Hopfensprossen überbacken mit Pecorino

IMG_9483

Hopfensprossen sind laut Waltraud Witteler (Kochen mit Wildkräutern und Wildpflanzen) eines der teuersten Gemüse hierzulande. Sie haben eine kurze Saison (März/April) und sind durch ihre Widerhaken, an denen man sich ernstlich wehtun kann, schwer zu ernten. Andererseits wuchert Hopfen enorm, wenn man ihn wild im Garten hat. Besonders gerne rankt er sich an Bäumen und Büschen hoch, die entlang – wie könnte es anders sein – von Bächen, Flüssen und in Auwäldern stehen. Ich weiss nicht, wie viele Eimer voll Hopfen ich alleine im vergangenen Jahr an die Kaninchen verfüttert habe, nun war es Zeit, diese Wildpflanze selber zu testen.
Denn wenn man als armer Selbstversorger schon einmal im Luxus schwelgen kann, dann sollte man das auch tun.
Hopfenspargel

Hopfen in der Küche

Hopfensprossen und auch Hopfenspargel sollen so früh wie möglich im Jahr geerntet werden wenn sie noch ganz zart sind. Dieses Jahr ist die Natur hier 2-3 Wochen zurück und somit habe ich es gewagt Anfang Mai zu ernten. Geerntet werden die unterirdischen Triebe und Wurzeln, oder oberirdisch wenn sie noch sehr hell sind und gerade aus der Erde kommen um sie wie Spargel zuzubereiten oder später die Triebspitzen als Gemüse. Wenn man mit den Fingern eine ‚Sollbruchstelle‘ erwischt, kann man leicht die zarten Teile ausfindig machen und ernten.
Hopfentrieb
Auch dann bietet es sich an, nur die zartesten Spitzen zu nehmen, die dickeren Stängel sind zäh,  die Widerhaken sind stärker ausgebildet und die Pflanze ist bitterer. Wir sind wohl nun langsam in dem Alter, wo man den bitteren Geschmack zu schätzen weiss oder wir brauchen nun die Bitterstoffe mehr als früher – zumindest schätzen wir auch sonst alte Gemüsesorten, aus denen die Bitterstoffe nicht vollständig herausgezüchtet sind.
Ich habe die obersten Triebspitzen des Hopfens blanchiert und zum Garnieren (und natürlich Essen) benutzt. Die Blätter und leider auch einige dickere Stängel habe ich mit Zwiebeln in Olivenöl angebraten, in feuerfeste Förmchen gefüllt und mit einer etwa 0,5 cm starken Schicht aus fein geriebenem Pecorino bedeckt. Bei 200°C wurde das Wildgemüse dann im Ofen gebacken, bis der Käse sich gut verbunden hat. Kurz etwas abkühlen lassen, auf den Teller stürzen und das Luxusgemüse geniessen. Ich denke, insbesondere die Hopfenblätter werde ich versuchen, öfter in der Küche zu benutzen.
Hopfengemüse

Hopfen im Garten

Im Garten ist Hopfen ein sehr genügsamer und schneller Kletterer. Wer zügig einen Sichtschutz für den Sommer haben möchte, den man auch noch essen (oder aus dem man später Kaninchenspeck herstellen) kann, ist mit Hopfen gut bedient.

Bei uns wächst der Hopfen wild und breitet sich mächtig aus. Es gibt neben dem wilden Hopfen natürlich auch Kulturhopfen, bei diesem hängen die Eigenschaften vom Verwendungszweck ab (Bierhopfen z.B.). Wie bereits erwähnt begrünt Hopfen unansehnliche Stellen in Windeseile, macht allerdings natürlich auch vor umliegenden Bäumen nicht halt, das führt dann zu mächtigen, überhängenden Gebilden, deren kahles Gerüst im Winter besonders knorrig aussieht. Zusammen mit dem Knick aus Weißdorn und dem Brombeer-Dickicht bildet der Hopfen eine fast undurchdringliche Mauer aus Pflanzen, Stacheln, Dornen, Widerhaken rings um das Grundstück.
hopfen
An unseren Holzpollern aus Baustahlmatten zum Lagern von Brennholz ist der wilde Hopfen natürlich besonders gerne gesehen, denn Holzlager dieser Art sind zwar günstig und schnell aufgebaut, aber nicht besonders ästhetisch.
hopfen_holzpoller

18 Gedanken zu „Hopfensprossen überbacken mit Pecorino

  1. Hang

    Sehr toll geschrieben, liebe Oli! Hopfen habe ich schon mal gesehen, aber nicht gewusst dass man essen kann. Danke für die Infos, Oli. Schöne Pfingsten wünsche ich Dir 🙂 Liebe Grüße – Hang

    Antwort
  2. Doris

    Vor 2 oder 3 Wochen habe ich von unterwegs ein paar Hopfentriebe mitgenommen und zusammen mit anderem Gemüse gekocht . Mein Fall sind die Triebe nicht . Leider.
    Vielleicht kann ich dieses Jahr wieder Hopfenlikör aus den Zapfen machen. Schmeckt wie süßes Bier , aber irgendwie nicht schlecht.

    Antwort
    1. Landidylle Autor

      Hm, ich bin ja kein grosser Freund von starkem Alkohol, bin aber eigentlich neugierig, was man sonst noch so anstellen kann damit. Sonst habe ich mir die Dolden als beruhigende Herbstdekoration ins Schlafzimmer gelegt.

      Antwort
      1. Doris

        Ich denke eher an die Kalorientierchen die im Alkohol drin sind 😉 . Andere Rezepte müßte man wohl suchen und finden können.

      2. Landidylle Autor

        🙂
        Denke auch, da wird sich noch was leckeres finden. Ich habe schon überlegt, ob man die Blätter ähnlich wie Weinblätter gefüllt zum Einlegen und Braten benutzen kann.

      3. Landidylle Autor

        Mh das klingt schon mal gut, ich schätze man kann Hopfen richtig gut in die Alltagsküche integrieren wenn man den Geschmack mag. Ich hoffe, es wird mir zur Gewohnheit.

  3. ichkoche- Jacktels Rohkost

    Hi Oli, Du lebst aber dekadent :-)))) solch seltene delikatessen.Sehr feine Sache. LG Jacob

    Antwort
    1. Landidylle Autor

      Nicht wahr? Viele Sachen werden bei den Menschen erst dadurch gut, dass sie teuer verkauft werden. Wir hörten zum Frühstück gerade auf Deutschlandradio etwas über Hummer in Neuengland. Solange man sie in Massen ernten konnte, wenn man nur knietief ins Wasser ging, waren sie ein ausgesprochenes Arme-Leute-Essen. Die Welt ist seltsam und wir alle mit ihr. 🙂
      LG

      Antwort
  4. Sandra

    Hopfensprossen, echt interessant, die kannte ich bislang wieder mal gar nicht. Wieder mal was gelernt bei dir, vielen Dank! 🙂

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s