme von 200 mg auf. Danach folgen Übelkeit und Erbrechen weil der Körper das Gift ausscheiden will, Kratzen und Brennen im Hals, Herzrhythmusstörungen und jede Menge wirklich unangenehme und auch gefährliche Dinge. Ab einer Zufuhr von 400mg ist die tödliche Dosis erreicht.
Bei der milchsauren Vergärung soll sich der Solaningehalt angeblich um 1/3 reduzieren während das Erhitzen keinen Einfluß hat.[1]
Unreife Tomaten haben … einen Gehalt von 9 bis 32 mg/100 g. [2]

Zwar müsste man, um die Dosis von 200mg zu erreichen immerhin fast 3 Kilogramm roher, ungeschälter Kartoffeln einer modernen Sorte (oder u.U. sehr viel weniger einer alten Sorte) essen, aber mit unreifen, grünen Tomaten sei der Schwellenwert leicht erreicht.
[…] sollten kleine, grüne, unreife Tomaten aufgrund des Gesamtalkaloidgehalts von 32 bis 141 mg/kg vermieden werden. [3]
Andere Quellen [4], andere Studien, andere Richtwerte: ab 2mg Solanin/Kg Körpergewicht treten Symptome auf, ab 3mg/kg Körpergewicht kann es tödlich werden.

Konfitüre aus grünen Tomaten
Im Gegensatz dazu Quellen aus den USA und der englischsprachigen Wikipedia:

Dem Solaningehalt der Tomate ist in der englischsprachigen Wikipedia nur ein kurzer, knapper Absatz gewidmet. Tenor ist, dass einige Quellen zwar behaupten würden, dass Tomaten Solanin enthalten, andere widersprächen dem. Tomaten enthielten Tomatin, das sei zwar auch giftig, aber es befände sich nur in den Stängeln und den Blättern und diene (ebensowie wie das Solanin in Kartoffeln) der Schädlingsabwehr und sei der Grund, warum Tomaten beispielsweise nicht von Schnecken gefressen werden.
Tomatin sei aber auch ein tolles Medikament gegen Arteriosklerose, es senke den Cholesterinspiegel und verbessere das Immunsystem, hemme sogar die Ausbreitung von Metastasen bei Krebs.

Es wird zwar herausgestellt, dass die Wirkungen und Nebenwirkungen in Tierversuchen denen des Solanins ähnlich sind oder entsprechen, von einer Giftigkeit für den Menschen könne jedoch nicht ausgegangen werden. Es gäbe keinerlei Studien zur Giftigkeit von Tomatin für Menschen, die Daten stammten alle aus Tierversuchen, in denen man insgesamt feststellte, dass die orale Aufnahme von Tomatin ungiftig sei. Ausserdem sei es ja üblich, eingelegte grüne Tomaten und fried green tomatoes zu verzehren sowie Varietäten mit sehr hohem Tomatingehalt (500-5000 mg/kg Trockengewicht).

Seltsam – oder ich habe grundlegend etwas missverstanden während meiner nächtlichen Recherchen.

Ich bin kein Chemiker oder Pharmazeut und kann mir mit meinen rudimentären Kenntnissen kein Urteil erlauben; dass Tomatin nur in den Blättern und Stängeln aber nicht in den Früchten vorhanden ist muss ich so glauben oder nicht – aber ich kann beobachten. Und zwar wachsen in meinem neu angelegten Beet direkt am Hühnerhaus wilde Tomaten und zumindest ein Huhn frisst das Laub. Mit Hingabe. In der Größenordnung 1/4 Handvoll auf einmal. Eine Wildtomate ist halb entlaubt. Ich habe also einen natürlichen Tierversuch zu bieten, kann mich zwar nicht entsinnen, welches Huhn es war (eines von den dunklen, das ist sicher), aber tot umgefallen ist in letzter Zeit auch keines. Wie intakt die Instinkte des gemeinen Haushuhns noch sind, weiß ich auch nicht. Immerhin sind sie seit ewigen Generationen auf Hochleistung getrimmt und dabei kann ja schonmal die ein oder andere lebenswichtige Einstellung verloren gehen.

Einen Menschenversuch hat dankenswerterweise Harold McGee mit sich selbst gemacht und berichtet davon in der NYTimes. Er hat sich informiert, versucht belastbare Studien, Aussagen, irgendetwas zu finden aber es ist ihm auch nicht gelungen. Zumindest nicht auf wissenschaftlichem Standard.
Tierversuche wiederum wurden in Israel (meine Autokorrektur schlägt Irreal vor …) gemacht, Vieh wurde für 42 Tage mit Tomatenlaub gefüttert und zeigte keine Krankheitssymptome.

Ausserdem befragte er Dr. Mendel Friedman vom Federal Department of Agriculture zu dem angeblichen chemischen Fauxpas, der Tomate die toxischen Attribute des Solanin zuzuschreiben. Friedman, der 2 Jahrzehnte lang Alkaloide in Kartoffeln und Tomaten untersucht hat antwortete, dass zumindest kommerziell angebaute Tomaten Tomatin enthalten und Solanin ein Kartoffel-Alkaloid wäre.

Im Jahr 2000 veröffentlichten Friedman und Kollegen eine Studie in der sie festgestellt hatten, dass Versuchstiere, die Tomatin oral aufnehmen (egal ob per Tomate oder extrahiert) dieses an besagtes Cholesterin gekoppelt nahezu vollständig wieder ausscheiden, wodurch eben der Cholesterinspiegel im Blut sinkt.

Dem Standardwerk Toxic Plants of North America zufolge müsse ein Erwachsener zumindest ein Pfund Tomatenlaub essen, um eine toxische Dosis zu erwischen.

Daraufhin entschied sich McGee, das Laub der Tomaten in der Küche zu verwenden. Paul Bertolli, ein kalifornischer Koch verwendet das Tomatengrün seit 1987, schrieb darüber in seinem Buch ‚Cooking by Hand‚ und sagt, dass es das spezielle, nach frisch gepflückten Tomaten schmeckende Aroma gibt. Gut vorstellbar.

Es gibt allerdings interessanterweise keine Tradition dafür, Tomatenlaub in der Küche zu verwenden, auch nicht dort, wo sie herkommen. Kann man mal drüber nachdenken.

Grüne Tomaten

Soll man grüne Tomaten nun essen oder lieber nicht? Fazit?

Meiner Meinung nach sollte sich ein jeder überlegen, welche Quellen er für glaubwürdiger erachtet und dann nach gesundem Menschenverstand entscheiden. McGee mag zwischen den Zeilen etwas überheblich über Europa sprechen, aber auch ein Schotte, dessen genetisches Material seit einigen wenigen Generationen in der neuen Tomatenwelt unterwegs ist, wird im wesentlichen das gleiche Ausgangsmaterial haben wie viele, viele andere Konsumenten von grünen Tomaten auch. Abgesehen davon können Millionen Southerners nicht irren, nicht wahr?

Während es also weitreichende Traditionen für die Verarbeitung von grünen Tomaten gibt und man das alleine schon als Indiz werten kann, würde ich es eher nicht empfehlen, tatsächlich so weit zu gehen und das Laub zu essen (wobei das Aroma von just gepflückten, gartenfrischen Tomaten verlockend ist).

Ich für mich entscheide, dass blassgrüne Tomaten auf dem Weg zur Reife OK sind, quietschgrüne nicht, denke, dass man amerikanischen Forschern zugestehen muss, dass sie auf dem Tomatenkontinent leben und würde dann jetzt gerne noch kurz zum Thema Verarbeitung kommen.

Was machen mit grünen Tomaten?

  • Nachreifen auf der Fensterbank oder einzeln in Zeitungspapier eingepackt in einer dunklen Schublade.
  • Marmelade!
  • Chutney
  • Vergären/fermentieren oder einlegen
  • Fried green tomatoes

Übrigens wird sogar in ‚good old europe‘ Marmelade aus grünen Tomaten verkauft* – passend zur pharmazeutischen Ausgangsfrage zu Apothekenpreisen übrigens – und ich gebe ehrlich zu, dass ich sie im Menschenversuch sogar am eigenen Nachwuchs getestet habe. An mir selbst natürlich auch und wir waren beide sehr angetan von dem ganz leicht herben, fruchtigen Aroma. Aber gut, der Nachwuchs hat gestern auch ein Glas Senf zu Abend gegessen, ob man solche Leute als Maßstab nehmen sollte?

Marmelade aus grünen Tomaten

Alternativen zu unreifen grünen Tomaten

Wie kraut_ruebe im entsprechenden Thread im Selbstversorgerforum [1] bemerkte, gibt es sowohl grüne, als auch fast weiße Zuchtformen, die ein herberes Aroma als die süßlichen roten, orangenen, braunen und gelben Tomaten haben. Auch haben diese eine festere Konsistenz und erinnern daher eher an die nicht ganz reifen, grünen Tomaten.
Wer also das umgekehrte Problem hat und gerne die Rezepte für grüne Tomaten testen möchte, ohne unreife grüne Tomaten zu benutzen, kann es mit den grünen Zuchtformen probieren.

 

Was macht ihr mit grünen Tomaten? Nachreifen lassen? Etwas daraus zubereiten? Und vertragt ihr sie oder habt ihr schonmal einige von den beschriebenen Symptomen bei euch beobachtet?
Ich gebe zu, dass die Warnung aus deutschsprachigen Kreisen mir ein etwas mulmiges Gefühl bereitet, aber wie gesagt: Millionen Südstaatler können so falsch nicht liegen.


*Ungeklärt bleibt die Frage, ob die französischen Konfitürenhersteller unreife grüne Tomaten oder grüne Sorten benutzt haben. Es bleibt schwierig …

Unbedingt empfehlenswert finde ich den Film ‚Grüne Tomaten‚, für mich ist er eine schöne Jugenderinnerung, ich freue mich heute noch diebisch, wenn eine Situation oder Person an Idgie erinnert und es gab sogar Gelegenheiten wo ich wie Evelyn auf dem Parkplatz dachte.
Die folgende Kritik beschreibt den Film ganz passabel:
Wenige Filme vermögen den Betrachter zu bewegen, ohne ihn in den Abgrund der Sentimentalität zu stürzen. Grüne Tomaten ist eine reine Freude. Wer es satt hat, sich von künstlichen Leiden und Leidenschaften […] exaltieren zu lassen, wird in Jon Avnets Film etwas finden, das heute bestenfalls als altmodisch gilt – eine gänzlich undogmatische Anstiftung zur Menschlichkeit.

[1] http://www.selbstvers.org/forum/viewtopic.php?f=22&t=215&hilit=grüne+tomaten
[2] http://www.kuechengarten.de/Gruene.html
[3] Macholz, Lewerenz: Lebensmitteltoxikologie, Springer-Verlag, 2013 via Wikipedia
[4] Executive Summary of Chaconine & Solanine – http://ntp-server.niehs.nih.gov/index.cfm?objectid=6F5E930D-F1F6-975E-7037ACA48ABB25F4

29 Gedanken zu „Grüne Tomaten und die Frage nach der Verwertung

  1. Doris

    Es gibt ein Buch “ Grüne Tomaten “ . Kein Kochbuch sondern ein Roman , hintendran sind einige Rezepte , darunter grüne Tomaten die gebraten werden. Die Rezepte sind angeblich aus den 30er .

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Das ist dann das Buch zum Film oder andersrum, den ich erwähnt habe. Ich gebe zu, dass ich in diesem Fall das Buch nicht gelesen habe – bislang – vielleicht sollte ich das mal nachholen.

      Antwort
  2. Doris

    Mir war doch so als hätte ich in meinem alten Kochbuch von Elisabeth Schuler ein Rezept gesehen. Jo.
    Süßsaure grüne Tomaten. Kleine grüne Tomaten, 500gr. , aber nicht kleiner als eine Walnuß nimmt man. Mit einem Hölzchen durchstechen + In Wasser weich kochen , abschütten und mit verdünnten Weinessig übergießen + Über Nacht stehen lassen + Den Saft abgießen und den Zucker darin läuter (also im SAft ) Zucker 125gr. Die Gewürze ,Zitronenschale, Orangeat , 1 Stange Zimt, 1 Stückchen Ingwer, Pfefferkörner zugeben und kurze Zeit mitkochen + Die Früchte herausnehmen und den Saft noch dickkochen + Die Tomaten in Steintöpfe füllen + Den dickgekochten Saft mit den Gewürzen darübergeben + Nach dem erkalten werden die Töpfe zugebunden und kalt aufbewahrt .
    Tja, wieder so eine altmodischeVorgehensweise. So macht man das heute nicht mehr.

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Danke, sehr interessant mal wieder.
      Das ist eine wahre Gewürzbombe, wahrscheinlich nehmen Pilzsporen und andere Übeltäter bei der geballten Ladung Wirkstoffe freiwillig Reißaus. ich weiss nicht, ob es mir schmecken würde, aber die Vorgehensweise würde ich gerne mal testen. Einfach um zu sehen, wie und ob es funktioniert. Gewachste Tücher müssten zum Zubinden gut gehen.

      Antwort
      1. Doris

        Zum zubinden müsste doch die Folie gehen die man früher für Marmelade immer genommen hat. Die Folie kann man auch heute noch bekommen.
        Interessant finde ich bei dem Rezept das Orangeat.

      2. Oli@Landidylle Autor

        Das fiel mir auch auf. Ich finde Orangeat und Zitronat an sich furchtbar, aber ich will diesen Winter mal welches selber machen und gucken, ob uns das besser gefällt.
        Die Folie habe ich neulich gerade wieder im Supermarkt gesehen, ja. Ist vermutlich aus Zellulose das Zeug, wie heisst das noch? Diese Knisterfolie die man früher hatte, oder?

      3. Doris

        Einmachfolie heißt die und ist aus Zellglas. Pass auf, es gibt auch zugeschnittene.
        Die Gebrauchsanleitung ist auf der Packung. Ich habe welche die 99 Cent gekostet haben.

  3. eifgental

    Letztes Jahr habe ich auch überlegt bzw. rechercheirt, was ich am Besten mit den zwangsläufig unreif geernteten Tomaten mache und bin letztlich auf die gleichen Warnungen und Entwarnungen gestoßen wie du.
    Wenn es sich um einzelne unreife Tomaten handelt, versuche ich, sie nachreifen zu lassen. Entweder, das klappt, oder die Grünlinge werden dabei braun und faulig. Wenn es sich aber um größere Mengen handelt, halte ich das für sinnlos. Deshalb habe ich letztes Jahr Marmelade draus gemacht. Fried green tomatoes würde ich aber auch irgendwann mal ausprobieren, schon allein, weil ich den Film auch sehr mag. (Auch wenn da natürlich nicht alles zur Nachahmung empfohlen ist, ahem…) Ich gehe mal davon aus, dass wir es hier wieder mal mit einer typisch deutschen Hysterie zu tun haben. Auch wenn ich natürlich aus versicherungstechnischen Gründen niemand anderem dazu raten würde, meiner Einschätzung zu folgen. 😉

    Ich reagiere tatsächlich gelegentlich mit Kratzen im Hals und Jucken im Mund auf Tomaten – „ganz normale“, reife, rohe. Aber nicht immer und nicht auf alle. Bisher hab ich dafür meine leichte Neigung zu Heuschnupfen verantwortlich gemacht. Denn manchmal reagiere ich auch „kratzig“ auf Äpfel, was ja eine bekannte Kreuzallergie ist, und das fühlt sich dann genauso an.
    Die grüne Marmelade habe ich dagegen – bis hierhin? – problemlos vertragen. *schulternzuck*

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Das ist interessant, danke für den Erfahrungsbericht. Ich habe zwar keine bekannten Allergien, aber meine Tochter bekommt von Tomaten mitunter eine feuerrote Maske um den Mund. ich bin mir nicht sicher, ob das schon verdächtig auf die Allergie ist oder ob es einfach der Säure geschuldet ist. Ich bin halt ein dunkler Typ und denen wird ja nachgesagt, dass sie weniger anfällig für Allergien sind und meine Tochter ist Gringo. Ich behalte das mal im Auge.
      Fried green tomatoes als Beilage zu einem entspannten Barbecue in authentischer Atmosphäre kann man ja immer noch mal machen wenn die Situation es erfordert. (Ein diabolisches Grinsen schmückt mein Gesicht) Alleine die potentielle Gästeliste für den Verzehr des Bratens auszuhecken, dürfte einem in der nächsten passenden Situation eine sadistische Befriedigung bereiten. 😀

      Zurück zum Thema: wenn ich grössere Mengen nachreifen lasse, werden mir meist sehr viele schlecht, ja. Könnte das Prinzip von dem einen schlechten Apfel im Korb sein, der alle ansteckt.
      Demnächst gibt’s also erstmal Tomatenmarmelade mit Distanzierungserklärung.

      Antwort
  4. gartenstreifzug

    Sehr gut recherchierter Bericht!
    Meine unreifen Tomaten lass ich nachreifen.
    Ich denk schon, dass das Solanin nicht unbedingt der Gesundheit förderlich ist. Denn nur weil es immer schon so gemacht wurde, dass unreife Tomaten verwertet wurden, ist nicht unbedingt ein guter Ratgeber.
    Aber meist ißt man von unreifen Tomaten keine Unmengen und es wird aus diesem Grund nicht zwingend zu Vergiftungserscheinungen kommen. Ich wär halt bei Kindern vorsichtig.
    Erst seit etwa 100 Jahren ißt der Deutsche überhaupt Tomaten, vorher waren sie verschrien als suspekte Frucht und wer sie damals im Garten kultivierte war nicht ganz geheuer …, wie sich die Zeiten ändern!
    Liebe Grüße Arlene

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Ja, wie sich die Zeiten ändern!
      Europäische Ernährung ohne Kartoffeln, Mais, Bohnen, Tomaten und all‘ das gute ’neue‘ Zeug ist nur mehr schwer vorstellbar. Ich werde mal eine Marmelade aus hellgrünen (also auf dem Wege der Reife sich befindlichen) Tomaten machen und testen. Bei meinen Vorerkrankungen müsste ich die erste sein, die tot umfällt – wie du schon sagst: man verwendet es ja eh sparsam und nicht zum sattessen.
      Und vielen Dank für deine Anerkennung!

      Liebe Grüße, Oli

      Antwort
  5. Alex

    Tja, als der, der nix anbaut, aber schon ein paar Mal fried green tomatoes gemacht hat, kannst du dir vorstellen, was ich machen würde. Übrigens würde ich sie nicht zum BBQ servieren, weil sie ein Gericht sind, das zuerst eine Pfanne und dann einen Herd braucht. Also lieber zu einem schönen Huhn oder einem Chicken fried Steak und einer Baked Potato 🙂
    Oder zu fried Catfish.
    Super Beitrag und Recherche übrigens!
    LG Alex

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Danke Alex, zu Huhn könnte ich mir die auch gut vorstellen. Vielleicht auch ein wenig frischen Zuckermais dazu. Der bissig-ironische Hinweis auf das entspannte BBQ war ja nur dem Film geschuldet, … schön entspannt Menschenfleisch mit grünen Tomaten servieren. Du kennst ihn?

      LG Oli

      Antwort
      1. Alex

        Ja, aber es ist schon so lange her, daß ich ihn fast wieder vergessen habe. Ich kann mich nur noch an geschlagene und geschundene Frauen erinnern, die sich verbünden, um den Männern nicht ausgeliefert zu sein. Ach ja, Kathy Bates, die spätere Oscar-Preisträgerin hat auch mitgespielt. Das Tomatenrezept kannte ich schon vorher aus dem
        Joy of Cooking (aber ich wiederhole mich).
        LG Alex

      2. Oli@Landidylle Autor

        Irre interessant! Bei mir sind in erster Linie ein gewisses Lebensgefühl, starke (oder erstarkte) Frauen und süße Rache hängengeblieben. 🙂
        Vermutlich habe ich das andere verdrängt, aber jetzt wo du es sagst …

        Mja, vermutlich wird das ‚Joy of cooking‘ noch den Weg zu mir finden. Wie (falls) würdest du die Panade würzen?

        LG Oli

  6. mirembeveronika

    Wir (Also ich inzwischen und meine Mutter schon viel länger) lassen grüne Tomaten nachreifen. Auch größere Mengen in einer flachen Apfelkiste im Keller. Das geht meist relativ gut, einige werden nicht rot oder verschimmeln ach mal, aber die meisten schaffens. Meistens gibts dann im späten Herbst daraus nochmal Tomatensoße, da die Tomaten oft für den direkt Verzehr etwas schrumpellig sind. Aber frische, eigenen Tomatensoße kurz vorm Winter ist was herrliches und dafür lohnt sich das aufheben auf jeden Fall. Daher bin ich bsiher noch nie drauf gekommen die Tomaten grün zu verarbeiten.

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Ich glaube, ich hatte mit dem Nachreifen bislang soviel Pech, weil ich die grünen Tomaten abnehme, wenn die Pflanze erste Anzeichen von Braunfäule zeigt und die Krankheit dann vielleicht schon mitunter unsichtbar in den Früchten ist.
      Meistens wird es eine braune, matschige Angelegenheit. Einige werden schön und rot, aber viele faulen auf’s ekligste weg.

      Antwort
  7. Alex

    Erinnerung ist ein flüchtiges Gut. Ich hab in beiden Joy of Cooking Büchern nachgeschaut, um dir das Rezept einfach zu übermitteln, aber da war keines. Ich war irritiert, weil ich damals fast ausschließlich das Joy benutzt habe, wenn es um amerikanische Rezepte ging. Zur Sicherheit hab ich noch im The New York Times Cook Book nachgeschaut, ein ebenso dicker Wälzer (auch kein Rezept) und schließlich im Culinary Arts Institute Encyclopedia Cookbook. Da gab es eines, aber eine Schlüsselzutat fehlte. Danach ging ich auf diverse Südstaaten Seiten.
    Der Konsens ist: Tomaten werden etwa 13 mm dick geschnitten, mehliert, in verquirltem Ei gewendet und mit Maisgriess paniert. Dieser Griess ist schwierig zu ersetzen. Auf Englisch heißt er Corn Meal, kommt traditionell von Quaker Oats aus Pennsylvania (Riesenmühle) und ist ziemlich grob. Er ist nicht mit Polenta oder Maismehl zu vergleichen. Vielleicht kennst du eine gute Mühle, oder es gibt es vielleicht in einem gut sortierten türkischen Lebensmittelgeschäft. Das Corn Meal wird übrigens gerne für Corn Bread benutzt, eine sehr beliebte Brotart, die oft bei großen traditionellen Gerichten angeboten wird.
    In das Mehl kommt eine gute Prise Salz und mehr als eine Prise Pfeffer, ansonsten werden sie nicht gewürzt. Dann werden sie in einem halben cm Öl (kein Olivenöl) angebraten. Während dieses Vorgangs wird die Panade relativ hart. Es gibt eine Buttermilch-Ranchsauce auf Mayonnaisebasis, die dazu gereicht.wird. Der Hauptreiz dieser Tomaten ist der Kontrast zwischen der harten Schale und dem weichen Inneren, komplettiert von der „tangy“ (rassigen) Sauce.
    Es klingt ganz OK, macht aber dann doch nicht so viel her.
    Ich würde, wenn du mich fragst, Thymian und Petersilie frisch hineingeben, die Panade dünner machen und sie schlanker in einem Butter-Öl Gemisch anbraten. Wichtig ist, daß sie schnell verzehrt werden, denn sie weichen schnell auf.
    Wenn ich jetzt nur wüßte, aus welchem Buch ich das Rezept hatte…
    LG Alex

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Vielen, vielen Dank für die Recherche und das Rezept Alex! Das ist ja spannend, dass der Klassiker in den genannten Büchern nicht erwähnt wird.
      Maisgrieß hatte ich früher in Gebrauch, allerdings habe ich die abrasiven Eigenschaften in der ‚Schönheitspflege‘ benutzt. Ähem 😀 Fakt ist, ich habe es irgendwo bekommen und jetzt kommt das flüchtige Gut meiner Erinnerungen zum Tragen …
      Ich halte die Augen offen und zermartere mein Hirn.
      LG Oli

      Antwort
  8. Doris

    In dem Buch von ESSEN &TRINKEN sind auch 2 Rezepte für grüne Tomaten.
    Grüne Tomaten mit Sellerie, Wird eingekocht
    Grüne Tomaten süßsauer. Wird eingekocht.
    Hier steht auch das die Tomaten größer als eine Walnuss sein müssen.

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Süßsauer kann ich mir sogar noch vorstellen, mit Sellerie eher nicht. Ich wüsste gerne, warum die grösser sein sollen als eine Walnuß – vom althergebrachten europäischen Denken müssten sie ‚giftiger‘ sein, je unreifer sie sind und wenn man von normalgrossen Tomaten ausgeht, haben sie bei der Größe einer Walnuß wahrscheinlich den angenommenen zu vertretenden Wert. Besser wäre es allerdings, die würden ihre Hintergedanken dazuschreiben. Je mehr ich darüber nachdenke, umso seltsamer finde ich es, dass man auf der andere Seite des Atlantiks von KEINER Giftigkeit ausgeht und hier direkt mit tödlichen Dosen hantiert, die wirklich schnell erreicht sind/wären.

      Antwort
  9. Doris

    Mir lässt sowas keine Ruhe und habe noch in meinem alten antiken Kochbuch nachgesehen. Da sind auch 2 Rezepte für grüne Tomaten drin. Hast du nicht auch alte Bücher ?
    Einmal habe ich ich grüne Tomaten in Essig ( mild )
    Dann noch Grüne Tomaten in Essig ( Scharf) . Bei beiden steht das die Tomaten ausgewachsen sein müssen, aber nicht mehr rot werden können.

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      In Essig und milchsauer vergoren habe ich sie auch irgendwo gesehen. Gerade denke ich, Ketchup aus grünen Tomaten könnte auch ganz interessant sein. ich habe kürzlich einen leckeren Ketchup gemacht und in grün ist der vielleicht noch gut.

      Antwort
  10. federfluesterin

    Im Iran werden schon immer grüne Tomaten als „Torschi“ mit Salzlake oder mit Essig und Kräutern eingelegt und mit Genuss gegessen. Meines Wissens sind keine Todesfälle bekannt. 😉

    Antwort
  11. Denise

    Genau wegen dem Film haben wir mal vor 20 Jahren (also meine mama) ganz mutig „Fried Green tomatoes“ selber gemacht und waren begeistert! Super Film und echt leckerer Snack. Chutney macht eine Bekannte öfter und beschenkt uns, das ist auch spitze. Was Du mit Deiner Tochter beschrieben hast, kenn ich übrigens auch: mein älterer Sohn und ich sind eher dunkle Typen und haben nie Probleme beim Essen von Tomaten. Mein Kleiner ist dagegen voll hell und obwohl er Tomaten liebt, kriegt er auch rote Pünktchen um den Mund und es Jucken ihm schnell die Hände vom Saft der rohen Tomaten…

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Interessant, dass du die Reaktion auf Tomaten auch so mit der Pigmentierung koppeln kannst. Ich werde das im Sommer noch mal genauer beobachten wenn wir wieder Wildtomaten haben. Ich meine, dass meine Kleine darauf nicht reagiert.
      Hach, spannend diese Menschenversuche. 😉

      Antwort

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