Zurück zum Ursprung, kochen im Dutch Oven

Dutch Oven in der Feuerstelle

Vor einiger Zeit erwähnte ich schon kurz, dass hier ein Dutch Oven eingezogen ist und nun möchte ich von meinen Erfahrungen damit und meinen Gedanken dazu aus Sicht des norddeutschen Selbstversorgers berichten.
Zunächst einmal wundert es mich ungemein, dass man im Zusammenhang mit Dutch Ovens gemeinhin ausschliesslich die Schlagwörter draussen kochen oder outdoor cooking hört.
Natürlich punktet der Topf dort – am offenen Feuer oder über glühenden Kohlen – ganz besonders, aber wer etwas weiter denkt wird sofort feststellen, dass ein Bräter aus Gusseisen sich auch auf dem modernen Gasherd oder im Backofen gut macht. Ob er auf Füßen steht oder nicht.

Quelle: Russell Lee, May 1939. Via Wikipedia

In jüngster Vergangenheit wurde der Dutch Oven wohl von Grillsportlern wiederentdeckt, davor war er ein beliebtes und praktisches Requisit in Lagern von Trapper- und Western-Fans.
Vor auch nicht sooo langer Zeit nahmen europäische Siedler die Pötte mit auf ihren Weg nach Amerika und dort bewährte sich der Allrounder dann so richtig. Trapper, Siedler & Cowboys gleichermassen nutzten Dutch Ovens sowohl in ihren (mobilen) Außenküchen und über dem Lagerfeuer, als auch auf dem offenem Herdfeuer in den Hütten.

Und da kommt er auch her. Der Grapen. Die Gefäßform, die der Ursprung des Dutch Ovens ist, stammt laut Wikipedia aus dem 12. Jahrhundert und wurde erst im 18. Jahrhundert durch moderne Töpfe ersetzt, als geschlossene Herde aufkamen.

Wapen von GokelsHier bei uns in Schleswig-Holstein und im südlichen Dänemark verwendete man Töpfe aus Keramik mit drei Füßen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts.
Die Jütepötte.
Amüsant die bei Wikipedia hinterlegte Anekdote über die Beschaffung der swarten Pötte im Heimatland des eingeborenen Gatten.

Auch das Wappen unserer Gemeinde ziert ein Grütztopf aka Grapen (sowie ein Hünengrab); seine Geschichte geht auf 1500 Jahre alte nordische Sagen zurück.


So weit, so gut. Egal ob man es Grapen, Jütepötte, Pottjies oder Dutch Oven nennt und ob sich das Material oder die Form unterscheidet: Erfolg gibt recht und was sich über so lange Zeit und in vielen Regionen durchgesetzt hat, muss gut sein.

Im Selbstversorgerhaushalt wird so ein Dutch Oven zum Allrounder und ich denke, dass es fallweise nicht dumm wäre, komplett auf Dutch Ovens zu setzen.

Natürlich ist das nichts für Leute mit Ceranfeld und Mikrowelle, wer aber auf einer Küchenhexe oder einem stabilen Gasherd kocht, braucht damit ab sofort eventuell nur noch eine Garnitur Kochgeschirr für drinnen und draussen.

Dutch Oven auf dem Gasherd

Ich bin ja ein großer Fan von gusseisernem Kochgeschirr und wuchs zumindest mit gusseisernen Pfannen auf; umso mehr wundere ich mich, wie lange ich es ohne diese aushielt bevor ich mir eine Grillpfanne und eine Bauernpfanne zulegte.
Um die gusseisernen Bräter von Le Creuset, Staub & Co. schlich ich lange herum. Zum Glück! Abgesehen von einem ovalen Gänsebräter ersetzt so ein Dutch Oven meiner Meinung nach nämlich leicht die gängigen Formate.

Redundanz im Topfschrank ist ungefähr so lästig wie ein Kropf und war es auch schon bevor Minimalismus berechtigterweise als Heilmittel gegen Konsumwahn chic wurde.
Ernsthaft. Also: wozu mehrere Kochtöpfe und Bräter derselben Größe und Funktion besitzen und noch dazu Equipment zum Kochen draussen auf offenem Feuer, wenn man alles mit einem Topf abfackeln kann?

Ich denke sogar, dass Dutch Ovens sich sehr gut in einem Solarofen machen würden. In dem Fall würde ich dann vermutlich die Variante ohne Füße wählen, damit die Auflagefläche auf der warmen Oberfläche vergrößert wird. Zu gerne würde ich einen Versuch damit wagen!


Dutch Oven an der Feuerstelle

Mein Dutch Oven ist der Feuertopf ft6 (reicht gut für 4-6 Personen) von der Firma Petromax, durch den Deckel mit Vertiefung und die Standbeine ist er prädestiniert für den Einsatz im Feuer oder mit Kohlen. Es gibt wunderbar kompakte Bücher, in denen ziemlich idiotensicher die ersten Schritte beim Kochen mit dem Dutch Oven erklärt werden und ich muss den Inhalt hier wirklich nicht wiederholen. Zumal jeder ein wenig selber experimentieren sollte. Aber ich stelle die Bücher gerne zu einem späteren Zeitpunkt einmal vor.

Fakt ist: durch den vertieften Deckel kann man Briketts, Kohlen, glimmendes Holz auf dem Deckel positionieren, ohne dass Teile davon beim Öffnen in den Topf fallen. Dadurch kann man für Oberhitze sorgen und den Topf wirklich als eine Art Ofen nutzen. Sogar Brot kann man im Dutch Oven backen.

Ich wünschte, ich wäre auf die Idee gekommen einen Dutch Oven zu nutzen, als hier die Baustellenküche in Betrieb war und ich über 3 Jahre komplett ohne Backofen kochen musste.

Den Deckel selbst kann man übrigens als Bratpfanne benutzen. Auch er hat 3 kleine Füße, auf denen er sicher stehen kann.

Deckel vom Feuertopf und gusseiserne Bratpfanne im Vergleich

Derzeit ist der Topf hier sowohl drinnen als auch draussen im Einsatz. Drinnen auf dem Gasherd und draussen wahlweise in der Feuerstelle oder in einer Feuerschale. Die Feuerschale der Firma flammo ist im Prinzip ein kleiner Beistellherd für draussen. Schwer und robust, dreibeinig und damit glücklicherweise ziemlich unkippbar. Selbst gemachte Holzkohle oder Grillbriketts sind hier die Hitzequelle der Wahl. Diese werden in der Feuerschale verteilt, der Topf darauf positioniert und gegebenenfalls noch Glut auf den Deckel gelegt. So kann man gemütlich und rückenschonend draussen kochen, Beilagen zum Grillen zubereiten oder später am Abend ein kleines Lagerfeuer auf Augenhöhe entfachen.

Effizient und kostenneutral zu betreiben

Was für den Selbstversorger noch interessant ist, ist die Tatsache, dass der Dutch Oven wirklich nur einen minimalen Einsatz von Brennmaterial verlangt. Egal, ob man ein wenig Kohle selber macht (es gibt auch Pyrolyseöfen im Handtaschenformat) oder Holz benutzt: eine gute Handvoll reicht für die meisten Gerichte wohl vollkommen aus.
Ich habe beim ersten Einsatz viel zu viel Brennholz benutzt, ein paar dickere Stöcke hätten gereicht. Davon haben wir beim Holz machen und normalen Rückschnitt der Bäume und Sträucher mehr als genug und da die Asche wieder auf den Knick wandert, ist die Sache im Sinne der Kreislaufwirtschaft echt nachhaltig.

Noch mehr Brennmaterial kann man sicherlich einsparen, indem man den Feuertopf auf einem Rocket Stove, einem so genannten Raketenofen positioniert. Bei dieser Konstruktion wird nur sehr wenig Brennmaterial benötigt und man kann auch sehr dünne Äste und Reisig benutzen – durch den starken Luftzug entwickelt sich eine starke Hitze und der Herd wird dadurch enorm effizient. Ich habe schon länger Baumaterial dafür gesammelt und obwohl ein Rocket Stove im Handumdrehen gebaut ist, habe ich das Projekt bislang nicht vollendet.

Ein wirklich angenehmer Punkt ist das Kochen mit Aussicht. Dadurch, dass die Feuerschale mobil ist wie ein kleiner Grill, kann und sollte man sie dorthin stellen, wo man es sich gerade hübsch macht. Stichwort quality time und inmitten der rasenden Zeit möglichst viele schöne Momente aus dem Leben rausholen.
Ich zumindest geniesse es, beim Kochen den Wasserbüffeln zusehen zu können, den Rotmilan zu beobachten, der im Tiefflug über unserem Grundstück kreist oder gesellig am Terrassentisch sitzen zu können während das Essen brutzelt und nicht alleine in der Küche im Haus zu stehen.

Ein möglicher Nachteil könnte für manch einen sein, dass sowohl der Dutch Oven als auch die Feuerschale recht schwer ist, dass ergibt sich allerdings aus der hohen Qualität. Zumindest für untrainierte oder eingeschränkte kann das ein Punkt sein, der Selbstversorger bewegt in seinem Garten sicherlich regelmässig ganz andere Dimensionen als diese paar Kilo, aber der Vollständigkeit halber gebe ich zu bedenken, dass stabile Qualität nicht zum Gewicht von Plünn & Plastik zu haben ist.
Die Kocheigenschaften des Dutch Oven profitieren allerdings, wie gesagt, sehr von dem Gewicht und der Masse. Die hohe Wärmeleitfähigkeit des Gusseisen und die Bauweise sorgen dafür, dass man wenig Energie zum Kochen benötigt und die Speisen gleichmässig gegart werden.
Eine Gemüsepfanne wird so schonend gegart, dass die Farben der Zutaten schon von weitem signalisieren, dass die wertvollen Inhaltsstoffe erhalten blieben.

Welche Art von Dutch Oven man nun wählt, muss man abwägen: Größe, Füsse oder nicht (im Lagerfeuer kann man auch ein Dreibein unterstellen), eingelassener Deckel oder eher der Pottjie-Stil … alles hat seine Vor- und Nachteile. Einen Überblick über verschiedene Dutch Ovens sowie reichhaltige Informationen zur Benutzung findet man hier bei Fire & Steel.
Ich bin mit dem Feuertopf ft6 mit Beinen und eingelassenem Deckel sehr zufrieden und würde, wie gesagt, für den Test mit einen Solarofen nur gerne die Variante ohne Beine haben und eventuell noch einen separaten Dutch Oven für Brot oder Süßspeisen.

Insgesamt halte ich den Einsatz von Dutch Ovens im Selbstversorgerhaushalt für ausgesprochen sinnvoll und ich danke der Firma Fire & Steel, die mir den Feuertopf, die Feuerschale von flammo, echt gute lederne Grillhandschuhe ebenfalls von flammo, den Deckelheber und Bücher mit Rezepten für und über die Benutzung von Dutch Ovens bereitgestellt hat!

Insbesondere möchte ich an dieser Stelle die gute, konstruktive und angenehme Kommunikation hervorheben. Ich schätze es sehr, wenn man nordisch freundlich und entspannt miteinander umgeht und empfehle die Firma alleine deswegen schon sehr.

Einen Dutch Oven hatte ich schon lange auf meiner Wunschliste und früher oder später hätte ich mich zu einer Entscheidung durchgerungen und mich für ein Modell entschieden. Umso mehr freut es mich, dass im Rahmen dieser Kooperation eine win-win-Situation entstanden ist, wie ich sie schätze und fördere!

Eigene Kreationen aus dem Dutch Oven stelle ich im Verlauf mit Rezept vor.


Am Pfingstsonntag waren wir mit dem Waldmenschen und seiner Frau in einem Western-Camp, wo es unheimlich spannende, authentische Utensilien aus der Siedlerzeit im Praxiseinsatz zu sehen gab. Sowas ist für mich besonders interessant weil alles solide, einfach und hochfunktional ist. Sehr gerne hätte ich euch Fotos von den tollen Eindrücken, von Feuerstellen und Dutch Ovens gezeigt, aber meine Speicherkarte ist nach dem ersten Foto kaputt gegangen.
Daher an dieser Stelle nur eine kleine Impression aus dem Lager.

9 Gedanken zu „Zurück zum Ursprung, kochen im Dutch Oven

  1. GRILLPATE

    Danke Oli, für die Vorstellung des Dutch Ovens! Ich verwende ihn schon lange, und möchte nicht mehr darauf verzichten! Deine Erklärung diese Topfs ist perfekt geraten und wird viele dazu inspirieren, einen zu erwerben! Ich werde jedenfalls deinen Beitrag auf Petromax Owners Club D-A-CH verlinken!
    Danke von Gerhard.

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Vielen Dank für die Anerkennung Gerhard! Ich freue mich, dass ein Profi wie du den Beitrag gelungen findet. Und sicher werde ich bei dir gute Rezeptinspirationen finden.
      LG Oli

      Antwort
  2. andersistauchgut

    Hach, da hast Du ja ein richtiges Schätzchen, um das ich Dich wirklich beneide. Und selbst wenn ich ihn hätte, ich hätte hier keine Möglichkeit ihn zu nutzen. In Canada/Alaska wird der Dutch Oven auch gerne genutzt. Für ein Outdoor-Camp einfach ideal! Alles, was Du jetzt noch brauchst, ist ein Volcano-Grill https://www.amazon.com/Volcano-Grills-3-Fuel-Portable-Camping/dp/B000FDKXN6 Dann hast Du alles für draußen abgedeckt 😉
    Lieben Gruß!
    Gabi

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Das ist ja auch ein süßer, für Camping und Picknicks bestimmt total gut. Ansonsten bin ich ja mit der portablen Feuerschale gut ausgestattet und die kann man unter Garantie auch genauso gut auf einem Balkon oder einer Gemeinschaftsfläche betreiben, wie einen Grill!
      Ich finde, das ist schon ein gutes Lebensgefühl, draussen zu kochen, grillen, essen, leben – irgendwie viel zu wenig verbreitet hierzulande.
      Ganz liebe Grüße,
      Oli

      Antwort
      1. andersistauchgut

        Auf dem Balkon hier ist maximal der Elektrogrill erlaubt. Und Gemeinschaftsfläche gibt es nicht. Für mich alleine lohnt der Aufwand nicht.
        Den Volcano-Grill hatte ich Dir nur raus gesucht, weil der extra für den Dutch Oven konzipiert ist. Den kann man da nämlich rein stellen, um die Hitze perfekt nutzen zu können. So als Goodie für unterwegs 😉

      2. Oli@Landidylle Autor

        Ach wie ärgerlich, das tut mir leid für dich. Musst du wohl doch mal ‚Abenteuerurlaub‘ hier machen. Öfter mal einen Ausflug machen und Dutch Oven oder Grill einpacken ist an sich ein schöner Vorsatz für uns. Hmm, mal gucken 🙂

    1. Oli@Landidylle Autor

      Hach ja, bin ich wieder voll ins Fettnäpfchen gelatscht.
      Gemeint war in dem Zusammenhang natürlich der Einsatz IM Haus. 😛

      Und ja, er ist wirklich klasse. Ich habe heute wieder auf dem Gasherd damit gekocht und bin mir mittlerweile ziemlich sicher, dass er ein insgesamt energieeffizienter Allrounder ist und total viel rustikales Flair ins Haus holt was ich gern mag.

      Antwort
      1. natuerlichjesus

        Alles ok 😉 In der Mietwohnung haben wir nicht so viel Spielraum 😉 Die Mikrowelle nutzen wir auch nicht, nur die Backofenfunktion von dem Gerät.

        Aber der Dutch Oven ist wirklich toll 💚

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