Traditionelle Dithmarscher Winterkost: Geschmortes Lamm auf Weißkohl mit Kartoffeln

geschmorter-kohl-lamm

Es mag nicht besonders schmuck aussehen, dafür ist dieses traditionelle Schmorgericht ein Gaumenschmaus und eine klassische Winterkost im echten Norden. Hier, wo der Kohl besonders gut gedeiht und wo es quadratkilometerweise Land gibt, welches nicht direkt für den Anbau von Nahrung genutzt werden kann, sondern nur über den Umweg Schafhaltung.
Ob zur Deichpflege, auf den feuchten Salzwiesen oder im Hinterland: Schafe prägen das Landschaftsbild von Dithmarschen und Nordfriesland und sind unverzichtbar für die Landschaftspflege. Aber natürlich gehören sie auch seit Alters her zur traditionellen norddeutschen Küche wie Kohl, Mehlbüdel und Fliederbeersuppe.

Interessant finde ich, dass heute Umfragen zufolge nur noch wenige Deutsche Lammfleisch mögen (und wahrscheinlich eher mit mediterraner Küche als mit einheimischer assoziieren, was mal wieder reichlich abstrus ist.)
Auch vor den Dithmarschern macht diese Entwicklung nicht halt. Schwiegervater berichtet gerne mit einem süffisanten Grinsen, dass er seinen Jungs früher Lammfleisch ‚unterschmuggeln‘ musste. Früher, als er noch Schafe hatte.

Schafe auf dem Deich

In diesem Hause ist das nicht notwendig und daher gibt es heute geschmorte Lammkeule auf Weißkohl und Kartoffeln aus dem Schmortopf, norddeutsches Soulfood zum Reinknien.

Zutaten für 4 normale Personen oder 2 hungrige Ditschis:

  • 1 Lammkeule
  • 1 mittlerer Weißkohl
  • etwa 2 Pfund Kartoffeln
  • 400ml kräftige Gemüsebrühe
  • 2-4 EL Kümmel
  • Fett zum Anbraten

Die Lammkeule wird gewaschen, trockengetupft und von allen Seiten scharf angebraten. Backofen auf 180°C vorheizen.

Den Weißkohl achteln, den Strunk entfernen und die Spalten in Scheiben schneiden, kurz auf kleinerer Flamme mit anbraten, dann mit der Brühe ablöschen. Kümmel zugeben und unterheben.

Die Kartoffeln schälen, waschen und je nach Größe halbieren oder in mundgerechte Stücke schneiden, unter den Kohl heben.

Den Deckel auf den Schmortopf oder Bräter auflegen und diesen für eine Stunde in den Ofen schieben. Danach die Haxe einmal wenden und für eine weitere Stunde in den Ofen geben. Nach 2 Stunden sollte die Kerntemperatur des Fleisches bei etwa 80-85°C liegen. Man kann den Ofen nun ausmachen und das Gericht entweder sofort servieren oder noch bis zu einer Stunde ziehen lassen.

dithmarscher-kohl-lamm-schmortopf

Auf diese Weise wird das Fleisch sehr zart, der Weißkohl bekömmlich, buttrig & mild und die Kartoffeln nehmen alle Aromen wunderbar auf und sie werden cremig. Schwer zu sagen, ob dieses Essen auch für Menschen jenseits der Elbe eine solche Wonne ist, für uns ist es in aller Einfachheit ein wahrer Hochgenuss.

4 Gedanken zu „Traditionelle Dithmarscher Winterkost: Geschmortes Lamm auf Weißkohl mit Kartoffeln

  1. Alex

    Du kannst Dir sicher sein, daß es hier auch gut ankäme! Im Winter sowieso, da darf das Lamm auch durchgegart sein und mit Kohl und Kümmel serviert werden. Im Sommer kann man ja dann eine andere Küche fahren 🙂 .
    Es ist aber auch durchgegart wunderbar zart und durch die Flüssigkeit, in der es lag auch schön saftig!
    LG Alex

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Du hast recht. Es ist zart und saftig und alles zusammen gewinnt durch den gegenseitigen Austausch von Aromen – so einfach und bäuerlich wie dieses Essen ist, es ist auf seine Art herrlich.
      Und ja, im Sommer würde es mit etwas Thymian oder Rosmarin zusammen mit Paprika und Zucchini auf den Grill kommen – ich kann es kaum erwarten!
      LG Oli

      Antwort
  2. Hartmut Falk

    Ok, es gibt Bunteres. Aber man sieht trotzdem schon wie lecker das ist. Es muss auch nicht unbedingt ein Rezept aus Nordafrika, Israel, Südamerika oder Asien sein um interessant zu sein. Lokale frische Zutaten zu bereiten, alte Rezepte vielleicht etwas verschlanken, gerne auch mal mit exotischen Gewürzen. Das ist ES. LG Hartmut

    Antwort
    1. Oli@Landidylle Autor

      Vielen Dank Hartmut, ich bin da ganz deiner Meinung. Und ja, buntere Gerichte sind optisch aufregender, aber dieser satte Geschmack macht es wett – sofern man etwas Gutes erkennt wenn man es sieht!
      LG Oli

      Antwort

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