Willkommen September, Herbst, Kohlernte & Sturmzeit

Willkommen September, Herbststürme, Starkregen, letzte große Erntewellen und hoffentlich auch noch einige schöne, warme Tage mit Altweibersommer-Atmosphäre. Die Sommerferien sind vorbei, die Touristen wieder abgezogen, als Einheimischer könnte man jetzt noch schnell ein wenig die Strände geniessen – zumindest in Wetterkleidung und wenn man bereit ist, Kurtaxe für Landschaften des eigenen Bundeslandes zu zahlen.
Hier im Norden wird seit einiger Zeit im Akkord der Kohl geerntet und im September dann in Form der Dithmarscher Kohltage die Ernte gefeiert.

Wir sind ja üblicherweise keine Leute die Urlaub machen, sondern geniessen die zugegebenermassen wenigen freien Stunden lieber zusammen bei produktiven Beschäftigungen an Haus und Hof oder machen lehrreiche Ausflüge. Im August fiel mir irgendwann auf, dass es im Kindergarten zunehmend leerer wurde, irgendwann fiel der Groschen und ich überlegte mir, dass es für das Kind vielleicht ganz spannend wäre, eine Woche Ferien am Stück mit Ausflügen zu machen.

Das Nützliche mit dem Schönen zu verbinden, ist mir trotzdem wichtig. Zuviel Müßiggang macht mich schnell nervös und das ist für alle Beteiligten unentspannt.

So fuhren das Kind und ich zu dem größten Blaubeerfeld in Norddeutschland wofür offensiv Werbung gemacht wird und überprüften, ob andere Mütter auch schöne Söhne Blaubeeren haben. Nun bin ich um eine Erfahrung reicher, spare mir in Zukunft den Weg nach Willenscharen und weiß ‚unsere‘ Blaubeerplantage in Dellbrück mit gemütlichem Waldcafé und Kinderspielplätzen noch mehr zu schätzen. Nicht nur, dass die Anlage mit der naturnahen Bepflanzung am Rand einfach viel schöner und heimeliger ist, das Wichtigste überhaupt ist, dass ganz nach guter alter Dithmarscher Tradition der Eigensinn und Freiheitswille nicht unterbunden wird. Während man auf dem anderen Feld eine Reihe zugewiesen bekommt, in der man bleiben und pflücken muss, wird einem in Dellbrück erzählt, welche Felder für Selbstpflücker freigegeben sind und dort kann man sich nach Belieben bewegen. Ein nicht unwesentlicher Punkt vor allem für Familien mit Kindern, die erfahrungsgemäss gerne sich jagend durch die Felder rennen.

Buchweizengrütze oder Buchweizenbrei mit Blaubeeren und Honig war eine Weile unser erklärtes Lieblingsfrühstück und auch Blaubeerpfannkuchen kamen nicht zu kurz.

Dann haben wir noch die Seehundstation in Friedrichskoog besucht und unsere größten einheimischen Raubtiere mal aus der Nähe angesehen. Die Aufzuchtstation für Jungtiere ist für Besucher nicht zugänglich und kann nur aus den Fenstern im ersten Stock des Ausstellungsgebäudes besehen werden. Insgesamt ist die Station eher klein und – zumindest mit kleinen Kindern – eher für eine Stippvisite von 2 Stunden, als für einen Tagesausflug geeignet. Mehrere große Ausstellungen und wirklich viele Informationen stehen für diejenigen bereit, die sich mehr Zeit nehmen können.

Das traditionelle Jagdrecht (Gewohnheitsrecht) der Küstenbewohner auf Seehunde galt übrigens bis 1934. Seehunde versorgten die Menschen hier mit Tran, Fell und Fleisch.
„Es galt die Grundeinstellung: „Frii es de Feskfang, frii es de Jaght, frii es de Strönthgang.““

Von diesen Freiheiten ist nichts mehr übrig. Dithmarscher sind keine Inuit, das steht mal fest.

Besonders angenehm überrascht hat mich ein kleiner privater Flohmarkt achtern Diek: Pütt un Pann zur Selbstbedienung mit Vertrauenskasse aufgestellt, so wie es in Schleswig-Holstein bis vor wenigen Jahren für viele Waren üblich war – und zum Glück abseits der grösseren Dörfer mit den modernen Problemen auch teilweise heute noch ist.

Besagte Vertrauenskassen sind traditionell allerdings nicht verschlossen und stabil, sondern man benutzt eher Keksdosen aus Weißblech, die geöffnet werden können. Auf diese Weise kann sich der Kunde sein Wechselgeld selber nehmen.

Ein weiterer Ausflug führte uns mal wieder in die Nutztierarche Warder, Europas größtem Tierpark für seltene und vom Aussterben bedrohte Haus- und Nutztierrassen.
Geplant war, dass ich mir bei der Gelegenheit direkt 2 nette Schafe einer mindestens Zweinutzungsrasse aussuche, mich im Vorbeigehen noch in eine Ziege verliebe und die Viecher dann wenige Tage später abhole.
Das rief allerdings den Gatten auf den Plan, der keinesfalls Ziegen auf dem Hof haben will und plötzlich war er ganz, ganz schnell dabei, auf anderem Wege Schafe für uns zu organisieren.
Das kostete ihn etwa 5 Minuten seiner kostbaren Zeit. Besagte Schafe sind leider immer noch nicht hier eingetroffen und ich überlege bereits ein Ultimatum zu stellen und bei Verzug für jede Woche ein Zicklein als Zinsen zu berechnen.

Des Weiteren hat das Kind seinen Basteltrieb endgültig entdeckt und damit mitunter meine Nerven etwas überstrapaziert. Bei ihrer impulsiven, kreativen Art bleiben Kollateralschäden bleibender Natur eben nicht aus.

Das war die Urlaubswoche mit Kind.

Auf dem Hof ging das Landleben weiter wie gehabt: es wurde voller Dankbarkeit geerntet, aus dem Vollen geschöpft und geschlemmt, es wurde getauscht, Versuche gemacht, überflüssiger Zinnober in Obstbäume umgewandelt und es wurde auch gestorben.

Die Tochter von Frau Königsbergerin, ein Mischling aus Vorwerk und Königsberger-Hybride mit dem Aussehen der Königsberger, flog bei der Milbenbehandlung im Stall gegen das Fenster und befand sich danach in einem Zustand, den ich direkt als irreversibel ungut einstufte und den Notschlachter herbeirief.

Zusammen mit einigen Karotten, Zuckererbsen und Spargel, wurde aus Frau Königsbergerin ein leckeres Hühnerfrikassee mit melancholischem Nachgeschmack. Es ist ein Jammer, wenn ein relativ junges Huhn mitten in der Legeperiode stirbt. Ihr Bauch war voller Eier, was für eine Verschwendung von Leben.
Und unnütz dazu: alle Hühner sind es gewohnt, dass ich sie dann und wann auf den Arm nehme, untersuche, streichle und auch mit ätherischem Öl gegen Milben behandle. Einige wissen, dass an der Behandlung kein Weg vorbeiführt und melden sich freiwillig, andere verstecken sich bis zum Schluß hinter Kolleginnen – aber keine war bislang so panisch, gegen das Fenster zu flattern. Zumal ich mich routiniert und ruhig bewege und keine Hektik verbreite.

Der schöne Teil an der Geschichte war, dass das Kind völlig natürlich mit der Situation umging. Als ich ihr nach dem Kindergarten erzählte, dass Frau Königsbergerin sich verletzt hatte und wir sie schlachten mussten, fragte sie gleich, ob wir sie jetzt essen würden.
Ja sagte ich, wir machen Hühnerfrikassee aus ihr. Die Antwort war: lecker!
Mich nimmt so ein Fall mehr mit, aber ich bin ja auch nicht derart mit natürlichen Kreisläufen aufgezogen worden.

Dann habe ich noch die Baumfrau besucht, den Garten inspiziert, fachgesimpelt, Dinge ausgetauscht, faul in der Sonne gesessen und meinen Solarofen mitgenommen. Davon werde ich sicher noch mehr berichten.

Das war der August, ich lasse es ab jetzt etwas ruhiger angehen und bin recht dankbar, dass dies dank nahendem Saisonende auch ganz gut möglich ist.

Nach der hektischen, arbeitsreichen und schweißtreibenden Zeit im Garten, folgt nun die etwas langsamere, gemütlichere Zeit im Haus mit vermutlich bald schon laufenden Öfen. Abends wird es merklich kühl, Schaffell und Wärmflasche sowie Extra-Wolldecke im Bett sind Pflicht.

Herbststürme, Starkregen und stark gedimmtes Licht den ganzen Tag über machen jetzt in Norddeutschland einen großen Teil der Zeit aus und wir hoffen auf einen goldenen Oktober.

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2 Gedanken zu „Willkommen September, Herbst, Kohlernte & Sturmzeit

  1. Alex

    Hi Oli,
    Klingt nach einem arbeitsamen aber interessanten August! Ich persönlich glaube, daß der Jahreszeitenwechsel bisher zu glatt gegangen ist und erwarte noch ein warmes Spätjahr, entweder als Altweibersommer oder aber wie die letzten Jahre im Süden mit Temperaturen von 20 C im Spätnovember 🙂
    Ändern kann man eh nichts, und wenn der Frühling so lange braucht, um in die Gänge zu kommen, kann es ruhig etwas länger dauern, bis Ruhe einkehrt.
    LG Alex

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Sehe ich auch so Alex, wir müssen es eh nehmen wie es kommt aber verdient hätten wir hier oben schon noch einige schöne Tage. Meine Verwandtschaft im Süden allerdings ächzte unter brüllender Hitze und Wassermangel im Sommer als es hier echt kühl war und man um jeden trockenen Tag dankbar.

      Ich persönlich finde es noch viel zu früh (für mich, soweit bin ich mental noch nicht), morgens vor dem Duschen den Ofen anzuheizen. Brrr :-Z
      LG Oli

      Antwort

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