Preiswert Essen

Knoblauchsrauke

Knoblauchsrauke

„Preiswert Essen“ heißt für mich intelligent & kreativ, durchdacht und vorbereitet zu kochen. Und schmackhaft! Preiswertes Essen sättigt Leib und Seele.

„Billiges“ Essen (also billig eingekauft) macht meist weder satt noch befriedigt es. Meine Erfahrung: Von gutem Essen brauche ich nur einen Teller und bin zufrieden und gesättigt. Von „billigem“ Essen brauche ich mehr und bin eher „voll“ als satt.

Ein Schwank aus meiner beruflichen Vergangenheit: Bis vor einem Jahr war ich beruflich oft unterwegs. Am genießbarsten war das Essen in Familiengeführten 3* Hotels auf dem Land. Am schlechtesten (auch wenn es optisch gut präsentiert und von der Auswahl vielfältig war) in 5* Kettenhotels in der Stadt. Nach diesen Edel-Speisungen merkte ich meist, dass ich öfter mal aufstoßen musste, einen vollen Bauch hatte und am nächsten Tag nicht so vital wie gewohnt war. Einmal hatte ich mehrere Übernachtungen in so einem berühmten Hotel und gleichzeitig beruflich einen sehr herausfordernden Termin. Gottseidank war am Abend etwas Zeit, ich konnte im nahegelegenen Park spazierengehen – und sammelte Wildkräuter wie Brennessel, Giersch, Taubnessel, Spitzwegerich. Ich hab‘ mich dann einfach getraut, bin mit meinem Kräuterstrauß ins Restaurant und bat darum, den Koch sprechen zu dürfen. Der kam auch und ich fragte ihn, ob er mit meinen Kräutern mir ein Omelett zubereiten würde. Der zuckte nicht mit der Wimper (das haben die wohl in diesen Edelketten gelernt) und machte mir ein überaus schmackhaftes Omelett. Danach ging es mir wieder richtig gut! Später erfuhr ich, dass die in dieser Art von Kettenhotels überwiegend Convienence (wie schreibt man das eigentlich?) Produkte benutzen, nix frisch, alles schon vorbereitet, abgepackt – aber hübsch präsentiert. Bähh! 

Ich nehme nur die besten Zutaten – Billigscheiß kommt mir nicht auf den Tisch.  Und wenn ich einkaufe: Bio-Butter, Fleisch von Weidetieren, Demeter Getreide, saisonales Gemüse soll es wenigstens sein.

Der Umgang damit ist entscheidend.

Im Winter brauche ich als Norddeutsche Fleisch. Fleisch von Weidetieren ist natürlich in Euro teurer als welches aus Massentierhaltung. Dafür brauche ich aber nur wenig und nicht die edelsten und teuersten Teile.
Mein „Geheimnis“ bei Fleisch sind z.B. viel Knochenbrühe und wenig und kleingeschnittenes „günstiges“ Fleisch. Die sog. „Sandknochen“ von Weiderindern gibt es hier für ca. 1 €/kg. Die Sandknochen der White Galloways, die hier ein Nachbar hält, kann ich mindestens 3 x auskochen jw. 3 kg mit 5 l Wasser und Suppengemüse. Heraus kommt pro Kochvorgang so 2,5 bis 3 l Brühe. Und das mal drei. Ein viertes Mal geht auch noch, aber das ist dann für den Hund. Die Brühe wird eingeweckt und dient dann im Winter als Suppengrundlage (mitunter verdünnt mit Wasser) und ich koche – ebf. mit Wasser verdünnt, Reis und Nudeln damit. Aus allen anderen Knochen, die so anfallen, z.B. von Freiland Hähnchen, Hühnern, Schwein koche ich auch Knochenbrühe. Und zwar so viel, dass es über den Winter für mich reicht, d.h. für eine Person mind. 1 l Brühe/Woche = 26 l. Mindestens!
markknochen
Vom Fleisch nutze ich

  • Würstchen vom Damwild, 1 Bratwurst kostet hier 1 €. Die wird klein(st)geschnitten, angebraten und ca. 1 Wurst pro Beutel eingefroren. Die Würstchenstücke streue ich dann z.B. über Eintöpfe, wenn der Eintopf nicht ohnehin mit angebratenem durchwachsenem Speck gemacht wird. Das sind dann in Euro ca. 50 ct. Pro deftiger Mahlzeit.
  • Durchwachsenen geräucherten Speck, eine fingerdicke Scheibe kleingeschnitten und frisch angebraten reicht ebf. Für zwei Mahlzeiten
  • Schweinehack (von meinem 1/8 Leasingschwein), ebf, angebraten und portionsweise eingefroren, 100 gr. Kosten auch ca. 1 Euro und reicht auch für 2 Mahlzeiten.
  • Mettwurst, ebf. von meinem Leasingschwein, auch eine fingerdicke Scheibe kleingeschnitten und frisch angebraten. Ist wohl das teuerste Fleisch, was ich so nutze.

Fleisch und Brühe zählen zur Rubrik „durchdacht und vorbereitet“

Giersch

Giersch

Gundermann

Gundermann

Ebenfalls zu dieser Rubrik zählen vorbereitete Gewürze und Zutaten wie getrockneter Giersch (schmeckt leckerer als getrocknete Petersilie aus meiner Sicht – und ist gänzlich unproblematisch anzubauen -☺), div. Kräutersalze, z.B. mediterranes (mit Rosmarin, Oregano, Salbei); deftiges (mit Giersch, Gundermann, Thymian, wildem Majoran und Bergbohnenkraut), pikantes (mit Meerettichblättern oder mit Estragonblättern) sowie Chilischoten.

An Fett gibt es bei mir Schweineschmalz (vom Leasingschwein), Biobutter und sehr gutes Olivenöl.

Und zu den Geheimnissen eines preiswerten guten Essens zählt für mich auch, nur Urzutaten – die aber in richtig guter Qualität – einzukaufen, und alles anderen selber daraus zu machen. Z.B. Weidemilch bzw. Milch vom Bauern nebenan oder Biomilch – und Joghurt & Frischkäse selber machen.

10 Gedanken zu „Preiswert Essen

  1. Linsenfutter

    Genauso sehe ich es auch. Frische Zutaten, beste Qualität und Zeit beim Zubereiten. Ich bin ein Fan von Niederthemperaturgaren. Was dann am Ende herauskommt ist purer Gebuß.

    Antwort
    1. baumfrau Autor

      Niedrigtemperaturgaren habe ich bislang im Slow Cooker nur mit Huhn probiert. war sehr lecker. Bestimmt kann man da noch viel mehr drin machen… Was kochst Du auf Niedrigtemperatur?
      Einen schönen Tag wünscht
      Regina

      Antwort
  2. natuerlichjesus

    Ich habe 5 Jahre gekellnert und in der Küche geholfen und dadurch Restaurantküchen von innen gesehen. Seitdem gehe ich nicht mehr gerne auswärts essen.
    Fertigessen aus Eimern und Tüten, “frischer Spargel“ aus der Mikrowelle,… Sowas nennt sich “kochen“ und dafür zahlt man auch noch teuer!

    Wir kaufen schonmal im Großhandel ein (Alkohol 😉) Als ich zum ersten Mal sah, was man dort alles fertig kaufen konnte – mir klappte die Kinnlade runter.

    Deluxe Torten (mag gar nicht wissen was der Restaurantbesitzer sich für das Stück Tiefkühltorte fragt ), Suppen in 5 Liter Konserven, Tiefkühl Quiche, Flammkuchen, Panini, Baguette, Bratkartoffeln in Plastik eingeschweißt, fertige Salate,…

    “Fertigkram“ erwärmen kann ich selber; dafür muss ich nicht teuer Essen gehen 😑

    Gott sei Dank ist nicht jedes Restaurant so, aber sie sind selten.

    Antwort
    1. baumfrau Autor

      Danke für Deinen Bericht, liebe Nicole! Das bestätigt ja mein körperliches Empfinden nach dem Essen im 5* Hotel.

      Ich kann dies Erlebnis aber noch toppen: Im ICE Sprinter morgens von Hamburg nach Frankfurt gibt es in der 1. Klasse ein Frühstück umsonst. Kaffee, Saft und so eine Art Baguette. Brauche ich ja eigentlich alles nicht, da ich auf Tagestouren immer voll ausgerüstet bin: Stullen, kleingeschnippseltes Gemüse, getrocknete Früchte, Kaffeekanne, Wasser, Schoki, Nussmischung…
      Aber einmal wollt‘ ich es doch wissen, habe neben dem Saft (der ist trinkbar) auch ein vegetarisches Baguette bestellt. Ein Happen langte, es war einfach ungenießbar. Ich wollte nur nicht noch mehr auffallen, sonst hätte ich den Happen auch in die Papierserviette gespuckt und entsorgt. Alle anderen aßen mit ungerührter Miene ihr Baguette … hm, die hätten doch als 1. Klasse Fahrer aber bestimmt genug Geld, um sich was anständiges zu leisten, oder?

      Da ich ja keine Lebensmittel wegschmeißen mag, hab ich das Baguette eingepackt und in der Vorstandsrunde in Frankfurt von meinem Erlebnis erzählt. Ein Kollege, er wohnt in einem alten Forsthaus im Wald, erbarmte sich und bot sich an, das Baguette mitzunehmen. Neben dem Haus ist eingezäunt eine Wildschweinfutterstelle, da wollte er es rein schmeißen. Später erzählte er mir, dass die Wildschweine das Baguette liegengelassen haben…

      Einen schönen Tag wünscht
      Regina

      Antwort
  3. Jacqueline

    Seit ich von Zuhause ausgezogen bin hat es mich in den Fingern gejuckt endlich selbst zu kochen. Meine erste Woche alleine endete mit einem ausgiebigen Markteinkauf. Auch als Studentin habe ich viel frisch gekocht. Seitdem hat sich viel verändert, gerade auch seit ich Mutter bin, und ich kaufe nurnoch gelegentlich Fertigprodukte. Keine Päckchenkost mehr (das war ich von Zuhause gewohnt), eigenes Gemüse anbauen, Fleisch aus einer Metzgerei mit eigener Tierhaltung (teilweise Bio). Ich will nicht behaupten, dass ich am Ende meines Weges angekommen bin. Aber ich gehe nun viel Bewusster mit Lebensmitteln um, achte auf Regionalität und die Saison. Ich denke das ist schonmal ein Schritt in die richtige Richtung.

    LG
    Jacqueline

    Antwort
  4. Genussspecht.net

    Liebe Oli,

    ich bin nach längerer Absitenz wieder hier und lese mich nach und nach durch deine schönen Beiträge. Hoffentlich hattest du schöne Weihnachtsfeiertage und bist gut im neuen Jahr angekommen?

    Zu deinem Beitrag:
    Dass du dich damals getraut hast, dem Koch deine Wildkräuter unter die Nase zu halten, finde ich sehr mutig. Schlau und logisch, aber ich wäre mal wieder zu feig gewesen, fürchte ich. Ich trau mich ja nicht mal, bei einem Menü mit Vor- und Hauptspeise bei beiden Gerichten harmlose Sonderwünsche anzumelden. Kürzlich im Restaurant: Vorspeise Käsesuppe (Frage: ist die mit Rindsuppe?), Hauptspeise Schinken-Käse-Toast (Frage: bitte ohne Schinken). Ich hab mich dann dafür entschieden, nur den Schinken abzubestellen, weil ich nicht unangenehm auffallen wollte. 😉

    Herzliche Grüße
    Katharina

    Antwort
    1. Oli@Landidylle

      Hallo liebe Katharina,
      ich freue mich sehr, wieder von dir zu lesen!
      Unsere Feiertage waren schön, nicht überwältigend, aber ein ruhiger Fluß ohne große Dramen. Ich bin ehrlich, das reicht uns schon. 🙂 Ich hoffe, ihr hattet es auch gut und du denkst neben der ganzen Arbeit auch an die anderen angenehmen Dinge, die man so tun kann. 🙂

      Dieser Beitrag allerdings ist von der Baumfrau, Regina Ich hatte sie hier (https://landidylle.com/2016/07/13/frischer-wind-und-verstaerkung-die-baumfrau-kommt/) kurz vorgestellt und wir schreiben nun beide auf Landidylle.com – allerdings hat Regina noch nicht so viele Artikel verfasst, sodass es für einige nicht sofort ersichtlich ist oder ungewohnt. Ich überlege, wie man das optisch besser trennen kann.

      Reginas Beiträge werden die Seite bereichern weil sie diesen Lebensstil auch sehr intensiv und mit Überzeugung lebt und das schon länger. Sie hat großes Wissen um Wildkräuter und reichhaltiges, sparsames Leben. Ich sage immer zu ihr, sie weiss gar nicht, wieviel sie eigentlich hier teilen könnte weil es für sie so normal ist so zu leben. Gut, ich könnte da auch sehr viel mehr machen, aber ich glaube, dass Regina und ich uns ausserdem sehr gut ergänzen.

      Was deine Restauranterfahrung angeht, dazu kann ich auch noch kurz was sagen. Ich hatte mal eine Freundin die kellnerte und die fand die Kunden mit Extrawünschen besonders gut weil es ihr zeigte, dass sie sich wirklich mit den Gerichten auseinander setzen und mal eine Herausforderung waren zwischen denen, den es an sich egal war, was sie bestellten.
      Bestimmt sich auch viele Köche beleidigt, wenn man ihnen in ihre heilige Komposition fährt, aber ich glaube unter uns, dass das auch was mit der Persönlichkeitsstruktur von Köchen zu tun hat. 😀
      Auf jeden Fall habe ich seit der Info von meiner Bekannten keine Hemmungen mehr, Extrawünsche mitzuteilen, schliesslich weiss ich am besten was ich essen will und was mir bekommt. Aber ich habe mich dahingehend ohnehin geändert, früher hätte ich lieber Kröten geschluckt als ‚Aufsehen‘ zu erregen.

      Ganz liebe Grüße von Oli

      Antwort
  5. Stefanie

    Huch, dass Ihr zu zweit seid, ist mir auch entangen. Also, liebe Regina, da kannst Du ja sehr froh sein, nicht mehr in den Großstadt-Kettenhotels zu logieren. Ich muss das oft; esse dort aber eigentlich nur Frühstück. Da staune ich immer, wie schlecht es ist. Alles abgepackte Ware aus dem Discounter. Zum Preis von 25 Euro p.P. oder so.

    Antwort
  6. Pingback: Wilder Spinat ’10 Köstlichkeiten‘ | Landidylle

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s