Pinđur oder Pindjur – ein mazedonisches Relish aus Paprika und Tomaten

Pindjur selber machen, ein bosnisches Rezept

Vor einiger Zeit begutachtete ich im Laden ein Glas hochwertiges Pindjur mit einer sauberen Zutatenliste, kostete es und war sehr angetan. Natürlich kam sofort die Frage auf, ob ich das nicht auch selber machen könnte. Zwar läuft der Paprika-Anbau echt gut hier, aber von ausgereiften, roten Paprikas kann ich nur träumen. Von Tomaten reden wir lieber nicht, ausser Wildtomaten, darüber können wir reden, aber für eine reelle Portion Pindjur bräuchte ich da schon eine veritable Menge gleichzeitig gereifter Wildtomaten. Pindjur aus eigenem Zutaten fällt also flach solange wir kein Glashaus haben, aber selber machen kann man es ja immerhin. Schon mal, als Trockenübung sozusagen.

IMG_2803 IMG_2802Pindjur, so kann man überall lesen, kommt aus dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien und Bulgarien. Im Gegensatz zu Ajvar soll bei Pindjur immer Aubergine enthalten sein. Das ist falsch.

Sowohl in meinem gekauften Pindjur sind keine Auberginen enthalten, als auch bei dem via Bosnien gefundenen mazedonischen Rezept hier auf deutsch, welches ich verwendet habe.  Ich habe festgestellt, dass Pinđur anscheinend so richtig ernsthaft im großen Stil gekocht wird. Würde ich vermutlich auch machen, wenn Paprika und Tomaten frohen Mutes und sonnenverwöhnt in meinem Garten wachsen und ausreifen würden.

Da sie das aber, wie gesagt, nicht tun und wir anstatt rote Paprika zu kaufen auf die mal wieder vorhandenen, süßen Chilis und Tomaten aus einem fremden Glashaus zurückgreifen mussten, habe ich die Mengen angepasst, das Verhältnis aber natürlich in etwa belassen.

Die Crux ist, dass bei dieser kleinen Menge nicht spontan genug Flüssigkeit entsteht und man gut daran tut, zunächst etwas Wasser zuzugeben und später dann eben länger reduzieren oder ein flüssigeres Pinđur in Kauf nehmen muss.


Pindjur kochen

Das waren meine Zutaten für 500ml Pinđur:

  • 600g rote Chili
  • 300g Tomaten
  • 10 ml Essig
  • 1/2 TL Salz
  • 1/2 TL Zucker
  • 3ml Öl
  • 2 Knoblauchzehen
  • 1/4 Handvoll gehackte Petersilie

Die Tomaten werden gebrüht und die Haut abgezogen. Die Kerne werden eigentlich nicht entfernt, ich habe es in diesem Fall getan. Tomaten würfeln und mit dem Essig eine ganze Weile köcheln lassen. Die Dauer hängt von der Menge der Zutaten und dem Flüssigkeitsgehalt ab, bei mir waren 10 Minuten bald zuviel, bei großen Mengen dauert es 45 Minuten.

Benutzt man Paprika, gibt man diese solange bei Oberhitze in den Ofen, bis die Haut Blasen wirft, dann kann man sie leicht abziehen.

Ich konnte auf diese Erleichterung nicht zurückgreifen und habe die süßen, roten Chilis bis auf einige wenige entkernt und zunächst so gekocht.

Mazedonisches Pindjur

Das Öl, Salz, der Zucker, der fein gehacktem Knoblauch und die gehackte Petersilie werden nun zu den gekochten Tomaten gegeben und zusammen nochmals 20 Minuten kochen gelassen.

Erst dann fügt man die Paprikas/Chilis zu, kocht nochmals 10 Minuten und schmeckt dann ab.
Im Falle der Chilis kommt nun der Moment, wo man mit geeignetem Werkzeug bewaffnet die Häute von den Schoten ziehen muss. Das ist echte Fummelei und führte in Folge dazu, dass mein Pindjur eine echte Luxusration war. Als Aufstrich oder Dip eine Wucht, besonders gut vermutlich auch wie oftmals empfohlen zu Ćevapčići (die ich seit ewigen Jahren nicht mehr gegessen habe, vermutlich gab es sie in meiner Kindheit einmal zu oft).Häute von den Chilis abziehen

Ich habe das Pindjur nicht nur heiß eingefüllt, sondern für 15 Minuten eingekocht, in den Kommentaren der verlinkten bosnischen Seite kann man allerdings von verschiedenen Vorgehensweisen lesen, die ganz offensichtlich in der Praxis prima funktionieren, vom Aspekt der Lebensmittelsicherheit her aber nicht zu empfehlen sind.

Pinđur selbst gemacht

9 Gedanken zu „Pinđur oder Pindjur – ein mazedonisches Relish aus Paprika und Tomaten

  1. Jacqueline

    Das klingst sehr lecker 🙂 Leider habe ich mit den Paprikas das gleiche Problem. Bei mir wurde keine einzige reif 😦 Und von den Tomaten waren nicht genug einer Sorte auf einmal bereit. Naja, aber lecker klingt es, und ihr habt es ja auch aus frisch angebauten Zutaten gekocht 🙂

    LG
    Jacqueline

    Antwort
      1. Jacqueline

        Wenn das Wetter weiterhin so heiß bleibt wird das bestimmt was 😉 (Nur sollte es aufhören gleichzeitig so trocken zu sein. Zumindest bei uns. Dann wächst ja auch nix)

    1. Oli@Landidylle Autor

      Ha, das hat mir keine Ruhe gelassen. Malitzano scheint eine weniger gängige Schreibweise zu sein, Malidzano sieht seltsam aus, scheint aber geläufiger zu sein – zumindest im englischen Sprachraum. Auf deutsch gibt es kaum Ergebnisse – könnte auch daran liegen, dass es eher unbekannt ist? Ich kannte es bis eben auch nicht, es erinnert mich aber sehr an einen georgischen Dip. Auch wenn ich Auberginen nicht in jeder Zubereitung mag, als Dip sind sie meist unschlagbar (z.B. https://landidylle.com/2015/10/10/feigen-aubergine-feta-creme/)
      Ich würde das sehr gerne mal testen. Vielen Dank für den Hinweis!

      Und Pindjur in Mazedonien würde ich definitiv auch nicht ausschlagen, es muss toll sein dort, oder?

      Antwort
      1. Oli@Landidylle Autor

        Die Seite sieht interessant aus, die Produkte lecker und Tavche Gravche klingt viel schöner als Baked beans. Ich denke, da werde ich mal shoppen und verkosten, vielleicht lohnt es sich, eine Rezeptur nachzuahmen.

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