Gemüseanbau in Earth Bags (man könnte auch Sandsäcke sagen)

Am 28. Mai wurde gepflanzt

Das Verwenden von sogenannten Earth Bags für alle möglichen Zwecke ist seit einigen Jahren zunehmend populärer geworden. Man kann daraus Häuser bauen, Erdkeller, Mauern (Earth Bag Construction) oder wenn man so richtig retro ist, sein vorhandenes, vernünftig erbautes Gebäude vor Fluten schützen. Die Rede ist nämlich von stinknormalen Sandsäcken aka Gewebesäcken.
Auch als Getreidesäcke kann man die Earth Bags benutzen und so kamen sie im größeren Stil zu uns. Alle paar Wochen wenn ich Futterweizen und Legemehl vom Biohof hole, kommen neue Sandsäcke zu uns (und manchmal auch Pappsäcke, die ich als Mulch zur Unterdrückung von Quecke in zukünftigen Zierbeeten auslege).
In Prä-Geflügelpest-Zeiten nahm ich die alten, entleerten Säcke wieder mit zum Bauern und sie wurden neu befüllt. Nachdem das allen Beteiligten zu unsicher wurde, stapelten sich die Säcke im Schuppen.

Als wir dann im Mai 2017 endlich und spontan einen fast neuwertigen und günstigen Folientunnel fanden, diesen unter dem Druck der Hausherrin auch alsbald aufstellten und dann sogar noch jede Menge Tomatenpflanzen von der Baumfrau bekamen, wurden die Töpfe knapp.

In den gewachsenen Boden konnten wir noch nicht pflanzen, weil das Gelände queckeverseucht ist und so erinnerte ich mich plötzlich an mein Lager voll Sandsäcke.

Mehr als scheitern kann man nicht und was man nicht testet, weiss man nie aus eigener Erfahrung: also wurden auf dem Markt Jungpflanzen gekauft – was normalerweise nicht meine erste Wahl wäre, ich ziehe selber vor, aber dafür war es mit Ende Mai zu spät im Jahr – und testweise in Earth Bags angebaut.

Als Wasserspeicher und gleichzeitig langsamen Stickstoffdünger habe ich als unterste Schicht ordentlich Schafwolle gepackt. Darüber kamen eine Handvoll abgelagerter Pferdemist, dann Strohreste gemischt mit 50/50 Komposterde-Aushuberde und dorthinein direkt die Pflanzen.

Die Säcke standen zunächst noch auf dem gewachsenen Boden des Folientunnels, bald schon aber legten wir Baumschultextil aus, um den Unkrautwuchs weiter zu unterdrücken.

Mein Erdgemisch ist sehr nährstoffreich und porös, es hält Wasser nicht übermässig gut, ist aber auch nicht zu durchlässig, letztlich ist die Schafwolle der Speicher.

Am 5.6 blüten die gekauften Paprikapflanzen reichlich, ich habe die Königsblüte nicht ausgeknipst.

11 Tage später, am 16.7, konnten wir schon reichlich Auberginen und Paprika ernten. Natürlich muss man sich immer vor Augen halten, dass dies gekaufte und professionell vorgezogene Pflanzen waren, vermutlich irgendwelche Monsterhybriden der üblichen verdächtigen Saatgut-Monopolisten, die man ansonsten tunlichst meiden sollte. Aber wie gesagt: wer spät im Jahr seinen Folientunnel ergattert, kann entweder darauf zurückgreifen oder eine Saison aussetzen.

Diese Fotos oben sind vom 31.7. Da konnten wir satt bunte Paprikas in allen möglichen Farben und Formen (sowie Auberginen und Tomaten) ernten und freuten uns wie verrückt. Paprika hatten wir zwar im norddeutschen Freiland in recht ansehnlichen Mengen angebaut, ausgereift waren sie aber erst zeitgleich mit dem ersten Frost.

Zum Vergleich ein Foto vom 6 August, diese Paprikapflanze wuchs in einem alten Eimer und trug auch reichlich. Ich habe keine signifikanten Unterschiede feststellen können solange man vernünftig giesst.
Paprikapflanzen, die im Eimer stehen, dürfen eben nicht zu viel gewässert werden und der Eimerboden sollte gut per Akkubohrer mit Abflusslöchern versehen werden.

Im Earth Bag kommt mehr Luft an die Erde und an die Wurzeln – und die Wurzeln können beizeiten ein wenig durch das Gewebe hindurch in den Boden wachsen, was ihnen auch gut tut.

Mitte Oktober haben wir noch riesige Mengen Paprika und Auberginen, angebaut in Sandsäcken, aus dem Folientunnel geholt, uns daran mehr als satt gegessen und auch noch größere Mengen für den Winter eingefroren. Insgesamt konnten wir bis zum Frost ernten und um ehrlich zu sein, sind sogar einige Früchte an den Pflanzen erfroren.

Für uns war der spontane und improvisierte Anbau von Gemüse in Earth Bags ein Erfolg. Ich bin zwar kein übermässig großer Freund davon, Pflanzen von Kopf bis Fuß in Plastik zu verpacken, dennoch habe ich beim Verzehr dieser eigenen Früchte ein besseres Gefühl, als wenn ich anonyme Bio-Paprika kaufe.

Hätte ich die Getreidesäcke aber nicht ohnehin schon gebraucht auf Halde gehabt, hätte ich sie natürlich nicht extra angeschafft, sondern bin überzeugt, dass mir auch noch etwas anderes (neben dem Einsatz von Plastikeimern in Lebensmittelqualität vom Bäcker) eingefallen wäre. Wahrscheinlich werde ich dieses Jahr nochmals einige Kulturen in Sandsäcken anbauen, andere werden testweise schon in den gewachsenen Boden gepflanzt, indem wir das Baumschultextil schlitzen, eine Pflanzgrube ausheben und dort lokal den Boden verbessern.
Sollte das gut funktionieren, ohne dass das Unkraut wieder überhand gewinnt, brauchen wir in der nächsten Saison wohl schon keine Earth Bags mehr – ewig halten diese ohnehin nicht, sondern zerfasern irgendwann. Dann sollte man sie schleunigst und vollständig über den gelben Sack entsorgen, denn noch mehr Mikroplastik braucht die Natur nun wirklich nicht in ihrem Kreislauf. Die Verwendung ist also ein zweischneidiges Schwert und sollte mit Augenmaß erfolgen. In diesem Fall war der Plastikmüll aber wie gesagt ohnehin schon da und sofern man nicht unverpackte Ware beim Bioladen kauft, sind auch Bio-Paprika meist in Folie verpackt.

Gießen muss man das Gemüse in Earth Bags etwas mehr als in Eimern, insgesamt ist das Klima in unserem Folientunnel aber so feucht-warm, dass wir meist nur alle 2-3 Tage wässern mussten. Die Schafwolle wird über die Saison – je nach angepflanzter Kultur und Feuchtigkeit der Erde – fast vollständig aufgegessen.

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10 Gedanken zu „Gemüseanbau in Earth Bags (man könnte auch Sandsäcke sagen)

  1. lieschenmuellergaertnert

    Sehr beeindruckend! ich habe mich bisher immer noch um ein Gewächshaus o.ä. herumgemogelt, aber wenn ich Deine Fotos sehe, komm ich wieder ins Grübeln. Mich schreckt immer noch der Aufwand mit dem Erdwechsel ab. Der Boden in einem Gewächshaus ist schon besonders beansprucht und kann auch richtig stark austrocknen im Sommer. Da ist Deine Sackvariante eine gute Lösung. Liebe Grüße Annette

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Ich möchte den Folientunnel schon jetzt nicht mehr missen, auf keinen Fall. In unserem Klima hier oben ist es einfach kein Vergleich. Was man da alles anbauen kann und welch ein Ertrag, herrlich! Wie der Boden sich langfristig verhält, müssen wir schauen. Von unten drückt auf jeden Fall etwas Wasser durch, er wird wohl immer feucht sein und damit Bodenleben haben. Und ich gebe dem Bodenleben recht viel Futter, hoffe also, dass sich das irgendwie einspielt.
      Elliot Coleman hat seine Folientunnel auf Kufen gestellt und kann sie so immer mal wieder auf ein frisches bzw. aufgefrischtes Stück Land stellen und die jeweils alte Fläche wird der Witterung ausgesetzt. Eine tolle Möglichkeit, wenn man den Platz hat.
      Liebe Grüße, Oli

      Antwort
  2. Sandra

    Herrliche Fotos! Ich freue mich schon auf die kommende Gartensaison. In meinem Gewächshaus wird direkt in die Erde gesät und gepflanzt, aber falls mir ein Sack über den Weg läuft, werde ich es ausprobieren. LG Sandra

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Oh ja, mir juckt es auch schon gewaltig in den Fingern und ich bin super gespannt, wie diese (erste vollständige) Gewächshaussaison laufen wird!
      Ich bin so glücklich nun endlich ernsthaft Paprika, Okra und Tomaten anbauen zu können – ich glaube, ich bin nun bei 40 Sorten Tomaten! https://landidylle.com/anbauplanung-nutzgarten/sorten-im-gemuesegarten-2018/
      Hoffentlich habe ich nicht hemmungslos übertrieben, aber der Plan ist gezeichnet und die habe bereits Platzhalter dort hingestellt, wo die Pflanzen hinkommen. 🙂
      LG Oli

      Antwort
      1. Sandra

        Hui, das sind viele Tomatensorten! Ich gehe in die zweite Gewächshaussaison, und werde auf jeden Fall wieder Gurken anbauen. Die sind echt lohnenswert, genau wie Tomaten. LG Sandra

      2. Sandra

        Freilandanbau ist immer gut, dann hat man im Gewächshaus mehr Platz für die empfindlichen Pflanzen. LG Sandra

  3. marliesgierls

    Ich bin begeistert und natürlich wehmütig. Aber ich gönne Euch die Freude, so ein Folientunnel ist ja wirklich toll, mein Gewächshaus war zu klein für unser norddeutsches Klima, denn wann haben wir mal einen richtig guten Sommer? Okraschoten hatte ich auch ausgesät, erst sind sie ganz super gewachsen und auf einmal waren alle hin, das war sehr ärgerlich, ich drücke Dir die Daumen, aber eigentlich glaube ich, dass Du da alles hinbekommst.
    So ein Erdsack ist ja richtig praktisch und das ist ja enorm, wie schnell die Paprika da gewachsen sind, aber das liegt wohl am Tunnel, draußen dauert es ewig!
    Nun gedulde Dich noch ein wenig, ich denke im Februar fängst Du bestimmt schon mit dem Vorziehen an, oder?

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Tja, wann hatten wir zuletzt einen richtig guten Sommer? Berechtigte Frage, ich kann mich nicht erinnern. Ob mir die Okras gelingen, da bin ich auch gespannt, immerhin ist das ja nun eine komplett neue Pflanzenfamilie. Ich werde deine Erfahrung mal als Warnung abspeichern bzw. im Hinterkopf behalten. Der Tunnel ist wirklich toll weil er so groß ist, da haben wir massig Möglichkeiten, an die so nicht zu denken wäre – aber er hat auch seine Nachteile. Selbst bei dem Wetter des letzten Sommers hatten wir oft über 50°C darin und keine Möglichkeit, die Wärme nach oben abziehen zu lassen. Man kann nur zeitig morgens die Türen aufmachen und auf Durchzug hoffen.
      Trotzdem: nie wieder möchte ich die Möglichkeit missen, unter Glas/Folie zu gärtnern, es ist ja schlicht kein Vergleich. Sämtliche Bemühungen, die sonst ein Risiko waren, werden plötzlich belohnt und es ist viel wahrscheinlicher, dass die Ernte fett wird. Trotz mitunter viel zu heißer Temperaturen und Schädlingsbefall zwischendurch waren wir baff.

      Was das Vorziehen angeht habe ich mir gerade heute selber eine Frist gesetzt und mit mir abgemacht, dass ich nicht vor dem 15.1 die ersten Chilis testweise aussäen darf. 🙂 Ich will dieses Jahr mit LED-Pflanzenlicht experimentieren weil die Fensterbankflächen zu klein werden und die Pflanzen ausserdem leicht vergeilen. So könnte ich dann zum 1.2 mit Paprikas anfangen und zum 15.2 etwa die ersten Tomaten, letztes Jahr hatte ich die Ampeltomaten 14 Tage später, zum 2.3 ausgesät (wo ich noch nicht wusste, dass wir einen Tunnel bekommen) und das war OK und zeitig. Die Pflanzen waren schön groß und blühten als sie rauskamen. Der Frühling war aber auch warm genug hier, dass sie zeitig an die echte Sonne konnten.
      Hast du Erfahrungen mit Direktsaat von Broccoli und Blumenkohl? Bislang habe ich die ja auch immer vorgezogen, höre aber interessiert, dass einige in besseren Klimata auch geschützte Direktsaat wagen.

      Antwort
      1. marliesgierls

        Herzlichen Dank für Deine ausführliche Antwort, ich bin immer sehr interessiert von Dir zu hören. Ich habe so gut wie nie Direktsaat gemacht, da hatte ich keine Chance, von unten und von oben wollten immer alle mitessen!
        Ich stelle mir gerade die warmen Temperaturen immTunnel vor, da würde ich meinen Kaffeetisch reinstellen und mich im Badeanzug dazu setzen, vielleicht solltet ihr einen kleinen Whirlpool bauen? (Spaß!)
        Lieben Gruß Marlies

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