Porree-Anbau im Graben-System für extra lange weiße Schäfte

porree

Die Geschichte des landidyllischen Porree-Anbaus ist eine Erfolgsgeschichte und zeichnet sich dadurch aus, dass wir Jahr für Jahr gezeigt haben, dass wir dazulernen können – was für tendenziell eher späte Zünder wie wir es manchmal sind schon bemerkenswert ist.
Wir haben ja von Anfang an all‘ unsere Gemüsepflanzen selber aus Saatgut vorgezogen bzw. angebaut. Selten kommt es vor, dass wir auf dem Markt oder bei ähnlichen Gelegenheiten Jungpflanzen kaufen, eher schon, dass mit Gartenbekannten getauscht oder hin- und hergeschenkt wird.

Im ersten Jahr des Porree-Anbaus also habe ich fein nach Anleitung die Samen in der guten Anzuchterde versenkt, denn wir bevorzugen Jungpflanzen auszupflanzen vor der Direktsaat. Der Platz in den Hochbeeten ist kostbar und auf diese Weise können wir anstatt 1-3 Ernten im Jahr (wobei in hiesigen Gefilden ohnehin eher 1-2 realistisch ist) echte 3-5 Ernten erzielen. Bei Gemüsen mit langen Standzeiten im Beet wie Kohl und Porree kann man sich meiner Erfahrung nach aber schon über 2-3 freuen und für den Winter eher eine Untersaat mit Feldsalat machen, es soll ja Leute geben, bei denen der gut wächst.

Zurück zum Porree, im ersten Jahr also zeigten sich schon bald witzige und winzige Keimlinge. Diese wurden etwas stabiler, sahen aber im Mai immer noch aus wie Grashalme. Als ich nach den Eisheiligen die Porreepflänzchen (für den Winteranbau, ansonsten kann man das früher tun oder im Winter säen) ins Freiland setzen wollte und diese immer noch so mickrig aussahen, peitschte mich die Wut und Enttäuschung und ich liess die Pflänzchen in ihren Anzuchttöpfen in irgendeiner Ecke stehen. Die Hoffnung war, dass die dort noch etwas zulegen, sodass sich das Auspflanzen lohnt, aber … sie gingen natürlich ein.

Im zweiten Jahr spielte sich das Prozedere etwa genauso ab, nur dass ich den ‚Grashalmen‘ diesmal eine Chance gab und sie auspflanzte. Etwas Dünger dazu und siehe da: schon bald entwickelten sich die Pflanzen und sahen nach einiger Zeit aus wie Lauchzwiebeln. Ein erster Erfolg. Dann tat sich zunächst gefühlt eine ganze Weile nichts mehr. Im Herbst aber hatten wir stattliche Lauchstangen auf dem Beet stehen. Eindrucksvolle, kapitale Teile.

porree-gigantum

Leider war der weiße Teil vom Schaft etwas kurz. Aber ich habe nie gefunden, dass man den grünen Teil nicht verwenden kann, also störte ich mich nicht so sehr daran. Ich glaube sogar, dass ich die Stangen etwas durch Anhäufeln gebleicht habe.
Der Ehrgeiz war allerdings geweckt doch einmal längere weiße Schäfte zu erzielen, als ich einsah, dass es für manche Gerichte doch vorteilhaft wäre, mehr zarte, feine Teile zu haben. Zum Beispiel für meine heiß geliebte Quiche aus Lagergemüse: Hokkaido-Porree-Quiche.
Ich ernte den Porree irgendwann im Winter wenn der Boden (wieder) offen ist, die Pflanzen können hier theoretisch den ganzen Winter draussen bleiben, nur fällt die Ernte schwer, wenn der Boden gefroren ist. Im Haus lagere ich die Stangen in Eimern mit Sand aufrecht stehend eingeschlagen.

porree_pflanzung

In der letzten Saison schliesslich, setzte ich die Porree-Pflänzchen zum Bleichen in Gräben. Jede Pflanze bekam eine gute Handvoll Rindermist an die Basis und musste sich im Schatten von riesiger roter Melde und Pastinaken in Nachbarschaft zum Rettich behaupten. Zunächst sah es wieder so aus, als würde aus dem Lauch nie mehr etwas werden, aber man darf sich von diesem Gewächs nicht ins Bockshorn jagen lassen!
Ich ebnete den Graben Zug um Zug ein, sodass die Porreestangen bis zum Hals in der Erde standen. Zeitweise guckte nur noch so wenig von der grünen Spitze heraus, dass ich dachte, das würde nie für genug Photosynthese reichen. Tat es aber. Zuletzt häufelte ich die Erde sogar noch etwas an.

porree-januar-beet porree-januar-beet2

Wie die Porreestangen so in der Erde stehen, sehen sie eigentlich ganz normal aus; dick und fett, blaugrün, nichts weißes zu sehen. Natürlich.
Die Ernte ist nun ein bisschen aufwändiger geworden, man muss nämlich viel tiefer graben und hätten wir den Porree nicht im Hochbeet mit lockerer Erde angebaut, würden wir die kompletten Pflanzen sicher nicht heil aus der Erde bringen. Um genau zu sein, muss man nämlich weiter als 30 cm tief senkrecht das Erdreich ausheben. Sehr viel zerstören kann man dabei nicht mehr, ein paar Pastinaken müssten sich noch in der Nachbarschaft befinden, ansonsten ist das Beet abgeräumt (und nicht gemulcht wie mir gerade unangenehm auffällt).

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Und das ist das beeindruckende Ergebnis, über 30 cm zarter, weißer Schaft und darüber immer noch genug herzhaftes ‚Grünzeug‘ mit durchdringenderem Geschmack. Grob geschätzt ist das im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um das doppelte bis dreifache.
Dank meinem heiß geliebten und hoch verehrten Waverley Root weiss ich nun auch, dass Porree von Freundes des Lauchs als der ‚Spargel des armen Mannes‘ bezeichnet wird; bislang dachte ich, die Schwarzwurzel sei das, aber die ist vielleicht des ‚kleinen Mannes Spargel‘.
Er schreibt: „daß sie gar nicht so unrecht haben, kann man feststellen, wenn man Lauch wie Spargel zubereitet – nicht zu weich gekocht und mit einer Vinaigrette aus Nußöl, Orangensaft und etwas Orangenschale angemacht.“
Ebenfalls durch Waverley Root habe ich erfahren, dass Demokrit (460 bis etwa 370 v. Chr.) empfahl, „die Samen anderer Gemüse in Lauchsaft einzuweichen, um sie so gegen Mehltau und Fäule zu imprägnieren“.

Die Bio-Gärtner von heute setzen also nur endlich fort, was seit tausenden von Jahren anscheinend erfolgreich praktiziert wurde. Fast könnte man jubilieren, dass der Gift-Wahn unserer Großeltern nur ein – zwar schwerwiegendes – aber immerhin kurzes Intermezzo in der Menschheitsgeschichte war – aber die gegenwärtige Entwicklung, bei der die Lobbyisten der Giftmischer und Saatgutmanipulierer Politiker samt ihrer Entscheidungsbefugnis einkaufen sieht leider nicht so aus, als dürften wir innehalten mit dem Widerstand auf der eigenen Scholle.

Apropos Saatgut, aber überaus milde Winterbeginn hat leider dazu geführt, dass die Porreepflanzen vor der Zeit Blüten geschoben  haben, zwar blühen sie natürlich noch nicht so schön wie auf dem Foto, welches vom letzten Sommer ist, aber die Entwicklung ist da. Und dass, obwohl sie eigentlich erst mit länger werdenden Tagen einsetzen sollte wie ich las …
DasErgebnis bleibt gleich: zum Verzehr sollen blühende Porreepflanzen nicht mehr geeignet sein und ich sollte mich sputen, die verbleibenden nicht blühenden Pflanzen zu ernten und in Sand eingeschlagen ins Haus zu holen!

porreebluete

6 Gedanken zu „Porree-Anbau im Graben-System für extra lange weiße Schäfte

    1. Landidylle Autor

      Danke! 🙂
      Es tut gut, den Garten in der Üppigkeit des Sommers zu sehen. Immer im Winter wenn alles so kahl ist, kann ich mir gar nicht vorstellen, dass das alles mal wieder grün wird.

      Antwort
  1. hannah - fahrtrichtung eden

    Habt ihr auch schonmal Porreesamen geerntet? Das würde mich interessieren, ob das möglich ist…
    Ansonsten kann ich nur bestätigen, was du schreibst… wir wollten im letzten Jahr die mickrigen Porresprösslinge schon fast alle entsorgen, weil sie soooo klein waren – dann haben wir ihnen doch eine Chance gegeben, und es ist noch bester richtiger Porree daraus geworden 😀
    Liebe Grüße!

    Antwort
    1. Landidylle Autor

      Nein, die Blüte hat sich irgendwann (mit Samenansätzen) im Sommermonsum geneigt, bis der schwere, durchtränkte Kopf auf den Boden fiel. Dann gammelte sie ganz idyllisch zwischen Ringelblumen und Dill vor sich hin. 😦
      Das ist hier ohnehin ein großes Problem: die Nässe im Sommer/Spätsommer. Ich werde voraussichtlich auch nie Sonnenblumenkerne von meinen ganzen schönen Sonnenblumen ernten können, weil die IMMER dauernass werden und schimmeln.
      Liebe Grüße zurück!

      Antwort
  2. birthesgartenzeiten

    Ein sehr informativer Bericht – und schöne Fotos ! Das hat sich ja wirklich gelohnt , solche gigantisch langen Schäfte… TOLL :-). Das mit den Pflanzgräben werde ich dieses Jahr auch mal versuchen, Danke auch für den Tipp mit dem Einweichen der Samen in Lauchsaft – auch das werde ich ausprobieren, z.B. bei Zucchini und Gurken…
    Herzliche Grüße, Birthe

    Antwort

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