Lieblings-Kochbücher (von Oli)

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Als Regina mir vorschlug, unsere Lieblings-Kochbücher auf Landidylle zu veröffentlichen – unsere 3 liebsten, mit denen wir wirklich arbeiten – war meine erste Reaktion ‚Ja gerne, klasse Idee!‘.
In den folgenden Tagen versuchte ich also vermehrt bewusst darauf zu achten, welche Bücher ich in die Hand nehme. Und da wurde es schwierig. Natürlich ist derzeit Erntesaison und damit auch Einkochzeit, in dieser Zeit koche ich für die Familie meist schnelle und einfache Gerichte, denn die Konservierung der Ernte, die Versorgung des Gartens nehmen mehr Zeit in Anspruch und wenn das Wetter es zulässt, zieht es mich ohnehin die meiste verbleibende Zeit in den Garten, ich geniesse es viel zu sehr zu werkeln, errichten und die 1001 Baustelle zu eröffnen, als dass ich in der warmen Jahreszeit mehr als notwendig am Herd stehen mag.

Demnach nahm ich in diesen Tagen immer und immer wieder ‚Gartenfrische Vorräte durchs ganze Jahr‘ zur Hand, gelegentlich das Weck-Einkochbuch um Zusätze und Zeiten nachzuschlagen, ‚Die gute alte Zeit‘ und ‚Kochen mit Wildkräutern und Wildpflanzen‘, letzteres mehr zur Inspiration. Ab und an kommt mir etwas in den Kopf und ich schlage Lebensmittel, Quellen, Verweise oder Hintergrundinformationen in Sandor Katz‘ Fermentationsbibel nach, das ist zwar kein Kochbuch, aber ich arbeite damit.
Potential hat auch das kürzlich von Doris empfohlene Buch ‚Die gute ländliche Küche‘ von Sally Anne Scott weil darin auch Wildpflanzen sowie heimische Produkte praxisnah und hochwertig sowie oftmals aussergewöhnlich verarbeitet werden anstatt Trendsetter-Globetrotter-Superfood.

Allerdings bin ich mir dessen bewusst, dass dies eine Momentaufnahme der warmen Jahreszeit ist. Ich koche regional und saisonal und lebe im Rhythmus der Jahreszeiten. Spätestens im Herbst, wenn ich wieder opulenter koche, abends die Öfen laufen und die Hühner schon um 16 Uhr ins Bett gebracht wurden, werde ich mir ‚Das Winterkochbuch‘ schnappen und mich damit auf den Ohrensessel in der Küche zurückziehen. (Sollte jeder haben. Einen Ohrensessel in der Küche meine ich, nicht zwangsläufig das Buch). Trotzdem dieses Buch also irgendwie wichtig ist für mich und es in ein Ritual eingebunden ist, habe ich aus dem Winterkochbuch bislang auch nur 2-3 Gerichte wirklich nachgekocht. Ansonsten ist es eine nette Quelle für Inspirationen und schön anzusehen – ein Arbeitsbuch ist es nicht.

Das anfänglich so leicht klingende Vorhaben die 3 Lieblings-Kochbücher mit echtem Gebrauchswert vorzustellen, wurde also zunehmend schwieriger und bewog mich dazu, überhaupt darüber nachzudenken, wie ich koche. Viel Hausmannskost aus dem Effeff, angepasst an unseren Geschmack, ich koche improvisiert und experimentiere, ich koche natürlich mit dem, was da ist, was der Garten gerade hergibt, was wir angebaut haben, geschenkt bekommen, tauschen oder sammeln.

Ich benutze Kochbücher als Quelle der Inspiration. Je näher sie am echten Leben sind, umso mehr Post-its kleben darin, umso öfter nehme ich sie zur Hand. Ebenso fliessen aber offensichtlich Eindrücke aus Blogs, von Rezeptkarten, Online-Quellen, Unterhaltungen hier auf Landidylle und natürlich Gespräche aus dem echten Leben in meine Küche ein. Und nicht zuletzt hatte ich dem Gatten in einem Augenblick der geistigen Umnachtung Wunschkost versprochen, wenn er also nach Schmodder, Kohlpudding, Chilis satt oder Pizza mit fünffach Käse verlangt, ignoriere ich diese Bitten auch nicht immer.

Reginas Lieblings-Kochbücher könnten auch nach meinem Geschmack sein, ebenso wie viele wirklich alte, die auf Gebrauchswissen und wertvollen Erfahrungen basieren, die leider zu einem grossen Teil perdu gingen. Natürlich haben auch die jeweiligen Bestseller ihrer Zeit ihren Reiz, man findet sie vielbesprochen und hochgerühmt auf vielen Foodblogs. Interessanterweise habe ich nie darüber nachgedacht, ein solches Exemplar zu kaufen während ich ansonsten sehr impulsiv und häufig den Versandhausriesen für Bücher benutze. Ob die gegenwärtigen Bestseller der Kochgurus in einigen Jahren auch so abgegriffen aussehen wie Reginas Bücher und vor lauter Post-its doppelt so dick wurden so wie meine?

Eigentlich ein spannendes Thema, wie haltet ihr es mit Kochbüchern? Sammeln, lesen, zur Kenntnis nehmen und in den Bücherschrank stellen?
Einmal alles nachkochen, durcharbeiten und einiges davon ins eigene Standard-Repertoire aufnehmen?
Komplett ohne Kochbücher durchs Küchenleben gehen und stattdessen von eigener Eingebung oder woanders gemerkten Geschmäckern zehren?

14 Gedanken zu „Lieblings-Kochbücher (von Oli)

  1. natuerlichjesus

    Beim Lesen der Überschrift dachte ich schon „Wo fängt man da an?“

    Was Kochbücher angeht bevorzuge ich alte, klassische Bücher. Landküche. Wie auch immer man es nennen mag. Ansonsten nutze ich gerne meinem Hefter aus der Schule. In der 9. und 10. Klasse hatte ich Hauswirtschaftsunterricht. Rezepte wie „Becherkuchen“ werden gerne flott mal gemacht.
    Obwohl ich generell seeehr viele Bücher habe, hält es sich bei Kochbücher doch noch in Grenzen. Zwei Bücher finde ich wirklich klasse. Mein Klosterkochbuch mit Infos zu Klöstern und der Küche der jeweiligen Region. Und beim letzten Borkumurlaub bekamen wir ein Kochbuch geschenkt mit traditionellen Gerichten der Insel Borkum. Da auf der Insel einiges an die Niederlande erinnert (allein schon der Dialekt) schwelgten Oma und Mama in Erinnerungen von früher. Da bekam man dann direkt dazu erzählt in welcher Version wir das früher hier in unserer Ecke gekocht haben etc.

    Meine bessere Hälfte mag Bücher zum Thema Grillen, Trockenfleisch selber machen,..

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Das klingt sehr sympathisch (und auch vertraut). Die Gemeinsamkeiten unter Nachbarn sind oftmals immens viel grösser als die mit Leuten aus unterschiedlichen Ecken des eigenen Landes.
      Das Klosterkochbuch könnte auch etwas für mich sein, zumindest zum Schmökern und Horizont erweitern.

      Grillbücher finde ich ja irgendwie toll, das klingt immer alles lecker, sieht super aus und dann denke ich, dass ich wirklich dringend auch mal wieder viel mehr grillen sollte aber es passiert nicht. Naja, die Voraussetzungen sind sicher auch besser, wenn ich den Grill erst vernünftig aufgemauert habe und die Terrasse fertig ist. *hüstel*

      Antwort
  2. Alex

    Meine zwei am häufigsten benutzten Kochbücher sind das „Joy of Cooking“ zuerst 1931 herausgegeben, und dann der Larousse Gastronomique aus den 60er Jahren, als er endlich ins Englische übersetzt worden war. Das Joy of Cooking wurde immer dann aufgeschlagen, wenn ich etwas backen wollte und nicht genau wußte, wie. Meine Mutter las nach, wie wir Obst und Gemüse aus dem Garten einwecken konnten. Mein Vater las sich in die landestypischen Arten ein Tier zu zerteilen, ein.
    Den Larousse holten wir heraus, um zu sehen wie es in der „hohen Schule“ richtig gemacht wird, oder auch um herauszufinden, was „Parmentier“ oder ähnliches wirklich bedeutet.
    Darüber hinaus hab ich gerne Bücher von Siebeck, Marcella Hazan und auch Lea Linster gelesen und Rezepte nachgekocht. Auch der „Silberlöffel“ wird regelmäßig zu Rate gezogen.
    Aber die ersten beiden Bücher kannte ich schon, bevor ich 10 wurde.

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    1. Oli@Landidylle Autor

      ‚Joy of Cooking‘ ist glaube ich auch so ein richtiges Arbeitsbuch oder? Dabei sehr amerikanisch und man kann notfalls einen Einbrecher damit erschlagen, das sollte ich mir irgendwann mal zu Gemüte führen. Den Larousse habe ich sogar auf meiner Wunschliste – seit vielen Jahren. Allerdings denke ich nicht, dass ich ihn wirklich einmal kaufen werde. Ich bin ja eher eine Landfrau zwischen Gartenbeet und gut gefüllter Speisekammer.

      Ich finde es schön zu hören, welche Bücher dich begleitet haben Alex, du hast viel Erfahrung und beim Lesen deines Blogs denke ich manchmal, das läuft wie ein Uhrwerk – ‚Fat of the land‘. Jedesmal, nur immer etwas anders.

      LG Oli

      Antwort
      1. Alex

        Ja, das Joy ist ein Buch ohne Fotos, dafür mit ein paar Zeichnungen, die aber nicht dekorativ, sondern erläuternd sind. Ich hab sogar 2 Joys, das erste, ein Paperback ist stark zerfleddert und wurde von mir durch ein fest gebundens Buch ersetzt. Er ist ganz groß aber nicht so groß wie der Larousse.
        Übrigens: den Larousse würd ich dir trotzdem empfehlen, weil er durch seine Systematik besticht. Er ist übrigens kein Kochbuch, sondern eine Enzyklopädie, was ja auch seinen eigenen Reiz hat.
        LG Alex

  3. Doris

    Das Buch „Gartenfrische Vorräte durchs ganze Jahr“ hatte ich vor 20 jahren oder so aus der Bücherei geliehen. Ein paar Seiten habe ich kopiert. Damals habe ich mich geärgert das ich dieses Buch nicht besitze , den Titel wußte ich nicht mehr. Na, und dann kommt Oli mit einem Rezept aus dem Buch. Hah , hab ich sofort erkannt.
    So einige Kochbücher besitze ich auch, aber ich stöber gerne im Internet herum. Was ich am meisten benutze sind Einkochbücher. Als Einzellebender sind Einkochrezepte toll. Da gibs dann die Portionen in kleinen Gläsern.
    Was ich empfehlen kann ist das Buch “ Einmachen „, von ESSEN & TRINKEN . Jedes Obst ist drin, Gurken, Kürbis und Champignons. In Essig, oder Öl, süß und sauer.
    ——————–
    „Alles Hausgemacht „, in der Stadt und auf dem Land ,von Eva und Ulrich Klever. Marmeladen und Gelees weniger, aber alles mögliche an Würste. Sülzen und ähnliches, Pasteten und Schmalztöpfe. Pökeln und räuchern.Nudeln und Knödel. Sauermilch und eigener Käse..Trocknen und dörren,Brote und Gebildbrote. Es ist noch mehr drin im Buch.
    ———-
    „Hausgemacht „von Veronika Müller. Der Titel klingt ganz ähnlich. Die Rubriken klingen auch ganz ähnlich, die Rezepte sind aber andere. Dörren,die älteste Methode, Eingemachtes nach Art des Hauses, Salz gibt Würze, Pikante Saucen, würzige Kompotte. Pasteten, Terrinen,Galantinen, Brot backen, Besonderes aufs Brot.
    Diese meine Bücher sind schon in die Jahre gekommen. Deshalb kann man sie jetzt auch preiswert erwerben..Ich habe sie vom Trödel.

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Ja, da sind wir ähnlich. Einkochbücher zum Arbeiten und andere Quellen mehr zum Stöbern. Die letzten beiden von dir empfohlenen habe ich direkt bestellt, von der Sorte habe ich einige. Überall findet sich was interessantes und überall gibt es Dinge, die mir nicht gefallen (Zusatz von Zitronensäure wäre zum Beispiel so ein Ding) aber man kann ja abändern. Manchmal finden sich in den 70er und 80er Jahre Kochbüchern ja auch Ausflüge in Handwerk, Politik und Weltanschauung, das finde ich auch immer sehr aufschlussreich.

      Vielen Dank für deine Tipps, ich denke die waren mal wieder nach meinem Geschmack.

      Antwort
  4. birthesgartenzeiten

    Ich habe wahnsinnig viele Kochbücher im Schrank – und Ordner mit Rezepten, die ich vor vielen Jahren aus Zeitschriften herausgeschnitten habe. Manchmal nehme ich mir tatsächlch vor, diesen Berg „abzubauen“ und „abzuarbeiten“, wie Du es beschreibst, denn in den meisten Büchern sind es in der Regel doch nur wenige Rezepte, die ich kochen würde. Aber es ändert sich ständig, je nach Lust, Laune und Vorlieben, sodass es mit dem „Abkochen“ nichs wird. Meine Tochter is(s)t nun vollwertig-vegetarisch, sodass ich nun wieder ganz andere Rezepte – und Anregungen – suche… Diese finde ich im Internet, auf Blogs, und eben in meinen Büchern und Sammlungen. Dann passe ich die Rezepte unserem GEschmack an und oft kommt dann etwas ganz Neues dabei heraus… Lieblings-Kochbücher habe ich also nicht… Herzliche Grüße, Birthe

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Oh ja stimmt, die Vorlieben ändern sich auch. An sich nutzt du also auch viele Quellen als Inspiration und lässt dann der eigenen Kreativität freien Lauf – gepaart mit Bestellungen aus der Familie?
      So einen Ordner mit ausgeschnittenen und notierten Rezepten habe ich auch noch, da sollte ich interessehalber mal wieder reingucken. 🙂
      Aber wie du schon sagst, Listen ‚abarbeiten‘ funktioniert nicht so gut, ich nehme mir seit geraumer Zeit vor, etwas direkt in der nächsten Woche umzusetzen wenn ich es interessant finde weil es sonst eher gar nichts wird. Anders ist es bei der Verarbeitung der Ernte zu Vorräten, da kann ich gar nicht genug Lesezeichen und Bookmarks griffbereit haben, fertig vorbereitet sozusagen. Denn wenn die Ernteschwemme da ist habe ich selten Lust und Zeit mich durch die rezepte zu wälzen und nicht immer schon ein Routinerezept im Kopf.

      Liebe Grüße und einen schönen Sonntag, Oli

      Antwort
      1. birthesgartenzeiten

        Hihi… EIN Ordner? Mind. 8-10 Ordner ! ;-). Sortiert nach Rubriken, sodass ich z.B. während der Zucchinischwemme nur noch die Rubrik „Gemüse, Zucchini“ greifen muss, plus die vielen Kochbücher, in denen sich ja auch unzählige Zucchinirezepte finden. Aber da hört es dann eben bei mir auf und mein Vorhaben wird gestärkt, mit diesen zu vielen Kochbüchern „aufzuräumen“. Kurz und gut: ich verliere den Überblick bei dieser Unzahl Büchern, sie stehen eigentlich mehr oder weniger ungenutzt herum, wofür sie mir dann wiederum zu viel Platz wegnehmenn. Trennen müsste ich mich davon können… ;-). Im Internet gibt es eigentlich genügend Rezepte…!?
        Ja, so wie Du es beschreibst – das trifft es bei mir : viele Quellen als Inspiration, „Bestellungen “ der Familie, um meistens und oft dann doch auf „altbewährte“ Rezepte zurückzugreifen… ;-). Wobei ich natürlich auch „nach Rezept“ koche, kommt eben darauf an, was es ist…
        Ebenfalls einen schönen Sonntag, hier soll es morgen evtl. schauern – heute morgen hat es ein wenig geregnet, nicht viel und nicht lange, aber immerhin… Herzliche Grüße, Birthe

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