Die Ernte geht weiter: Grünkohlernte im Januar mit Einsichten & Überraschungen

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Vor dem sowohl angekündigten, als auch be-merk-enswerten herannahenden Unwetter habe ich noch schnell einen Gartenrundgang gemacht um zu sehen, welche Pflanzen, die den Winter draussen verbringen, eventuell Schaden nehmen könnten.
Grünkohl.
Grünkohl wollten wir ohnehin demnächst essen und bevor mir Starkregen, Hagel oder Meteoritenschauer die Blätter zerschlagen, habe ich ihn kurzerhand geerntet.
Man kann eindrucksvoll sehen, dass Barfröste dem Grünkohl nicht guttun. Es betrifft zwar fast ausschliesslich die äusseren, groben Blätter, aber die ausgetrockneten braunen und aufgeweichten rosa-bräunlichen Stellen sind ungeniessbar. Zumindest für uns, die Kaninchen feiern ein großes Grünkohl-Fest heute …

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Apropos Grünkohl, man möge mir verzeihen, dass ich nicht auf der Höhe der Zeit bin, natürlich heisst das Zeug nicht mehr – wie in meiner Kindheit – Grünkohl und gehört in die Kategorie ‚regionale Hausmannskost‘ – nein!, heutzutage ist das KALE und ein Superfood, Powerfood, Megafood, gigantomanisches Grünzeugs eben.

Und weil Super-Kale auch Super-Kräfte verleiht, hat sich mitten im Januar, wenige Tage nachdem der Schnee getaut und der Boden nicht mehr steinhart gefroren war, eine Raupe, die anscheinend Frostschutz getankt hatte an meinem schönen, altmodischen Grünkohl gelabt.

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So durchscheinend-glasig wie sie aussah, dachte ich zunächst etwas schadenfroh, dass sie, wie in einem schlechten Emmerich-Film, von einem Wintereinbruch überrascht wurde und mausetot ist. Als ich sie aber antickte, liess sie sich fallen und krümmte sich auf dem Boden zusammen.
Eine wahrhaft lebende Raupe habe ich so bewusst im Januar noch nicht gesehen, schon gar nicht direkt nach dem Frost.
EDIT: Laut Walter Schön von Schmetterling-Raupe.de handelt es sich um die Raupe der ‚Hausmutter‘.

raupe

Der geerntete Grünkohl reicht anscheinend nur für ein Gericht und daran sind nichtmal die Kohlweißlinge des Sommers, der Barfrost, meine späte Ernte oder die unbekannte Raupe schuld. Grünkohl nimmt unheimlich viel Platz im Beet weg und bildet dabei recht wenig Masse. Hätten wir stattdessen Kopfkohl gepflanzt, hätten wir einen Monat lang Gemüse gehabt. Ungefähr. Optimistisch betrachtet. Es sei denn, man zieht sich solche Kümmerlinge ran, wie hier auf dem Foto zu sehen.

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Die meisten klitzekleinen Rotkohl-Pflänzchen habe ich rechtzeitig abgeerntet, sie waren sehr schön zart und haben sich z.B. in diesen Herbst-Wraps gut gemacht, aber sehr lagerfähig waren sie nicht. Einige musste ich entsorgen.

Streng genommen haben wir viel Kohl entsorgt dieses Jahr. Glücklicherweise müssen wir von unserer Selbstversorgung nicht leben. Und vom ‚Kale‘. Grünkohl sollte man hier vielleicht wirklich nur als Delikatesse anbauen wenn es auf ein wenig mehr Platz oder weniger nicht ankommt. Und dass, obwohl das Kohlanbaugebiet schlechthin direkt über uns liegt.
Und vielleicht wäre es auch sinnvoll, neben Kulturschutznetzen für eine rechtzeitige Aberntung zu sorgen, bevor Barfröste Schaden anrichten können. Dann lieber das Gemüse einkochen anstatt die Hasen damit füttern!

 

16 Gedanken zu „Die Ernte geht weiter: Grünkohlernte im Januar mit Einsichten & Überraschungen

  1. Miri & Papa

    Ach ja…das Superfood. Wenn es den Leute hilft, sich gesünder und saisonal zu ernähren, von mir aus 😉 Hier im Süden kann man inzwischen auch überall Grünkohl kaufen. Ich hatte den letztes Jahr zum ersten Mal und muss sagen, dass er mir sehr gut schmeckt! Lg, Miriam

    Antwort
    1. Landidylle Autor

      Das freut mich, mitunter scheint Grünkohl für südliche Zungen gewöhnungsbedürftig zu sein habe ich gehört :D. Umso schöner wenn es für Dich passt! Übrigens erzählte meine Tante mir gestern von einem Rezept, bei dem Grünkohl nur leicht gedünstet und mit irgendwelchen Früchten und Shrimps serviert wird. Leider habe ich Details vergessen, aber das wäre natürlich auch noch eine Möglichkeit. Hörte sich spannend an.

      Antwort
  2. michael - fahrtrichtung eden

    Hallo 🙂

    Schöner Bericht! Habt ihr die Schnecken-Krägen wegen den Schnecken dran? Habt ihr so einen hohen Schneckendruck oder nutzt ihr noch andere gute Eigenschaften davon (Windschutz o.ä.)? Haben überlegt, ob wir uns auch solche Krägen zulegen sollen, da wir ja auch alles vom Samenkorn an hochziehen. Und mit diesen Krägen könnte man ja eventuell das Kleinst-Klima im Beet verbessern, oder? Denn Schnecken gibt es bei uns quasi garnicht…
    Wie ist deine Meinung dazu?

    Viele liebe Grüße und lasst euch den Kohl schmecken!

    Micha 🙂

    Antwort
    1. Landidylle Autor

      Moin Michel (so werden Michaels bei uns genannt) 😉
      Die Krägen waren in dem Fall wirklich wegen der Schnecken dran, wir haben hier sehr mit Nacktschnecken zu kämpfen. Letzte Saison waren es mal weniger, aber den Kohl mochten sie, daher haben wir ihn geschützt. Und dieses Jahr habe ich vor wenigen Tagen – nachdem der Boden gerade mal eben wieder offen war und der Schnee weggetaut – die erste kleine Nacktschnecke getrofen. Ihr schmeckte mein ‚Grün im Schnee‘.
      Zur Verbesserung des Mikroklimas sind die Krägen allerbest, es gibt dazu beim Biogartenversand Hof Jeebel die passenden Treibhausdeckel, in meinem Beitrag über ‚Paprikaanbau in Norddeutschland‚ habe ich davon berichtet. Das sind zwar erstmal heftige Anschaffungskosten, aber ich bin von den Dingern mittlerweile überzeugt, selbst meine etwa 80-jährige Nachbarin hätte sich solche angeschafft, wären die in einem für sie geläufigen Laden (Landhandel) verfügbar.
      Wie lange die Krägen samt Deckel halten muss ich noch herausfinden, ich habe sie über Winter draussen gelassen (was wirklich schade ist und dämlich von mir), ich berichte sonst in einigen Monaten mal, ob sie gelitten haben. UV-stabil sind sie zumindest.
      Liebe Grüße zurück und der Kohl hat sehr gut geschmeckt, morgen kommt der Bericht!
      Oli

      Antwort
  3. neulandwegovegan

    Ich habe vorletzten Sommer ganz viel Kohl angepflanzt und hatte nicht viel davon, weil ihn die Schnecken und Raupen geplagt haben. Letztes Jahr dann Grünkohl, das war besser. Es waren auch nur ein paar Pflanzen, aber die Ernte war größer 🙂 Also Du siehst, wie man´s macht…..

    Antwort
    1. Landidylle Autor

      Moin!
      Ich glaube, vorletzte Saison hatten wir auch mehr Ertrag pro Flächeneinheit beim Grünkohl, auch eine andere Sorte, aber der war nicht essbar, weil er gegen den ‚Ungezieferdruck‘ Abwehrstoffe gebildet hat und schon auf Entfernung so richtig scharf kohlig roch.
      Manchmal ist es echt schwierig, noch leckeres Gemüse zu ernten, was von den Gartenmitbewohnern verschont wurde. Und ich muss wirklich mal Kulturschutznetze anschaffen.
      LG

      Antwort
  4. birthesgartenzeiten

    Hallo,
    Grünkohl werde ich nächste Saison definitiv auch anbauen, bin gespannt, ob und wie es in unserer Region gedeiht. Das stimmt wohl – kaum gibt man dem Gemüse wohklingendere Namen, schon schmeckt es besser ;-). .
    Schnecken machen mir keine Angst – eher die Wühlmäuse…
    Die Raupen kenne ich, die finde ich beim Frühjahrs-Erdbeerputz auch immer, Deine sind aber wirklich früh dran – gefährlich, denn man erwartet sie noch nicht am Gemüse und schon können sie sich satt fressen ;-).
    Liebe Grüße, Birthe

    Antwort
    1. Landidylle Autor

      Wühlmäuse haben wir hier leider auch. Die Hochbeete haben wir zwar von unten mit Kaninchengitter abgedichtet – aber die Mäuse steigen von oben ein.
      Liebe Grüße zurück

      Antwort
      1. Landidylle Autor

        Beruhigend, dass nicht nur wir diese Terror-Mäuse haben. Da hätten wir uns eine Menge Geld und Arbeit sparen können, hätten wir das vorher gewusst/geglaubt, dass es so gut wie keinen Unterschied macht. Interessanterweise liest man ja in fast jedem Artikel in Gartenzeitschriften etc., dass man unbedingt ein Gitter einziehen soll – langsam glaube ich, dass die alle nie ein Hochbeet betrieben haben. Naja, selbst gemachte Erfahrungen sind eh die besten

  5. Doris

    Meine Omma hatte Grünkohl im Kleingarten , der sah allerdings besser aus trotz sandigen Boden . Irgendwie kann ich mich auch nicht daran erinnern das wir Verluste durch Wühlmaüse oder fette Raupen gehabt hatten . Der Nachbargarten war TOTAL verwildert . Im Frühbeet war immer Melde , später im Jahr Salat .. Ein Beet mit Kartoffeln , ein paar Reihen Schwarzwurzeln , Rosenkohl ,Grünkohl ,Lauch und Petersilie .
    Der Boden war wegen dem Sand sehr trocken .

    Antwort
  6. Landidylle Autor

    Ich habe zu spät geerntet, während der Fröste nicht abgedeckt und wir sind nahe am Kohlgebiet wo es natürlich mehr darauf ausgerichtete Schädlinge gibt. Das sind denke ich die wichtigsten Punkte.
    Bestimmt hatte deine Oma auch mehr Erfahrung als ich. 🙂

    Antwort
  7. Doris

    Ja, das mit den Schädlingen die wissen wo was zu holen gibt ,das wird es sein .
    Meine Omma hatte glaube ich nicht viel Erfahrung obwohl sie aus einem Dorf im Münsterland stammte . In mehreren Blogs habe ich gelesen das auch die jungen Blätter vom Rosenkohl gegessen werden . Sowas kannte man nicht . Samen wurde auch nicht von den Pflanzen gesammelt , entweder junge Pflanzen gekauft oder jedes Jahr neuen Samen . Ach so , man war der Ansicht das von eigenen Pflanzen der Samen immer schwächer wurde . Da ist vielleicht auch was dran , keine Ahnung .
    Was ist mit Stilmus ? Kennt man das da oben ? Im Spätsommer kommen Knollen dran , ich nehme an das man die auch essen kann , aber meine Mutter wollte nicht .

    Antwort
    1. Landidylle Autor

      Stielmus kennt man hier, glaube ich, nicht. Ich kenne es halt aus Berichten aus dem Forum, habe es aber noch nicht getestet weil es mir irgendwie wie Verschwendung vorkommt, wenn man die Blätter isst und die Rübe nicht mehr ernten kann. 🙂
      Aber vielleicht probiere ich es ja mal, es wird wohl sehr viel dichter gesät wenn man die Blätter ernten will, als wenn man an die Rübe will.
      Vom Rosenkohl kann man oben den ganzen kleinen ‚Kopf‘ ernten und zubereiten, dann geht die Kraft der Pflanze in die Röschen – vergesse ich allerdings meist.

      Antwort

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