Das alte Haus: die Mauer muss weg.

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Nach längerer Zeit mal wieder ein Beitrag über die Sanierung des Hauses. Wenn ich in dem Tempo weiterschreibe, überholt die nächste fällige Renovierung die Beiträge über die alte Sanierung. Das wollen wir ja nicht. Der aufmerksame Leser wird feststellen, dass sich einige Informationen über den Verlauf mit den Handwerkern wiederholen, aber da ja auch immer mal Quereinsteiger mitlesen, ist das ganz gut so – denke ich.

Ich hatte ja berichtet, dass die Außenmauern des Stallgebäudes beim Kauf marode waren und das Gebäude entweder abgerissen oder die Mauern separat neu aufgemauert werden mussten. Auf der rückwärtigen Seite war das mit einem Mauerabschnitt bereits geschehen, dort bestand das Mauerwerk aus Kalksandstein und einem potthässlichen 80er Jahre Verblender.
Die restlichen Wände standen mehr oder weniger frei, waren also über weite Strecken aus dem Verband gebrochen (wie man auf den alten Fotos schön sehen kann) und der Frost sprengte munter weiter Vollziegel aus dem Verband. Und bevor Wände von alleine einstürzen, soll man das lieber geplant machen.
An sich wollte ich ja erst das Haupthaus bezugsfertig machen und mich dann im nächsten Jahr um den Stall kümmern. Der für die Begutachtung vor dem Kauf beauftragte Fachmann hatte immerhin die Einschätzung abgegeben, dass der Stall noch eine Weile stehen würde und ich mich in der geplanten Reihenfolge um die Baustellen kümmern könne.

  • Haupthaus bezugsfertig machen, Wasserleitungen, Stromleitungen, Wände verputzen, Böden legen …
  • Wände des Stalls neu errichten oder abreissen
  • Dach neu eindecken
  • um die restliche Fassade kümmern (Versiegelung mit Wasserglas stand damals zur Debatte)

Parallel wollte ich natürlich unbedingt den Nutzgarten anlegen und eine Streuobstwiese pflanzen, denn die Selbstversorgung stand ganz oben mit auf der Agenda.
Der alte Zimmerermeister sollte den Gesamtauftrag für die Sanierung bekommen, auf seinen Pool von Handwerkern zurückgreifen und das gesamte Bauvorhaben begleiten. Das wäre praktisch gewesen.

Leider verging die Zeit, ohne dass er sich rührte und nichtmal die einfachsten Arbeiten wurden begonnen, Dinge, für die man problemlos Hilfskräfte engagieren konnte wie Tapeten abreissen, entrümpeln, PVC vom Boden aufnehmen etc.
Ich lebte ja noch 1000km entfernt und der Zeitpunkt, zu dem ich das gemietete Haus räumen musste und die Umzugswagen unweigerlich Richtung Deutschland rollen würden, rückte immer näher. Da kann man schon mal ins Schwitzen kommen.

Hiwis organisierte ich dann über Bekannte, die wiederum konnten dann wieder einen weiteren Handwerker vermitteln, erste Arbeiten wurden erledigt.

Ein Zimmermann aus dem Ort warf mir seine Visitenkarte in den Briefkasten und ich schöpfte neuen Mut, war das doch immerhin eine echte Bekundung von Interesse, an diesem Bau mitzuwirken. Dachte ich.
Zunächst liess es sich gut an, Pläne wurden geschmiedet, die erste grössere Anzahlung gefordert und gezahlt, meine Zeichnungen überreicht, ein Treffen zwischen eben diesem Zimmermann und meinem mittlerweile organisierten Maurer arrangiert.
Dann kam wieder alles ins Stocken.
Angst. Beklemmungen. Bedenken.
Angst davor, dass die Mauer umkippen und jemanden begraben könne. Ich scherze nicht.

Beide Handwerker versuchten ihr Gesicht zu wahren, indem sie Geschichten erzählten, was sie nicht schon alles gemacht und erlebt hätten auf dem Bau (in meinem Kopfkino bin ich Dian Fossey und die Herren trommeln sich auf das Brusttoupet) , aber DAS sei wirklich zu gefährlich. Ich argumentierte, dass ein Zimmermann und ein Maurer doch wohl in der Lage sein sollten, ein paar Mauern abzureissen und neu aufzubauen, nichts zu machen.
Netterweise hat mir der Maurer dann den Kontakt hergestellt zu einer Firma, die beherzter an die Arbeit ging. Zwar konnte ich mich nur mit dem Chef verständigen, aber was soll’s? Sie haben so richtig gearbeitet. In echt, sofort und mit sichtbaren Ergebnissen.

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Die alte Gewölbedecke im Stall wurde mit Drehsteifen gesichert, das Dach auf eine Aussteifung aus ziemlich massiven Kanthölzern gestellt, die an einen Galgen erinnerte und die noch recht lange bestehen blieb. Die Mauern fielen dann wohl wirklich recht dankbar ob der Entlastung in sich zusammen, begruben aber anscheinend niemanden.
Einige Vollziegel sicherte ich für spätere Bauvorhaben, einige holte sich ein Nachbar, um daraus einen Ofen/Grill zu mauern und der ganze große Rest wurde leider entsorgt.

Im Anschluß wurden die Ziegel vom Stallboden aufgenommen und die Tränken und Tröge entfernt (leider waren das diese an den Seiten offenen Tröge, wären es die schönen antiken Schweinetröge gewesen, hätte ich sie verteidigt wie eine Raubkatze), dann der Sandboden ausgeschachtet.

Die Meterstriche hatte noch der Zimmermann angebracht und dabei dankenswerterweise meine selbst entworfenen Pläne berücksichtigt. Es konnte also fast nichts mehr schief gehen und es sah auch nicht danach aus, als würde es …

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Eines schönen Tages wurde dann die Betonsohle gegossen, bald darauf die Mauern mit Ytong wieder aufgemauert und als ich das nächste Mal auf der Baustelle war, freute ich mir fast ein Loch in den Bauch, dass ich an diese fleissige Truppe geraten war. Der Chef beklagte sich zwar, dass der Beton teurer geworden wäre als er dachte, aber Beklagen über Ausgaben gehört mitunter ja auch zur Mentalität, ich kenne das gut und tat es also mit einem belustigten Lachen ab. Während der Begehung dann fiel mir auf, dass vom Stall hinunter in den hinteren Teil weniger Stufen führten als zuvor.
Naja, vielleicht täuscht das ja, immerhin kann das passieren wenn alles neu ist, die Stufen gerade, die Räume so groß und leer aussehen, die Decke aber verdammt niedrig hängt plötzlich … Ein prüfender Blick auf den Meterstrich zeigte mir dann recht schnell, dass nicht mein Gefühl falsch war, sondern die Berechnung des Handwerkers.

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Um 16cm hatte er sich verrechnet. Die Zahl habe ich noch immer im Kopf, auch wenn ach soviele Informationen meinem Hirn schnell wieder entfleuchen. Sich um 16cm zu verrechnen bedeutet natürlich auf der Fläche einige Kubikmeter mehr Beton. Ganz klar. Und 16 cm sind übrigens auch keine Höhe, die man mal eben so wegpfuschen und kaschieren kann. Eine Decke, die plötzlich 16cm ‚tiefer hängt‘ und einem das Gefühl klaustrophobischer Enge vermittelt funktioniert einfach nicht. Und dass nun eine Treppenstufe mehr vom zukünftigen Wohnzimmer auf die Terrasse führen sollte, gefiel mir auch nicht.

Es war also an der Zeit für einen Wutanfall. Ich muss dazu sagen, dass Wutanfälle in meiner Familie eine gewisse Tradition haben und zumeist recht beeindruckend wirken. Ich selber hatte gerade mit Wutanfällen abgeschlossen und wollte einfach nur in Ruhe in dieses Haus einziehen und meinen Frieden haben. Aber in Anbetracht der besch******* Situation war ein Wutanfall das mindeste was ich bieten konnte, um meinem Frust Ausdruck zu verleihen und der Vorteil ist definitiv auch, dass diese Art der Gebärdensprache international verstanden wird.

Ich wurde verstanden, die Handwerker waren beeindruckt von diesem Rumpelstilzchen was (wiedermal, es gab ja bereits die Gips-statt-Kalk-Situation) fluchend wie ein Kesselflicker über die Baustelle lief und hier und da Gegenständen, die darauf aus waren es zu provozieren einen Tritt versetzte.

Die Vorstellung blieb allerdings ohne Konsequenz denn natürlich wurde in das Fundament Metall mit eingearbeitet und Stahlbeton puckert man nicht mal eben so wieder auf, um die 16cm zurück zu gewinnen.

Stattdessen wurde mir angeboten, die Decke im zukünftigen Wohnzimmer höher zu setzen. Ja, was denn sonst? Ich wollte ja nicht wie ein Hamster eine Wohnröhre besitzen. Natürlich bezahlte ich für das Höhersetzen der Decke.

Aber die Mauern waren abgerissen. Das Fundament gegossen. Und die neuen Wände waren gemauert.

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Ich liess das Haus in Baufolie einpacken – da haben wir den Bogen zu Christo – und diese windsicher mit Leisten verschrauben weil ich nicht wusste, wann ich genug Geld für die Verkleidung haben würde und nicht wollte, dass die Witterung solange ungeschützt auf den Ytong einwirkt, der dafür nicht gemacht ist. Ein besseres Bild habe ich gerade nicht, da muss die Phantasie reichen. Verstanden wurde die Maßnahme zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Das Haus ist relativ hoch und steht auf einem angeschütteten Hügel, der nochmal 2m höher liegt als das Niveau des nächsten Feldwegs. Dieses in Plastikfolie verpackte Haus war also ein weithin sichtbarer Schandfleck Beweis dafür, dass ich tatsächlich soweit gekommen war. Alleine. Und da das Haus recht lange so eingepackt stand – da war ich dann schon nicht mehr alleine – gab es natürlich auch Spekulationen darüber, ob mir/uns das Geld ausgegangen sei. Die Antwort ist: Das Geld geht auf so einer Baustelle immer wieder aus! Was die Leute von draussen nicht so gut beobachten konnten, war der Fortschritt im Haus. Aber dafür gibt es Abhilfe: einmal die warmherzige Begrüssung durch die Nachbarschaft bei der den Zugezogenen ein Kranz aufgehängt wird und während der man sich die Sanierung mal aus der anderen, der inneren Perspektive ansehen kann und zum anderen dieses Blog.

Und falls sich irgendjemand hier wieder erkennen sollte: Ich hege keinen Groll. Gegen fast niemanden, alles gleicht sich aus im Leben, ob man will oder nicht.

12 Gedanken zu „Das alte Haus: die Mauer muss weg.

  1. gartenstreifzug

    Wahnsinn, davon kann ich auch ein Lied singen! Nur weil wir verschiedene Ebenen hatten, konnten die Maurer plötzlich den Bauplan nicht mehr lesen und hatten sich auch nicht nur um ein paar Zentimeter vertan. Wenn wir als Bauherren nicht dazwischen gegangen wären, hätten die einfach so weiter gewurstelt. Das ging so weiter bis zum Dach. Obwohl wir aber nur Fachfirmen beauftragt hatten. Das kostete Nerven …! Ich hoffe, diese Schwierigkeiten sind bei dir mittlerweile auch alle vorbei. LG Arlene

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Ich fühle mit dir. Und gut, dass du mich verstehen kannst. ich habe schon zu meinem Mann gesagt: „Ich darf hier gar nicht alles schreiben, was passiert ist, das glaubt mir kein Mensch!“
      Aber: ich höre von meinem Mann solche Geschichten auch ständig von den Baustellen, auf denen er so ist. Es scheint also durchaus üblich zu sein. 😀

      Ja, du hast recht: es kostet Nerven und ich finde es ausserdem so … niederträchtig ist wohl das richtige Wort, so sorglos mit den Träumen anderer umzugehen. das hier ist unser ZUHAUSE und wir arbeiten hart, um uns einen Traum zu erfüllen, jeder, der hier blöde Sprüche bringt kann mittlerweile wieder nach Hause gehen, brauchen wir nicht mehr. Am Anfang hat jeder ungefragt erzählt, dass er die Hütte abreissen würde. Ja, mag sein, interessiert mich aber in dem Moment nicht, was andere mit ihrem Geld und ihrer Freizeit machen. 🙂

      Ihr lebt im Paradies nun und bei uns wird es auch Stück für Stück schöner, der Lohn für Durchhaltevermögen und harte Arbeit!
      LG Oli

      Antwort
  2. Doris

    Man fragt sich manchmal ob diese Leute überhaupt gelernt haben, mit Prüfung. Dieses hier ist ja kein Einzelfall, man hört und liest überall Klagen über Bauhandwerker.
    Wenn überall so gefuscht wird, na gute Nacht.

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Mein Mann legt sich regelmässig mit anderen Handwerkern an weil die dermassen viel Mist bauen, dass man das teilweise nicht mehr deckeln kann. Klar, wo gearbeitet wird passieren Fehler und da ist keiner frei von, aber einige haben so eine egale Einstellung, als wären das Geld und die Träume und Pläne von den Kunden nix wert.
      Dienst nach Vorschrift wäre eine Sache, ist zwar nicht meins aber ich könnte es verstehen, immerhin verdienen die echt wenig, haben offenbar keine Lobby (was macht die Innung eigentlich?) und müssen hart arbeiten, aber pfuschen ist ein ganz anderer Schnack, das geht nicht.

      Antwort
  3. Doris

    Wir alle müssen ordentlich arbeiten, egal ob wir viel oder wenig Geld bekommen. Es ist die Einstellung die manche haben. Gibt es denn gar keine Freude an der geschaffenen Arbeit mehr ?

    Antwort
  4. Doris

    Die ganze Zeit bin ich am überlegen ob diese Zimmerdecke so dünn ist wie sie aussieht. Kann man darauf überhaupt laufen ?
    Übrigends kann man die 2 Beiträge mit den Kürbissen in der Vorschau nicht sehen. Ich mein ja öfters das manches erst Stunden später zu sehen ist. Kann auch an meiner klapprigen Verbindung liegen.

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Die Decken sind beide so dünn wie sie aussehen – beziehungsweise waren es. Über dem ehemaligen Stall/jetzigen Küche ist eine Gewölbedecke aus Vollziegeln, im Tonnengewölbe liegen die halt flach nebeneinander weg. Einige Statiker sagen, dass ein Tonnengewölbe Last braucht, andere nicht. Mein Mann hat da Estrich drauf gelegt und sollten wir oben mal ausbauen, kommt durch den Bodenaufbau noch mehr Last.

      Über dem ehemaligen Holzlager/Fuhrwerk-Garage war ein einfacher Holzboden aus Bohlen in der Stärke wie man es bei Gerüstbohlen hat, allerdings mit ‚Lochfraß‘ teilweise. Da sind schon nicht mehr alle Handwerker raufgegangen – naja, durch die Fehlberechnung bei der Betonsohle musste die Decke ja eh höhergesetzt werden beziehungsweise wurde sie natürlich komplett neu gemacht.

      Welche Beiträge mit Kürbissen in der Vorschau meinst du?

      Antwort
  5. Doris

    Na , den Anbau und der Kuchen aus Tromboncino Kürbis. Die beiden Beiträge nach Das alte Haus.
    Das mit dem Lochfraß kann echt in die Hose gehen.
    Ein Paar das ich kannte wohnte in einem alten Haus, beschwerten sich irgendwann das der Boden im Badezimmer schwankte oder nachgab. Der Vermieter kam, hopste im Badezimmer rum, meinte, da ist doch nix und schwups war er durch den Boden gefallen und steckte in einem Loch fest.
    Die Beiden hatten dann längere Zeit nur Plastikfolie auf dem Loch 🙂

    Antwort

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