Winter-Wochenendbeschäftigung bei Selbstversorgers

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Wer warm haben will, muss Holz machen. So ist das hier bei uns.
Wer warm haben will, muss Holz machen, transportieren, kleinmachen, aufstapeln, abdecken, per Schubkarre den Hang hochschieben, ins Haus schleppen, regelmässig die Öfen beschicken und nicht zuletzt den Dreck wegmachen, den es hinterlässt, ständig Holz durchs Haus zu schleppen. So müsste es vollständig und korrekt heissen.

Wenn ich warm schreibe, meine ich etwa 14°. Das empfinden wir dank angenehmer Strahlungswärme mittlerweile als warm. Bei 8° in der Küche muss ich mich warm arbeiten – was ich an sich ohnehin den ganzen Tag tue – oder viel backen und kochen, dann wird es auch ‚warm‘.

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Im Normalfall bedeutet so ein gemütlich prasselnder Ofen mit romantisch flackerndem Feuerschein ja Zusatzwärme in einem ohnehin per Zentralheizung temperiertem Haus.
Nicht so hier bei uns. Hier wird wie Anno dazumal geheizt, als dieses Haus gebaut wurde – nur dass wir clevererweise zumindest schon einmal 2 Grundöfen eingebaut haben. Weiss der Geier, was die Baumeister von damals sich gedacht haben, aber während sowohl südlich (Bayern, Österreich) als auch nördlich (Schweden) von uns oftmals der grosse küchenbefeuerte Grundofen der Mittelpunkt des Hauses war und somit schlauerweise auch fast das ganze Haus beheizt hat, dachte sich hier irgendwer, dass Einzelöfen eine prima Idee wären.

Nun, sind sie nicht. Erst einmal geht ohnehin nichts, aber auch gar nichts über einen Grundofen mit viel Speichermasse und zweitens braucht es immer eine Person zu Hause, um alle Öfen am Laufen zu halten wenn man mit Einzelöfen anderer Bauart heizt. Vermutlich hat früher die Oma den Job übernommen, einheizen und Kinder hüten. Hatte nicht Anna Wimschneider in ‚Herbstmilch‘ von der Oma geschrieben, die die Kinder in der ‚guten alten Zeit‘ so ‚liebevoll‘ gehütet hat?
Natürlich ist unser Haus ein älteres Baujahr als Frau Wimschneider aber das Fazit bleibt: Keine Oma, keine dauerbefeuerten Öfen, keine ans Tischbein gefesselten Kinder.

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Also muss das Problem anders gelöst werden: die Kerle gehen Holz machen, Frauchen befeuert die Öfen, hütet den Nachwuchs ohne Ketten und kocht was feines. Diese Methode ist nicht nur aus Gründen des Gender-Wahns aus der Mode gekommen. Nein, sie ist auch mit Arbeit verbunden. Und egal, ob man das Holz am Knick selber macht oder kauft und auf den Hof liefern lässt: der Rest der Arbeit bleibt. Denn ofentrockenes, hübsch gespaltenes Holz leistet sich wohl eher der Städter mit dem Designer-Ofen, der im Jahr nur 10 Kilo Holz braucht statt 10 Raummeter.

Wer will sowas denn heute noch? Da zahlt man doch echt lieber das Fitness-Studio und baut Muskelmasse ohne Nutzen auf oder vergiesst seinen Schweiß im Schnee auf vergnüglichere Weise. Natürlich mit Ausgaben verbunden, sonst ist es ja nicht sozial akzeptiert.
Das sich-selbst-belüftende-und-heizende-und-einkaufende Haus regelt dann schon den Rest.
Auch wir sehen ein, dass es bequemere Methoden gibt  aber keine, die einen so nah am Brennstoff sein lässt – die einen schon aus rein egoistischen Gründen dazu anhält, sich mit der verfeuerten Menge auseinander zu setzen, und sei sie noch so CO2-neutral.

Sollte ich in einigen Jahren, wenn unsere Rücken noch mehr schmerzen als jetzt und alles nochmal so mühselig wird auf unsere vorsintflutliche Lebensweise schimpfen, dürft ihr mich gerne an diesen Beitrag erinnern und darauf hinweisen, dass schon so mancher von seiner eigenen Revolution überholt worden ist. 😉

Nein ernsthaft: wir wünschen uns natürlich, dass wir (auch durch die viele körperliche Arbeit) bis ins hohe Alter fit genug bleiben, um für uns selber zu sorgen und sanft entschlummern wenn dieses nicht mehr der Fall ist, aber wir sind auch jederzeit bereit uns zu entwickeln und gegebenenfalls unsere Meinung anzupassen. (Und in der Tat überlegen auch wir regelmässig, ob wir für die Grundwärme (so 10°C) eine (noch einzubauende) Zentralheizng laufen lassen sollten)

Solange aber muss regelmässig Holz gemacht werden, das ‚Knicken‘ (Knicks alle Jahre herunterschneiden) scheint übrigens mühseliger und anstrengender zu sein, als das Heruntersägen und Herausziehen der Bäume aus dem Wald.

15 Gedanken zu „Winter-Wochenendbeschäftigung bei Selbstversorgers

    1. Landidylle Autor

      Danke. Ja, man darf die Arbeit nicht scheuen, aber es sind irre interessante Erfahrungen, die wir hier machen. Einfacher wäre es in der Tat in einer Gemeinschaft/Großfamilie, aber das hätte auch wieder Nachteile. Zumindest für die anderen. Ich würde schon voraussetzen, dass die dann alle nach meiner Pfeife tanzen.;)

      Nee ernsthaft, man nimmt die Dinge nicht mehr so als gegeben, wenn du morgens aufstehst, alles ist kalt und du musst erstmal reihum alle Öfen anfeuern … da bekommst du einen ganz anderen Bezug zu dem Material, dem Vorgang, der Transformation, dem Bedarf, dem Vorrat. Derzeit möchte ich nicht anders leben, aber wenn sich das mal ändern sollte, wäre es für mich auch OK. Panta rhei.

      Antwort
  1. Doris

    Oh je, da habe ich vorhin gejammert das meine Wohnung nicht richtig warm wird :)) .
    Nun ja, vor einigen Jahren hatte ich eine Wohnung mit Kohleofen , da wars so kalt das ich mein tiefgefrorenes Essen zum auftauen in den Kühlschrank gestellt habe . In der Küche wo der Ofen stand war 5 Grad .
    Nein , das brauche ich nicht nochmal .

    Antwort
    1. Landidylle Autor

      Hahahaha ich verstehe Dich schon, war ja alles auch etwas ironisch/selbstironisch geschrieben. Man hat es schon recht muggelig heutzutage. Zum Auftauen in den Kühlschrank hahaha.:)

      Antwort
      1. Doris

        Oh ja, im Kühlschrank war nicht so kalt . Ich glaube , die heutigen Kühlschränke gehen bei bestimmten Temperaturen von selbst aus .Ein Schaffell habe ich ins Bett gelegt und immer mit Wärmflasche . Mit warmen Pullover habe ich eigentlich nie gefroren . In diesen Jahren damals war ich nicht einmal erkältet . Das größte Problem war das sich waschen müssen .
        Seitdem habe ich aber eine Menge warmer Sachen , gestrickt, gehäkelt und genäht .

      2. Landidylle Autor

        Lammfell und Wärmflasche habe ich auch im Bett. 🙂
        Im Bad hatten wir es bis neulich auch sehr kalt, da war gar kein Ofen. Wenn ich aus der heißenDusche komme,brauche ich aber auch keine warme Umgebung, das ging schon. Nur ist uns die Fensterlaibung verschimmelt weil die Feuchtigkeit durch die kalte Luft nicht abzog.Nun bollert da ein kleiner Ofen und ich muss sagen …ja,es ist schöner!

  2. eifgental

    Ich fluche im Augenblick sehr auf unsere Zentralheizung. Klingt doof, aber ohne Heizung müssten wir die Heizung nicht einschalten, weil für unsere Zwecke der Kachelofen im Wohn-/Esszimmer eigentlich reichen würde (damit haben wir im Wohnzimmer über 20°C und in Küche und Gäseklo immer hin noch 16 – 18°C). Gut, oben ist es dann halt kalt, aber da soll auf Dauer soll noch ein zweiter Ofen hin, auch wenn das ja offenbar doch kein so guter Plan ist… ;)). Da aber nun mal in den 80ern eine „moderne“ Heizungsanlage eingebaut wurde (wofür sie übrigens das Gefache aus den Wänden durch Gipsplatten und Glaswolle ersetzt haben, was ein Mäuseparadies darstellt und inzwischen zusammengesackt ist und gar nicht mehr isoliert – das müssen wir auch dringend mal anpacken), müssen wir ja nun die verdammten Heizungsrohre eisfrei halten, damit sie nicht platzen. Also Heizung an, um Probleme zu vermeiden, die man ohne gar nicht hätte…
    Ich beneide euch also gerade (trotz zweier Einzelöfen ;)) um euer Haus. 🙂

    Antwort
    1. Landidylle Autor

      Oh je, verstehe. Könnt ihr das Wasser nicht ablassen oder mit Glycerin versetzen?
      Diese Bausünden von früher sind an unserem Haus zum Glück vorbeigegangen, hier wurde nichts gemacht – ausser in den 80ern mal ein WC (ohne Heizung, klar) einzubauen. Davor sind die alten Leute aufs Plumpsklo gegangen.
      Wir haben festgestellt, dass wir mit einem elektrischen Durchlauferhitzer für Brauchwasser günstiger fahren, als wenn wir eine noch so kleine Heizungsanlage laufen liessen. Ein wassergeführter Grundofen soll im Wohnzimmer noch gebaut werden, aber je mehr Technik, umso mehr kann kaputt gehen. Und bei Stromausfall müsste man so einen auch schnell ‚runterfahren‘.
      In jedem Fall bin ich froh über unsere Holzöfen, als Russland die Gaslieferung an Tschechien eingestellt hat,lebte ich gerade dort und sass bei 7,5° Tendenz fallend in einem Haus, was man nicht alternativ beheizen konnte. Da gab es nur einen Kaminofen im WZ und diese dünnwandigen Dinger heizen ja nur, solange man mit einer Schubkarre daneben steht und Holz nachlegt.;)

      Ihr habt wirklich komfortable Temperaturen bei euch, ich nehme an, dass euer Baumeister nicht nur schlauer war als unserer, sondern auch nach alter Väter Sitte geplant hat – und das hat sich nunmal bewährt.

      Antwort
      1. eifgental

        Wir debattieren tatsächlich mit uns, ob wir uns darauf einlassen wollen, das Wasser aus dem Heizkreislauf zu holen. Wenn im oberen Stockwerk ein Ofen angeschlossen ist, werden wir’s wohl auch tun. Momentan sind wir halt noch ein bissel feige und „was, wenn wir oben doch mal heizen wollen“?

        Der „Kern“ unseres Hauses ist mehrere hundert Jahre alt, damals hatten die Baumeister wahrscheinlich einfach noch keine Alternative. Nicht nur, weil man’s halt „immer so gemacht hat“, sondern auch, weil Pfusch in der damaligen Gesellschaft sofort existenzvernichtend gewesen wäre. Darüber hinaus hatten sich aber eben auch gewisse Bauweisen bewährt und die Materialien waren eben auch vorgegeben. Aus heutiger Sicht ist es aber wirklich beeindruckend, wie „nachhaltig“ diese Fachwerkbauweise letztlich ist. Man denkt ja einfach heute ganz anders!
        Leider sind in den 70ern und 80ern die Nachkommen der Bauernfamilie im Modernisierungswahn durchs Haus gezogen und haben dabei mehr geschadet als genutzt. Unter anderem haben sie halt auch die alten Öfen entfernt und eine Heizungsanlage eingebaut. Und wir „dürfen“ jetzt nach und nach restaurieren…
        (Aber ich liebe unser Haus heiß und innig, ich jammer bloß gern!)

      2. Landidylle Autor

        Was Du über die alten Baumeister sagst, ist sicher richtig. Es hört sich an, als hätte euer Haus Charakter und ihr werdet bestimmt den verborgenen Charme wieder hervor-restaurieren.
        Über die Heizungsgeschichte würde ich mir mit meiner Laienmeinung gar nicht so viele Sorgen machen. Zum Schutz der Rohre ein Frostschutzgemisch einfüllen dann ist Ruhe. Wenn ihr euch das irgendwann anders überlegen solltet,ist ja nichts verloren, die Anlage steht da und wird an sich auch nicht schlecht.:)
        (so würde ich denken)

      3. eifgental

        Ich seh das ähnlich, aber Herr Eifgental mit seinem technischen Sachverstand und Risikobewusstsein sieht das irgendwie anders. Ob seine Argumente stichhaltig sind, kann ich mit meiner Laienmeinung wiederum nicht beurteilen. Also dreh ich brav die Heizung an und ärger mich 😉

  3. Heidemarie Traut

    Jetzt verweile ich seit Stunden auf Eurem Blog, und nur die Müdigkeit läßt mich jetzt diesen Kommentar schreiben, um mich dann für heute vom Blog zu verabschieden. Es ist so interessant und es regt sehr zum Nachdenken an…Wie gerne würde ich meinem Mann diese Eure Zeilen zeigen. Sie machen deutlich, was man alles leisten kann, und wieviel Mut, Glauben an die eigenen Fähigkeiten, handwerkliches Geschick, Zuversicht es trotz Widrigkeiten zu schaffen Menschen wir Ihr einbringen, um dann wirklich Furioses zu schaffen. Ich bewundere Euren Mut und Eure Tatkraft. Und ich bewundere ALLES was Ihr schon geschafft habt. es ist ganz großartig!!! Auch die Einstellung der Frau des Hauses, was das Gärtnern, das Ernten und Verwerten anbelangt ist beispielhaft!!! Und Euer Garten ist sooooo schön groß! Wild, natürlich, ein Refugium für Tiere und Pflanzen…einfach nur toll. Unser GArten ist soooo klein, Ihr werdet vermutlich lachen, wenn ich Euch jetzt erkläre, dass wir hinter dem Haus gerade mal 240 m² Gartenfläche haben…und die sind meinem Mann schon zu viel…Schade, sehr schade! Mein Traum war immer ein Bauernhof mit entsprechenden Ländereien und Nebengebäuden…
    Aber ich liebe unser Haus sehr, zumal wir jetzt nur noch zu zweit darin leben…Ideen für meinen Garten hätte ich in vielfacher Ausfertigung, und irgendwie musste er sich schon „dehnen“…aber jetzt kann nur noch ein neues Gewächs dazukommen, wenn ein anderes weg geht…
    Ich hätte mich soooo gerne als Followerin bei Euch eingetragen…habe aber die entsprechende Möglichkeit nicht gefunden…Könnt Ihr mir da helfen?
    Jetzt wünsche ich Euch Dreien (stimmt doch?) weiterhin so viel Schaffenskraft und Zuversicht und für 2017 so manches kleine Wunder!!!
    …und alles Liebe
    Heidi

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Liebe Heidi, vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar und deine Anerkennung! Das bedeutet mir sehr viel. Ich möchte dazu unbedingt noch mehr schreiben, aber erstmal kurz beantworten, wie man uns folgen kann: in der Seitenleiste zwischen den Kategorien und dem Archiv vergangener Jahre – da gibt es die Möglichkeit dem Blog per Email zu folgen.
      Liebe Grüße einstweilen und einen tollen Sonntag, bis später, Oli

      Antwort
    2. Oli@Landidylle Autor

      Liebe Heidemarie, ich danke dir vielmals für deine Zeilen!
      Ich freue mich besonders, wenn diese Art zu leben und davon zu berichten zum Nachdenken anregt und inspiriert, das gibt mir/uns noch mehr das Gefühl nicht nur auf dem richtigen Wege zu sein, sondern auch die Arbeit/Zeit nicht umsonst zu investieren die es braucht, nebenher auf dem Blog zu berichten.
      Man kann so einiges leisten wenn man will, ja. Aber ganz ehrlich bleibt hier vieles liegen, so viel ist unfertig, unordentlich, nicht geschafft, zugewuchert … die Negativliste liesse sich beliebig fortsetzen. Davon sieht der Leser nicht soooo viel. Aber andererseits war es ein Stückchen Arbeit aus einer Ruine auf einer Koppel ein zumindest schon zur Hälfte fertiges, schönes Haus mit Nutzgarten und Naturgarten zu machen. Und jedes Stück eigene Ernte ist ein Erfolg und gibt ein gutes, wohliges Gefühl und Nähe zur Basis, zum echten Leben. Das wahrscheinlich beste am ganzen Vorhaben ist das Gefühl, den Traum aller Widrigkeiten, aller Unkenrufe und Steine im Wege zum Trost zu leben. Das gibt Selbstbewusstsein, was wir so sicher nicht anders erlangen hätten können und weist die Bedenkenträger in die Schranken.
      Wie ich auf deinem Blog gesehen habe, kann man aus 240qm eine Menge machen! Und in dem Augenblick wo man – so wie du – Wildkräuter etc. sammelt und verarbeitet, kann man ja ohnehin noch auf die freie Natur zurückgreifen und das Revier erweitern. Ich persönlich schwanke noch manchmal zwischen dem Wunsch einen großen Hof zu haben mit ausreichend Nebengebäuden, Stall, Scheune, Holzschuppen und einem kleinen, übersichtlichen Haus, was leicht und günstig zu reparieren und zu bewirtschaften ist. Wahrscheinlich wird dieses Haus einmal ein guter Kompromiss werden.
      Danke nochmals für deine guten Wünsche für 2017, ich werde weiterhin berichten, wie es hier (bei uns dreien) so läuft und voran geht und hoffe ebenso auf viele tolle Beiträge aus dem echten Selbstversorgerleben meiner Freundin und Co-Autorin, der Baumfrau. Da gibt es auch so einiges abzuschauen und zu bestaunen – und eine ganz andere Ausgangsbasis und Herangehensweise in gewisser Hinsicht.

      Liebe Grüße, Oli

      Antwort

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