Willkommen Februar, willkommen Licht

Es ist erstaunlich: obwohl die Zeit für viele Menschen gefühlt gerade so schnell vergeht wie noch nie, zieht sich der Januar doch vergleichsweise in die Länge. Liegt es daran, dass der Januar vor allem auch finanziell gesehen ein langer Monat ist, in dem sich viele Rechnungen häufen oder vielleicht daran, dass zwei lange Monate aufeinander folgen? Oder haben wir langsam die Dunkelheit und den Winter satt und jeder düstere Tag kommt uns vor wie einer, der nicht vergehen will?
Ich weiss es nicht, aber gewiss ist: wir haben den langen Januar hinter uns gebracht und können nun jeden Tag merklich mehr das Licht willkommen heißen!

Im Selbstversorger-Haushalt merkt man die zunehmende Tageslänge nicht nur daran, dass der strukturierte Tagesablauf morgens früher beleuchtet wird und abends länger, sondern vor allem auch an der Legeleistung der Hühner und Enten.
Pünktlich zu Anfang Februar setzt die Eierschwemme ein und sorgt für eine Fülle von Eiergerichte auf dem Speiseplan, vor allem, wenn die Hühner die Kälte trockenen Fusses verleben können. Nasse Füße bekommen ihnen unserer Erfahrung nach gar nicht und die Legeleistung nimmt ab.
Es beginnt nun also die Zeit der Eierspeisen; Pfannkuchen mit Apfelmus in verschiedenen Geschmacksrichtungen, Rührei mit Paprika und Bärlauch aus dem Tiefkühlschrank und etwas Käse, die letzten Kartoffeln mit Spinat und Ei, Senfeier … die Varianten sind vielfältig, der Appetit nach der eierarmen dunklen Zeit groß und zum Glück haben unsere Vorfahren uns für die kommende fleischlose und eierreiche Zeit eine Vielzahl von Rezepten hinterlassen, auf die wir nun zurückgreifen können. Wir hier im landidyllischen Haushalt freuen uns schon auf Omelettes mit grünem Spargel und frischem Bärlauch!

Der Januar stand bei uns im Zeichen der Eingewöhnung der Tochter in den neuen Kindergarten und dem Finden des neuen Rhythmus, der damit einhergeht. Auch wenn ich theoretisch wusste, auf was ich mich einlasse, das Kind jeden Tag in die Stadt zu fahren und wenige Stunden später von dort wieder abzuholen, so ist es in der gelebten Praxis doch noch etwas anderes. Es bleibt einfach kaum etwas übrig vom Tage.
Herausfordernd wird es vermutlich insbesondere dann, wenn die Gartensaison gestartet ist, ich fast 3 Stunden mit holen und bringen beschäftigt bin und noch die Bedürfnisse des Babies befriedigen möchte.
Die Eingewöhnung zumindest verlief super, schon am zweiten Tag wollte die Große alleine in die Gruppe gehen und bis zum Schluß bleiben, mittlerweile denke ich, dass sie ihren Platz im neuen Kreis schon gut gefunden hat.

Der Baby-Sohn ist natürlich etwas der Leidtragende bei der Sache, aber er ist ein Sonnenschein, der immer gut gelaunt ist und sich prächtig entwickelt. Er krabbelt, brabbelt, macht seine Kniebeugen, knutscht, benennt Mama und Papa und schafft es mit eindringlichen Fingerzeigen und verschiedenen Grunz- und Schreilauten, auf seine Wünsche und Bedürfnisse hinzuweisen. Seine umfangreichen Mahlzeiten nimmt er nun im Tripp-Trapp sitzend am Tisch mit uns ein.
Ein Bild mit Elfe und Einhorn, was die große Schwester über den ‚Wickeltisch‘ gehängt hat, ringt ihm mehrmals täglich begeisterte Jauchzer ab. Die Große beschäftigt sich gerade ausgiebig mit Zahlen und ich stelle fest, dass sämtliche bei Reisen übrig gebliebenen ausländischen Münzen, die ich ein Leben lang als Spielgeld für eventuelle spätere Kinder gesammelt habe, ihren Zweck voll erfüllen. Münzen in verschiedenen Formen, Größen und Farben sind mindestens so magisch wie Knopfdosen. Als Kind kann man beim Schauen, Tasten, Riechen, Fühlen der unterschiedlichen Beschaffenheit die Zeit verlieren, ging mir früher auch so. DAS waren Zeiten!

Die wenige Zeit, die beim neuen Ablauf bleibt, versuche ich noch bewusster für die Kinder und mich zu gestalten. Und natürlich den Gatten mit ins Boot zu holen, der im Januar der alten Arbeitswut verfallen ist aber die quality time mit der Familie, die wir uns letzten Sommer erarbeitet hatten, doch ein wenig vermisst. Ja, auch wir müssen uns immer wieder bewusst auf unsere Werte und Ziele besinnen und mehr oder weniger forsch gegenseitig darauf aufmerksam machen, wenn wir allzu weit vom Weg abkommen. Wer hätte das gedacht?
Einige gemeinsame Spaziergänge durch gefrostete Landschaften waren dennoch drin. Das Baby darf die Abläufe hier auf dem Hof von Anfang an hautnah miterleben und beobachtet aus seinem Buggy heraus jeden Morgen, wie ich die Tiere versorge und die üblichen Verrichtungen erledige.

Auf der Baustelle im Haus ging es im Januar auch weiter; im zukünftigen Wohnzimmer sind die Wände nun tatsächlich komplett verputzt (wovon ich leider kein Foto habe) und im Schlafzimmer steht nun ein Schornstein, an den per Wanddurchführung in der Küche ein Holzherd angeschlossen wird und vor Ort im Schlafzimmer der vorhandene Specksteinofen. Der alte VA-Schornstein wandert dann ins Wohnzimmer und Stückchen für Stückchen für Stückchen kommen wir der Wunschvorstellung näher. Der Vollständigkeit halber weise ich nochmals darauf hin, dass das Leben auf einer Baustelle einem irgendwann mal zum Hals raushängt. Wenn zum dreizehnten Mal Wanddurchbrüche, Deckendurchbrüche oder Kernbohrungen im laufenden Betrieb gemacht wurden, wenn der Heimwerker die Decke in einer Frequenz durchbohrt, wie ein wildgewordener Moskito im schwülen Sommer die Knöchel (für Heizungsrohre einer Heizung, die nie gebaut wird ….), wenn der Tischler zum Einbau einer Zarge die halbe Wand wegflext ohne ein Staubzelt zu bauen – wenn man also wieder feinen Staub ÜBERALL im Haus verteilt hat, den man nach einem halben Jahr hochfrequenten Putzen noch nicht beseitigt hat, dann ist es mal wieder soweit und man möchte die Wände hochgehen. Ich zumindest.

Ansonsten habe ich die wenigen kurzen Zeitfenster im Januar dazu genutzt, schnell das ein oder andere Gebräu in der Hexenküche zusammen zu panschen, abzufüllen und zu verkosten: Natürliches Antibiotikum, Schlehenfeuer, Aronia-Likör, „Norddeutschen Sonnenaufgang im Glas“, Balsamico, Shakes mit Milchkefir, Mischungen mit Wasserkefir und wer weiss, was noch.

Und ich war mit den Kindern am Meer. Ursprünglich wollte ich das neue Jahr am frühen Neujahrstag bei einem Picknick mit der Familie dort begrüßen, aber eisiger Nieselregen im falschen Winkel schreckte uns ab.

So tankten wir also zu einem späteren Zeitpunkt Wintersonne und liessen uns von einem kalten aber herrlich frischen Wind durchpusten. Die Nähe zum Wasser ist etwas, was ich anderswo schnell vermisse; auch wenn man als Einheimischer diese Nähe vielleicht gar nicht so oft nutzt, das Gefühl sich jederzeit schnell eine Auszeit mit Blick auf das weite Meer nehmen zu können alleine, gibt schon frische Kraft, „Peace of Mind“ und einen Hauch von Freiheit.

Im Garten hatten wir Besuch von Nachbars Schafen. Und in Punkto Schafe könnte es demnächst auch erfreuliche Neuigkeiten geben.

Und die Gartensaison hat begonnen! Zwar noch im Haus auf Wärmematten, aber immerhin. Die wenigen Wochen ohne Erde unter den Fingernägeln sind hiermit offiziell beendet.

11 Gedanken zu „Willkommen Februar, willkommen Licht

  1. Alex

    Wieder sehr schöne Eindrücke von eurem Hof, Oli 🙂
    Auch schön, dass die Tochter eine reibungslose Eingliederung hatte. Die Eier sind toll. Ich liebe auch alle Eiergerichte und versuche sie häufig zu geniessen. Allerdings meist zum Frühstück und am Wochenende. Die Enten mit der roten Maske erinnerten mich an „Cleo“, einer Ente dieser Art, die wir „Caesar“, einem Stockentenerpel, den meine Mutter und meine Schwester auf dem Gockelfest als Hauptpreis gewonnen hatten, nach ein paar Monaten als Konkubine gekauft hatten. Sie waren viele (fast 10 Jahre) ein Paar und hatten etliche Gelege? (Ich weiss nicht das richtige Wort). Als Cleo das erste Mal Eier legte waren im Nest 40 Eier, von denen 39 schlüpften. Ein Wahnsinn, aber viel Leben in der Bude! Irgendwo hab ich gelesen, dass der Februar 2 Stunden mehr Helligkeit beschert, und hier unten, wo es schon eine Weile ordentlich kalt und verschneit ist, freue ich mich darauf.
    Und auf Deinen nächsten Bericht 🙂
    LG Alex

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Cleo und Caesar müssen sich sehr wohl gefühlt haben, wenn sie regelmässig üppigen Nachwuchs hatten 🙂 Ich hoffe dieses Jahr auch wieder auf Küken, die letzten paar Jahre wurde das nichts. Im Stall war zuviel Unruhe und draussen durften die Enten sich nach der üblen Marderattacke 2014 (?) keinen Nistplatz mehr suchen.
      Sonnabend wird hier im Stall Platz geschaffen und die verbleibenden Enten bekommen dann höher gelegene Nistplätze. Hoffentlich funktioniert das. Es ist so ein schönes Bild, wenn Küken durch den Garten ziehen. 🙂 Hat was von heiler Welt und guten alten Zeiten, genau wie Gockelfest.
      LG Oli

      Antwort
  2. screamingcoloursblog

    Bei euch ist auch einiges geboten! Wahnsinn! Hübsch Schafis sind das. Das sind Coburger Fuchs-Schafe, oder?
    Du bist schon am Pflanzen vorziehen? Wahnsinn. Schade, dass ich noch keinen Platz im Haus hab. Das ändert sich dann hoffentlich ab kommendem Jahr, wenn wir in unserem Eigenheim sind. 🙂 Ich wünsche dir einen schönen Februar! Lg, Steffi

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Ich glaube schon, dass das Coburger Füchse sind oder Mischungen daraus, ich habe gerade gehört, dass es davon eh noch mehr gibt hier in der Gegend. Diese sind aber wie gesagt ungebeten vom Nachbarn rübergekommen. Ich allerdings habe Ouessants ‚bestellt‘ bzw. mich angeboten die Lämmer zu nehmen, wenn die Kindergarten-Schafe trächtig werden. 🙂
      Ja, Paprika, Auberginen und sowas wollen gerne schon im Januar vorgezogen werden. Kunstlicht und Wärmematte vorausgesetzt klappt das auch ganz gut und so bleibt noch etwas Zeit nochmal neu auszusäen, wenn etwas nicht aufgeht oder kränkelt (ist bei mir bei Paprika leider ein Thema).
      Ich wünsche einen guten Baufortschritt. LG Oli

      Antwort
      1. screamingcoloursblog

        Oh mit Ouessants liebäugeln wir auch. Die sind einfach süß! Das Vorziehen im Haus hat bei mir immer nur schlecht geklappt. Zu wenig Platz und zu dunkel. Daher kann ich noch nur im Gewächshaus ab März anbauen. Das ändert sich hoffentlich ab dem nächsten Jahr. 😊 Ich hoffe, deine Paprika wachsen dieses Jahr gut. 😉

      2. Oli@Landidylle Autor

        Und schön handlich sind die auch, lassen sich leichter mal irgendwie transportieren und händeln und für Kinder ist es auch nicht so erschreckend. Die Fremdschafe hier waren ECHT fett und groß!
        Wenn meine Paprika erstmal ein bestimmtes Stadium erreicht haben, werden sie toll und tragen wie verrückt. Das ist irre. 🙂
        Ich muss mal wieder bei dir stöbern gehen, euer Bau interessiert mich eh. War da nicht irgendwas mit Außenbereich?

      3. screamingcoloursblog

        Ja genau das handliche lieben wir auch an den Ouessants. Wir sind uns aber noch nicht ganz sicher, ob wir uns wirklich Schafe zulegen. Wir sind zeitlich doch recht eingespannt und sind uns nicht sicher, ob wir den Tieren so gerecht werden könnten. Im Außenbereich ist leider noch nicht sooo viel passiert. Momentan gehts nur innen im Haus voran. 😊

      4. Oli@Landidylle Autor

        Ach so, nee, ich meinte bauen im Außenbereich. Mir war so, als hätte ich das bei dir gelesen, dass da nur ein paar Bäume als Ausgleich gepflanzt werden mussten? Falls ja: TRAUMHAFT, das genehmigt zu bekommen.

      5. screamingcoloursblog

        Ja auf jeden Fall. Daher sind wir auch super happy. Klar, du kannst dich gerne bei mir melden. Ich kann dir halt nur sagen, wie es bei uns war. Das muss nicht überall so klappen. 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.