Rettich-Sirup als Hustensaft. Ein Versuch mit langem, weißen Sommer-Rettich.

Hustensirup aus Neckerruhm weiß Tempus fugit irreparabile wie wir alle wissen und zumindest in meinem Leben wird es immer schlimmer. Es ist nun also schon wieder eine ganze Weile her, dass wir hier auf Landidylle.com über Hustensirup aus Sommerrettich gesprochen haben. Ich habe mich zwischenzeitlich als Versuchskaninchen geopfert – dazu eigne ich mich mit meinen ständigen Infekten nämlich hervorragend – und will nun endlich berichten. Altbekannt ist Rettichsirup aus rundem, schwarzen Winterrettich als antibakterielles Hustenmittel. Das gleiche gilt für Zwiebelsirup. Man kann beides mit Zucker, respektive Kandis ansetzen oder mit Honig und natürlich lassen sich Zwiebeln und Rettich auch mischen, ich würde allerdings – wie meistens – empfehlen, eine Droge zur Zeit anzumischen und zu testen.

Runder, schwarzer Winterrettich soll eine stärkere Wirkung haben als langer, weisser Sommerrettich, das kann man zumindest auf den populärwissenschaftlichen Seiten und solchen, die es sein wollen permanent lesen. Auf Prof. Blumes Bildungsserver ist man zu anderen Erkenntnissen gekommen und sagt: ‚Früher nahm man weißen Rettich …‘

Schwarzer Rettich prägt vermutlich die Assoziation mit Hustensirup weil er zeitig zur winterlichen Erkältungswelle reif ist und im Winter als Lagergemüse zur Verfügung steht. Abgesehen davon ist runder, schwarzer Winterrettich als Hustensirup ohnehin schmackhafter als als Rohkost – finde ich. Zumindest habe ich sonst noch keine wirklich leckere Verwendung für ihn gefunden, aber ihn als Medizin anzubauen ist ja auch schon was.

In jedem Fall wirken Rettiche antioxidativ, sie enthalten Senfölglykoside, Bitterstoffe sowie Raphanol, die namensgebende, schwefelhaltige Verbindung. Sie alle lösen Schleim und wirken antibakteriell.

Hustensaft aus weißem Rettich

Bei meiner ersten Recherche fand ich eine japanische Studie über die traditionelle Verwendung von langem, weissen Rettich (in dem Fall milden Daikon mit Honig angesetzt) als Erkältungsmedizin, die zuverlässige Wirkung wurde bewiesen. Leider finde ich die Webseite nicht wieder und mir fehlt für nochmalige tiefgreifende Recherchen die Zeit.  Auf englischsprachigen Seiten findet man allerdings reichlich Hinweise darauf, dass die weissen, langen asiatischen Varietäten für ihren medizinischen Nutzen bekannt sind.
Da ich ohnehin keinen Rettich der Daikon-Varietät anbaue, sondern den Sommerrettich ‚Neckarruhm‘, im Frühjahr den ‚Ostergruß‘ und zum Winter hin den ‚Runden, schwarzen Winterrettich‘ hätten diese Informationen ohnehin wenig praktischen Nutzen. Wer sich trotzdem über die vielfältigen gesundheitlichen Vorteile von Daikon-Rettich informieren möchte, findet hier einen kompakten und leichten Einstieg.

Einige Informationen, die für Daikon gelten, können auch für die Nutzung unserer Varietäten nicht verkehrt sein; beispielsweise wird überall davon abgeraten, den Rettich zu schälen, in der Schale sollen sich Enzyme befinden, die maßgeblich für den gesundheitlichen Nutzen verantwortlich sind. Auch das Entsaften des kompletten Rettichs kommt in Frage.

Langer Rede, kurzer Sinn: Ich habe meinen ‚Neckarruhm‘ geraspelt und mit feinem Kandis angesetzt. Der Rettich fängt sehr bald an, viel Wasser zu ziehen und wenn ich mich recht entsinne und die 500ml-Sahneflasche oben im Bild als Anhaltspunkt nehme, müsste der gesamte Rettich an die 300ml Hustensirup ergeben haben. Man lässt die Rettichraspel mit Kandis über Nacht oder mindestens 8-10 Stunden abgedeckt und kühl stehen und seiht dann in eine luftdicht zu verschliessende Flasche ab, die man im Kühlschrank lagert.
Es wird empfohlen bis zu stündlich einen Teelöffel des Sirups einzunehmen. Ich habe das Zeug im Esslöffelbereich eingenommen.
Ich würde den fertigen Sirup nicht länger als 4 Tage nutzen sondern bei Bedarf neu ansetzen oder doch mal einen Heilkundigen aufsuchen.

Der Sirup schmeckt sehr gut, wird auch von Kindern gerne genommen und ist nachgewiesen wirksam. Ich kann auf jahrzehntelange Erfahrungen mit wirklich häufigen Erkältungen und Bronchitiden zurückblicken und kenne demnach auch viele natürliche wie auch synthetische Medikamente aus eigener Anwendung.

Und wirklich: für mich funktioniert Rettichsirup als hustenstillender Saft perfekt. Codein hat mir nicht mehr Linderung gebracht* und die Vorteile des Sirups liegen klar auf der Hand: Frau muss sich keine Gedanken machen, den Sirup während Schwangerschaft und Stillzeit zu benutzen, ich habe bislang von wenigen schwer Rettichsirup-Abhängigen gehört und da man die Medizin im eigenen Garten anbauen und in der eigenen Hexenküche zusammenbrauen kann (nicht, dass man das bei Opiaten nicht theoretisch könnte, aber ihr wisst schon …), entfällt der Punkt Beschaffungskriminalität auch üblicherweise. 😉

*Die Wirksamkeit von Codein ist individuell sehr unterschiedlich und meine Erfahrung lässt demnach keine Rückschlüsse auf Erfolge bei anderen Personen zu. Die Verstoffwechselung von Codein zu Morphin ist ebenfalls ziemlich unberechenbar und ganz generell ist der obige Absatz als lustige kleine Auflockerung gedacht und selbst wenn ich dürfte, habe ich kein Interesse daran, hier in diesem Setting belastbare medizinische Beratung zu geben und so weiter und so fort. Disclaimer, Haftungsausschluß und nervöses Zappeln bei der Übernahme von Verantwortung. 

Langer, weißer Sommerrettich als Hustensirup

Nicht empfehlen kann ich das Aufkochen des Sirups beziehungsweise des ausgelaugten geriebenen Rettichs. Geschmack und Geruch sind dann unschön und die Wirkung kam mir auch geringer vor.

 

3 Gedanken zu „Rettich-Sirup als Hustensaft. Ein Versuch mit langem, weißen Sommer-Rettich.

  1. Doris

    Das mit dem Rettich als Hustensaft kenne ich. In einem Buch über Heilkräuter habe ich ein Rezept für sofort machen, allerdings ist das eben das Problem. , der Rettich braucht eine Zeit bis er Saft zieht. Ein Vorrat davon ist besser.
    Die letzten Jahre hatte ich allerdings keine Erkältung , wie lange mag sich der Saft halten ?

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Weiss nicht. Hängt wohl davon ab, wieviel Zucker man verwendet. Bei der Verwendung von Honig muss es an sich Met werden, das passiert ja zwangsläufig wenn man Honig verdünnt. Es sei denn, die Inhaltsstoffe sind so radikal, dass sie auch die Hefepilze wegputzen. 🙂
      Ich bin bei sowas immer etwas vorsichtig aus Angst vor Clostridien und Co. – nur WENN man dann flachliegt, schafft man es auch schlecht Rettich zu organisieren und das Zeug anzusetzen (es sei denn er wächst gerade im Garten)

      Antwort

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