Aronia-Cassis Likör: Gesunde Beeren für den Winter bewahrt und veredelt

Aronia oder Schwarze Apfelbeere (Aronia melanocarpa) gilt seit einigen Jahren als Superfood, die Beeren enthalten massig Antioxidantien, färben wie verrückt, sind sauer-herb was sie zu guten Partnern für süsseres Obst macht, sie sind bei Vögeln beliebt, die Sträucher haben eine sensationelle rote Herbstfärbung und sind robust und schnellwüchsig. Nur roh schmecken sie den wenigsten.
Zusammen mit schwarzen Johannisbeeren, gutem Alkohol und etwas Zucker ergeben sie einen wunderbaren Likör, in dem die Fülle des Sommers und viele gesunde Stoffe für kalte Wintertage konserviert werden.

Aronia-Busch bei meinem Nachbarn in Tschechien (August 2010)

Ich habe meinen ersten Aronia-Strauch hier im landidyllischen Garten 2015 gepflanzt und er ist 2018 übermannshoch und ebenso breit gewesen und übervoll mit Früchten.
Zuvor aber, als ich noch in Tschechien weilte, war eine noch gigantischere Apfelbeere meine Gartennachbarin (siehe Foto oben). Eines habe ich auch retrospektiv beim Betrachten der alten Fotos festgestellt: dort auf dem Berg, mitten in den Wäldern Ost-Tschechiens, da gab es schon sehr vieles von dem, was ich erst durch intensivere Beschäftigung mit Gärtnerei, mehrjährigen Nutzpflanzen und Permakultur kennenlernte. Berberitzen, essbare Ölweide in über 5m Höhe und stattlichem Alter, Aronia, Mahonie, ein Erdgewächshaus mit schwarzen Wassertonnen als Wärmespeicher, einer geweisselten Rückwand zur Reflektion der Sonnenstrahlen mit Weinreben davor und ein Feigenbaum daneben im Gewächshaus. Einen Erdkeller, ein Kompostklo, Streuobstwiesen mit Hochstämmen in verschiedenen Arten und Sorten, Bienentrachtpflanzen und vieles mehr.

Im Falle der Aronia ist es so, dass die Pflanzen aus den USA nach Russland kamen, der Wert dort erkannt wurde und sie die Reise über den Balkan nach Mitteleuropa antraten. Tschechien ist lange vor Österreich und Deutschland wichtiges Anbauland gewesen. Und: „Aufgrund des hohen Flavonoid-, Folsäure-, Pro- Vitamin-A-, Vitamin-B2-, Vitamin-K- und Vitamin-C-Gehalts zählt(e) die Aronia in Polen und Russland zu den Heilpflanzen.“ „Die Kerne enthalten Amygdalin. Der Frischverzehr kleinerer Mengen ist aber durchaus unbedenklich.“
„Arzneiliche Anwendungen sind bisher aus Russland bekannt, wo die Apfelbeere in der Volksheilkunde gegen zu hohen Blutdruck, Magenschleimhautentzündungen, Harnwegsinfektionen oder Arterienverkalkung eingesetzt wird.“

Aus Wikipedia: Apfelbeeren und schwarze Apfelbeere

2018 also hatte ich eine fette Ernte von dem Aronia-Busch und unsere vielen, vielen Beerensträucher etwas gewöhnlicherer Art waren ebenfalls schwer beladen. So schwer, dass so mancher Ast unter dem Gewicht der Früchte brach.
Aus einem Nachlass haben wir ausserdem noch eine Anzahl hochwertiger Spirituosen – unter anderem eine schlichte Flasche mit einfachstem Etikett, welches sagte: ‚Schönborner Zwetschge‘.
Die kurze Verkostung brachte Klarheit darüber, dass es sich hierbei um einen wirklich reinen, exzellenten Tropfen handeln musste, der keine Schärfe hat.
Passt.

Ich benutzte ihn zum Ansetzen eines Aronia-Cassis-Likörs.

Zutaten für besten Aronia-Cassis-Likör

  • 3/4l gewaschene und verlesene schwarze Johannisbeeren
  • 1/4l gewaschene und verlesene Aroniabeeren
  • 150-200g braunen Zucker (nach 4 Wochen)
  • etwa 1l Zwetschgenbrand, ich würde deutlich mehr als 40% empfehlen oder die Obstmenge auf insgesamt höchstens 500g reduzieren
  • Alternativ Monopolsprit und später entsprechend verdünnen

In ein hohes Glas mit Bügelverschluss und Volumen von mindestens 1l 3/4l schwarze Johannisbeeren geben und 1/4l Aronia-Beeren. Mit dem Zwetschgenbrand auffüllen, sodass die Beeren mit Alkohol bedeckt sind.

Ich habe die Beeren nur etwas angestoßen, der Alkohol löst mit der Zeit die Aromen und Farbstoffe auch so heraus und wir bekommen weniger Gerbstoffe in den Ansatz, wenn wir nicht so stark pressen.
Dem angesetzten Likör nach etwa 4 Wochen den Zucker zugeben, die ersten 2 Monate am Licht bei Zimmertemperatur ziehen lassen und weitere 2 Monate im dunklen, etwas kühler. Dann abfiltrieren und abgefüllen.
Zucker löst sich in Alkohol nicht so gut wie in Saft oder Wasser, wenn man also Monpolsprit benutzt, biete es sich an, den Zucker im zugesetzten Wasser aufzulösen.

Es gibt verschiedene Ansichten darüber, ob es dem Aroma zuträglich ist, wenn der Ansatz lange steht oder nur kurz, warm oder kalt. Ich bin Novize und habe keine vergleichenden Studien gemacht. Tatsache ist aber wohl, dass ein möglichst reiner und hochprozentiger Alkohol die Aromen besser herauslöst und sich entfalten lässt.
Dieser Likör ist ein Hausmacherprodukt und hat eine gewisse Trübung, die mich nicht stört. Will man diese aber vermeiden, müsste man der Fruchtmaische Enzyme zusetzen, die das Pektin zersetzen. Ich benutze prinzipiell keine Pektinase (Antigel), es ist sicherlich nicht schlimm im Sinne von schädlich das zu tun, aber letztlich entscheide ich mich wo es geht für die low tech-Selbstversorgervariante. Auch weil der Sprit schon gekauft ist weil man hierzulande nicht einfach so moonshinen brennen kann wie man möchte.

Eine Bitte an die Schwarmintelligenz: weiß jemand von euch etwas über besagte ‚Schönborner Zwetschge‘?
Eine kurze Recherche im Internet ergab, dass es in Bad Schönborn einen Obst-Gen-Garten gibt: „Im Areal des Obst-Gen-Gartens Bad Schönborn stehen rund 230 Apfel-, Birnen-, Kirschen-, Zwetschgen-, Pflaumenbäume und andere Obstarten. Es werden alte Streuobstsorten, darunter viele Lokal- und Regionalsorten aus dem südwestdeutschen Raum gezeigt.“
Vielleicht haben Früchte aus diesem interessanten Garten etwas mit meinem Schnaps zu tun?

In jedem Fall ist die Mischung Aronia und Cassis eine sehr gute. Ich habe den Likör verschiedenen Kennern zum Verkosten gereicht und die Rückmeldung war durchweg positiv.

Ich bin überzeugt, dass ich diesen Likör nun regelmässig herstellen werde. Zur Not auch ohne die Schönborner Zwetschge.

 

 

8 Gedanken zu „Aronia-Cassis Likör: Gesunde Beeren für den Winter bewahrt und veredelt

  1. andersistauchgut

    Deine Schönborner Zwetschge scheint etwas ähnliches zu sein, wie der Rhön Diesel. Letzteren hat mein Vater früher immer von der Försterfrau mitgebracht, wenn er dort zur Jagd gewesen ist. Diese hat den Diesel, wir viele andere auch, selbst gebrannt. Und genutzt wurde das Obst, welches gerade greifbar und reichlich vorhanden war. Zwetschge, Mirabelle, Birne…. Waren alles tolle Schnäpse, welche spätestens nach dem 2. Glas sehr gut geschmeckt haben und selten einen dicken Kopf verursachten. 😉
    Liebe Grüße!
    Gabi

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Also Gabi, „Diesel“ klingt ja furchtbar! 🙂 🙂
      So als wären die Leute kurz davor, Brennspiritus oder Rasierwasser zu trinken.

      Ich glaube mittlerweile auch, dass mein Zwetschgenschnaps aus einer Heimbrennerei kam, da können ja durchaus edle Sachen bei rauskommen denke ich.
      Wer weiss, vielleicht hole ich mir auch eines Tages eine Lizenz. Interessant ist das allemal.

      Liebe Grüße zurück,
      Oli

      Antwort
      1. andersistauchgut

        Oh, der Diesel war ein ganz edles Zeug. Und der aus Mirabellen war richtig weich. Halt nur das erste Glas war immer etwas heftig. Ich habe keine Ahnung, wie viel Umdrehungen der hatte 😀
        Braucht man für den Eigenbedarf echt eine Lizenz???

      2. Oli@Landidylle Autor

        Ich glaube sofort, dass das ein edler Tropfen war, deswegen klingt „Diesel“ ja so ein wenig herabwürdigend.

        Soweit ich informiert (also ohne Gewähr) wurde ganz aktuell das Gesetz gekippt, dass man eine bestimmte Menge frei brennen darf. Ich bekomme den Newsletter eines Brennereibedarfs weil ich da manchmal Gärzubehör für meine Weine kaufe und da wurde das vor einiger Zeit thematisiert.

        Übrigens ist dein Kommentar der 4000ste hier sehe ich gerade aus dem Augenwinkel. Glückwunsch und danke ❤

      3. andersistauchgut

        Bitte gern geschehen! 😀 😉 ❤
        Dass man nicht mal etwas für sich selber brennen darf, finde ich aber echt bescheiden. Allerdings glaube ich nicht, dass sich da jeder dran hält 😉
        Allerdings, mir ist das eh zu kompliziert. Likör herstellen reicht mir völlig! 🙂

      4. Oli@Landidylle Autor

        Ich habe gerade mal nachgesehen, ob ich eine vernünftige Übersichtsseite mit den rechtlichen Infos finde, aber hatte keinen rechten Erfolg. Irgendwo auf destillatio.eu gibt es die …
        So spontan habe ich nur dies:“Der private Besitz einer Destille über 0,5 Liter Brennkessel ist in Deutschland verboten“
        und dies: „Wenn Sie Alkohol destillieren möchten benötigen Sie ein Brennrecht von der Alkoholverwaltung. Ein Brennrecht können Sie erben oder kaufen. Neue Brennrechte werden nur selten ausgestellt, aber wenn Sie ein Grundsrück mit eigenen Obstbäumen besitzen, dann haben Sie gute Chancen. Versuchen Sie es doch einfach einmal …“
        https://www.destillatio.eu/willkommen-bei-destillatio/gewerbliches-destillieren/

  2. miteigenenhaenden

    Sach ehrlich, du hattest ne super Ernte und wusstest nicht mehr wohin damit! 🙂
    Danke für deinen Tip der Veredlung!
    Bad Schönborn ist 15 km von mir entfernt, zu den Zwetschge weiß ich allerdings nicht mehr als du.
    Liebe Grüße, Sibylle von miteigenenhaenden.wordpress.com

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Ja, ich hatte ’ne super Ernte und hab die sogar im Schnaps versenkt vor lauter Überfluß. 🙂 🙂

      Das werde ich definitiv wieder machen, vielleicht sogar mit hochgeschraubtem Aronia-Anteil.
      So prinzipiell finde ich es übrigens gar nicht schlimm, einen Teil seiner Ernte der Natur zu überlassen.
      Liebe Grüße zurück,
      Oli

      Antwort

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