Das war der September (Willkommen Oktober)

Im September gab es immer noch große Ernten einzufahren und für den Winter zu konservieren. Abgeerntete Beete wurden mit Winterkulturen bepflanzt und ganz langsam konnten wir ein wenig das Tempo drosseln – oder vielleicht konnten wir es realistisch gesehen auch nicht drosseln, denn die Zeit reichte noch immer nicht für alles, was es zu tun gab – was ein recht unbefriedigendes Gefühl sein kann.
Aber im September muss man ja auch die wilde Ernte in Form von Waldpilzen einholen und damit Waldspaziergänge rechtfertigen.

Und im Wald kehrt augenblicklich Ruhe ein, es ist kühler, man selbst ist kleiner, die Schritte sind gedämpft durch dichtes Moos, der Blick wandert umher auf der Suche nach den guten Pilzen und der Geist entspannt.
Zumindest im Optimalfall. Und den hatten wir in etwa der Hälfte der Fälle.
Passend zu kühleren Abenden gab es also öfter langsam geschmorte Fleischgerichte mit vielen, vielen Pilzen und weniger die schnellen, fruchtig-leichten Gemüsepfannen.

Da hier ab Anfang Oktober mit den ersten Frösten gerechnet werden kann, haben wir im September den Großteil der Paprikafrüchte abgeerntet und für den Winter eingefroren.
Es ist ein seltsames Gefühl, noch so im Überfluss der Sommerfrüchte zu schwelgen, während zeitgleich deutliche Herbstboten wie Nüsse, Weintrauben, Äpfel und Pilze reif sind.

Die wenigen Kartoffeln, die wir anbauen konnten haben einen sehr guten Ertrag gebracht und waren gesund. Herrlich. Wie dumm müssen wir sein, sieht man sich einmal die dicken, rosa ‚Sarpo Mira‘ an und denkt an die alte Redewendung.

Für das Gros der benötigten Kartoffeln sind wir wieder zum historischen Kartoffelroden des Oldtimerclubs Bunsoh nach Arkebek gefahren. Dort werden die Kartoffeln mit historischem Gerät gerodet und können dann gestoppelt werden, also aufgelesen.
Vorher, zwischendurch und danach trifft man alte und neue Bekannte, Hillbillies und andere herrlich normale, echte Typen bei Bratwurst, Bratkartoffeln (klar, oder?) und selbst gebackenem Kuchen.
Wir geniessen diese Veranstaltungen in alter Tradition in vollen Zügen, immer in dem Bewusstsein, dass sowohl die Menschen, die sich dafür aktiv begeistern irgendwann aussterben werden wie auch, dass die Rahmenbedingungen nicht freundlicher werden.

Neben den bereits vorgestellten neuen Lieblingsgerichten des Sommers haben wir Letscho für uns entdeckt. Früher oder später kommt man als Selbstversorger mit Paprika-Überschuss vermutlich nicht an all‘ den klassischen Paprikagerichten vorbei, die es in den ursprünglichen Anbauländern so gibt – gut so. Wer weiß, was uns bislang noch so entgangen ist. Sobald ich meine Kochnotizen wieder gefunden habe, stelle ich unsere Letscho-Variante vor. (Und ich hoffe wirklich ernsthaft, dass mir nicht weiterhin so viele Notizen abhanden kommen, da muss sich was ändern)

Im Anschluß zeige ich noch ein paar Impressionen aus dem Garten im September. Wir nutzen jetzt auch wieder die Fläche süd-östlich vor dem Folientunnel, der Gatte baute dort neue Hochbeete, die für den Winter mit Kohl und Knoblauch bestückt sind. Ich testete den Herbstanbau von Puffbohnen, hatte aber bei 2 von 3 Sorten keine Fruchtbildung. In der südamerikanischen Ecke gedieh der Yacon prächtig, Helianthi – wie immer – auch und der Mais stand gut da, wurde aber sehr ungleichmässig und eher zu spät reif. Bei den Kürbissen waren die Hokkaidos eine Katastrophe und von den Butternuts hatte ich Unmengen – die sich leider nur kurz hielten. Ein kompletter Misserfolg also. Die Gartenhütte steht und wurde als schattiger, kühler Rückzugsort zum pu(h)len der Trockenbohnen genutzt. Die getauschte kompostierbare Mulchfolie ist ein Wachstumsstopper, die Pflanzen haben sich seit September nicht wirklich weiterentwickelt. Ich habe tollen Knoblauch ertauscht, jede Menge Knoblauchsorten auf sehr unterschiedlichen Wegen ergattert und wir haben neue Schafe aus der Arche Warder. 2 blutsfremde Auenlämmer sind zu uns gekommen und sollen im nächsten Jahr belegt werden, sodass wir 2021 dann hoffentlich eigene Lämmer haben werden.

Der Junior putzt, räumt auf und um, hat bereits Trotzanfälle und kann seine Schwester fachgerecht verpacken. Der Alltag wird noch etwas turbulenter.

Und Heinzi?
Heinzi ist der größte. Er hat festgestellt, dass man mithilfe seiner Krallen wunderbar am Folientunnel hochlaufen kann, um mal eben in etwa 3m Höhe an einer Sonnenblume zu schnuppern, die Spatzen zu erschrecken, die sich dort die Samen holen oder den Fernblick zu genießen.

Katze auf dem heißen Folientunnel

Die Katze auf dem heißen Plastikdach

7 Gedanken zu „Das war der September (Willkommen Oktober)

    1. Oli@Landidylle Autor

      Würde man die Arbeit ausklammern, könnte man wirklich neidisch sein. Mit Planung, Arbeit, Schmutz – aber auch der Freude und dem Stolz – ist dieser Erntesegen eine tolle Anerkennung!

      Liebe Grüße,
      Oli

      Antwort
  1. andersistauchgut

    Reicht die Zeit eigentlich jemals??? 😀
    So lernt man, Prioritäten zu setzen 😉
    Schön, von Dir zu lesen! Möge das neue Jahr genauso erfüllt und Ihr ebenso reich beschenkt werden. 🙂

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Nein, in dieser Lebenssituation reicht die Zeit nie. Mir fehlt sogar die Zeit in Ruhe darüber nachzudenken, wie ich meine Schwerpunkte anders legen könnte. Da ich ja aber von dieser unschönen Entwicklung auch hier öfter mal ehrlich berichte, bist du (nicht ganz) live dabei, ob ich den Dreh noch rausbekomme. 😉
      Vielen Dank für die guten Wünsche, die gebe ich dir dreifach zurück.
      Liebe Grüße

      Antwort

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